Hedge-Fonds Manager

Eitelkeit, Exzesse und ein bißchen Gutes tun

Von Bettina Schulz, London

Die Londoner Börse: Tummelplatz für Hedge-Fonds-Manager

Die Londoner Börse: Tummelplatz für Hedge-Fonds-Manager

09. Januar 2006 Was würden Sie zahlen, um mit Premierminister Tony Blair ein Mal Tennis spielen zu dürfen? Keine müde Mark? Das sehen die Banker und Finanzjongleure in der Londoner City anders. Der Eitelkeit sind keine Grenzen gesetzt. 90.000 Pfund war der Schlagabtausch mit dem Premierminister einem Londoner Banker wert, der die stolze Summe generös in eine Tombola zahlte. Dies war freilich keine gewöhnliche Tombola, sondern der Höhepunkt des gesellschaftlich elitären Wohltätigkeitsballes "Ark". Und es handelte sich auch nicht um einen gewöhnlichen Banker, sondern um einen Manager eines Londoner Hedge-Fonds.

In der Londoner Szene der Hedge-Fonds wird mehr Geld verdient, als es sich "normale" Investmentbanker je träumen ließen. "Und wer das Geld so schnell verdient, der gibt es auch leichtfertiger wieder aus", heißt es zu der Prasserei. Der Chef des Londoner Edelclubs "Aviva" kann davon ein Lied singen. Nicht lang ist es her, da ließ ein Hedge-Fonds-Manager abends die Champagner-Korken knallen.

Die meisten arbeiten, leben und feiern hinter verschlossenen Türen

Freilich nicht nur für sich und seine Freunde, sondern für den ganzen Club und vor allem für die am Nachbartisch sitzende Schauspielerin Jasmine Lennard. Die ließ sich von den vielen "Dompers", wie Dom Perignon in der Szene genannt wird, nicht beeindrucken, und so stieg die Rechnung auf 36.000 Pfund. Das machte dem Hedge-Fonds-Manager wenig aus, denn er amüsierte sich gerade über den "absurd hohen Bonus", den er einkassiert hatte - offenbar mehrere Millionen Pfund. Der jungen Bedienung zahlte er das in London übliche Trinkgeld von zehn Prozent - gut 3000 Pfund. Jasmine Lennard blieb ungerührt. Sie soll dem Mann später geraten haben, es das nächste Mal mit Diamanten zu versuchen.

Die Hedge-Fonds-Manager sind eine neue Klasse für sich. Wenn früher in der Londoner City über die Exzesse der Bonus verdienenden Investmentbanker gestaunt wurde, ist es heute die schillernde Welt der Hedge-Fonds, die für immer neue Schlagzeilen sorgt. Die Szene ist zudem geheimnisvoll, denn die meisten Mitarbeiter der Hedge-Fonds arbeiten, leben und feiern hinter verschlossenen Türen und scheuen die Öffentlichkeit. "Es bringt uns nichts, in die Öffentlichkeit zu treten", heißt es in der Branche. Schließlich seien ihre Strategien für professionelle Großinvestoren bestimmt, nicht für Kleinanleger, für die besonders transparente aufsichtsrechtliche Vorschriften gälten und um die anders geworben werden müsse.

Umsätze gegen Insider-Tips?

So wird an den Finanzplätzen London und New York akzeptiert, daß die Fonds auf Offshore-Plätzen wie den Cayman-Islands registriert sind. Die Fondsmanager selbst residieren freilich an der Wall Street oder im Londoner Mayfair und schalten und walten von dort über die Milliardenbeträge ihrer Fonds. Dabei kocht die Gerüchteküche. So wird in der Londoner City kolportiert, daß die Fonds ihre deftigen Umsätze denjenigen Brokern erteilten, denen sie hinter vorgehaltener Hand Insider-Tips zukommen ließen.

Aber der Großteil der Fonds-Manager versucht wohl, an den Aktien-, Anleihen-, Devisen- und Rohstoffmärkten ausgetüftelte Arbitrage zu betreiben. In den neunziger Jahren schossen in New York und London Tausende dieser Hedge-Fonds aus dem Boden. Meist waren es Gründungen ehemaliger Investmentbanker.

Einige Milliarde Dollar auf wenige hundert Personen verteilt

Einer dieser "Wizz-Kids" der Londoner City ist Crispin Odey, ehemals Geschichtsstudent in Oxford, dann Banker bei der später kollabierten Bank Barings. "Ich habe das Ding 1991 aufgebaut", sagt er rückblickend. Damals hatte er gerade einmal 120.000 Pfund angespart, die er in seinen Hedge-Fonds investierte. Seine Frau Nichola gab ihm als Ermunterung noch 10.000 Pfund. Später kamen Kundengelder hinzu, sogar von Großinvestoren wie George Soros. Heute verwaltet "das Ding" mehrere Milliarden. Odey und seine Frau Nichola Pease, selbst Chefin einer Vermögensverwaltungsgesellschaft, haben sich eine goldene Nase verdient. Die "Sunday Times" plaziert das Paar mit einem geschätzten Vermögen von 189 Millionen Pfund (knapp 280 Millionen Euro) auf Platz neun der reichsten Leute der Londoner City.

Woher kommt der Reichtum der Hedge-Fonds-Manager? Insgesamt verwalten die 670 in London ansässigen Hege-Fonds nach Angaben der Analysegesellschaft Eurohedge etwa 210 Milliarden Dollar. Die laufenden Kosten der Fonds werden von der Verwaltungsgebühr, die die Kunden an den Fonds entrichten müssen, abgedeckt. Zunächst erhalten die Kunden zwar eine Mindestrendite. Den Restgewinn aber müssen sie sich mit den Fondsmanagern teilen, die in der Regel gut 20 Prozent als direkte Gewinnbeteiligung einstreichen. Das macht allein für die Londoner Fondsmanager einige Milliarden Dollar im Jahr aus - auf wenige hundert Personen in der Londoner City verteilt.

„ArK“ - wenn die Prasserei guten Zwecken dient

Den Vogel aber schießt Louis Bacon von Moore Capital Management ab. Nach einer kostspieligen Scheidung, die ihn nach Angaben der Regenbogenpresse in Amerika fast 75 Millionen Euro gekostet haben soll, kam Bacon 2002 nach London. Er soll im Jahr gut 100 Millionen Dollar als Gewinnbeteiligung einstreichen. Auf Platz drei der "Sunday Times"-Liste gilt Bacon mit einem geschätzten Vermögen von 600 Millionen Euro als einer der reichsten Männer in der City und ganz Großbritanniens. Er steuert seinen europäischen Moore Fonds von einem Haus in Mayfair aus - in direkter Nachbarschaft zu Arpad Busson.

Auch der ist eine der schillernden Figuren der Hedge-Fonds-Szene. Busson, ehemals mit dem australischen Supermodell Elle MacPherson liiert, gründete 1992 den European Investment Manager, später EIM abgekürzt. Heute ist der EIM mit 6 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen einer der größten Dachfonds in der Hedge-Fonds-Industrie. Doch bekannt ist Busson vor allem für seinen Wohltätigkeitsball "Ark", auf dem die Prasserei der Banker sogar guten Zwecken dient. "Ark" steht für "Absolute Return for Kids" und ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die Busson ins Leben rief. Die auf dem Ball gesammelten Spendengelder fließen nach Osteuropa und Afrika, wo armen und behinderten Kindern geholfen wird. So mancher Fondsmanager hat nämlich durchaus ein großes Herz, wie zum Beispiel Chris Hohn, der notorisch geheimnistuerische Gründer und Mitinhaber von TCI. Hohn hatte Werner Seifert bei dem Übernahmeversuch der Londoner Börse aufs Kreuz gelegt und gleichzeitig hinter den Kulissen Millionen für Aidsforschungsprojekte in Indien gespendet.

Die „Königin der Schulden“ kämpft mit harten Bandagen

Doch zart besaitet ist die Gründerzunft der Hedge-Fonds nicht. Joy Seppala etwa, eine kühle finnisch-amerikanische Blondine, kämpft in der Finanzmetropole der Londoner City mit harten Bandagen. Zur "Königin der Schulden" ernannte sie jüngst die "Sunday Times", als Seppala sich vor Gericht mit dem Konkursverwalter KPMG ein Duell lieferte. Seppala ist die 44 Jahre alte Chefin des Hedge-Fonds Sisu Capital, der sich wie viele andere Hedge-Fonds auf das Geschäft mit "faulen Krediten" spezialisiert hat.

Was anrüchig klingt, hat auch gute Seiten. Oft führt dieses Geschäft der Hedge-Fonds mit "faulen Krediten" nämlich sogar dazu, daß Unternehmen vor dem sicheren Bankrott gerettet werden. Braucht ein Unternehmen neue Liquidität, ist die Zeit der Hedge-Fonds gekommen: Das Unternehmen, das von traditionellen Banken keinen Pfennig mehr bekommen würde, ist von den Hedge-Fonds abhängig. Von ihnen erhält es zwar Liquidität, wird aber gezwungen, umzustrukturieren und das Management für eine Sanierung auszuwechseln. Bei der Umschuldung drängen die Hedge-Fonds dann auf Umwandlung von Gläubigerforderungen in Eigenkapital. Das verschafft den Fonds eine Beteiligung an einem wieder prosperierenden Unternehmen.

Diese angelsächsische Strategie hält nun auch Einzug in Deutschland. Erste Fälle waren die Sanierungen der Deutschen Nickel Gruppe, des Folienherstellers Treofan und des Automobilzulieferers Schefenacker. "Ohne diese angelsächsischen Investoren gäbe es das Unternehmen heute gar nicht mehr", urteilen Mitarbeiter heute.

Doch vor Gericht ging es der gewieften Fondsmanagerin von Sisu Capital nur darum, gegen den Konkursverwalter noch mehr Geld für ihren Fonds herauszuschlagen. Mit ihrem adretten, aber kalkulierten Auftreten verkörperte Seppala die nimmersatte Seite der Hedge-Fonds, die selbst mit den Schulden von in Not geratenen Unternehmen noch Geld machen. Seppala verwaltet von ihrem kleinen Büro in Mayfair aus einen Fonds von 800 Millionen Dollar. Vor Gericht zog sie aber den kürzeren. "Ihre Beweise haben nicht gestimmt, und außerdem übertreiben Sie, was andere vielleicht eher als Lügen bezeichnen würden", hielt ihr der Richter vor.

"Dieser Fall hat das Bild von uns als Heuschrecken wieder bestätigt", seufzte ein Banker danach. Was wirklich hinter den Strategien der Hedge-Fonds stehe, verständen die Leute immer noch nicht.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.01.2006, Nr. 1 / Seite 43

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