10. Juli 2006 In Europa kaufen Mitglieder der Unternehmensführung mehr Aktien der eigenen Gesellschaften. Viele Anleger werten die Käufe der sogenannten Insider als positives Zeichen.
Das ist ein Vertrauensbeweis, sagte Eric Taze-Bernard, Chief Investment Officer bei Invesco Gestion in Paris. Wenn man auf der Führungsebene mit gutem Beispiel vorangeht, können andere Investoren folgen. Bei 41 europäischen Unternehmen kauften Insider in den beiden Wochen vor dem 22. Juni Aktien, wobei die Aktien von zehn Unternehmen wieder verkauft wurden. Dies ist die höchste Quote seitdem die Anlagestrategen Bernd Meyer und Ingo Schmitz von der Deutschen Bank AG diese Daten erstmals im September 2004 erhoben haben. Nach europäischem Recht sind Unternehmen verpflichtet, über die von Vorstandsmitgliedern gehandelten Aktien innerhalb von fünf Tagen nach der Transaktion zu berichten.
12 Prozent Kursgewinn seit dem letzten Kauf
In den eigenen Reihen am beliebtesten waren im letzten Monat die Aktien von Actividades de Construccion & Servicios (ACS) und Allied Irish Banks: Der Chairman von ACS, Florentino Perez, hat zwischen dem 20. und dem 30. Juni Aktien im Wert von mindestens 95 Millionen Euro erworben und damit seine Beteiligung am größten spanischen Baukonzern auf 8,79 Prozent erhöht. Das zeigen Informationen der zuständigen Wertpapieraufsicht. In diesem Monat liegt die Aktie von ACS 2,1 Prozent im Plus.
Robert G. Wilmers, Vorstand bei Allied Irish Bank, hat im Verlauf des vergangenen Monats für 2 Millionen Dollar amerikanische Aktienzertifikate (ADR) des größten irischen Kreditinstituts nach erworben. Seit seinem letzten Kauf am 13. Juni ist der Kurs der ADR, die jeweils zwei Aktien verkörpern, um 12 Prozent gestiegen.
Vorstände kauften Aktien für 8,6 Millionen Pfund
Die Insiderkäufe nehmen zu, nachdem der Dow-Jones-Stoxx-600-Index von seinem diesjährigen Hoch am 9. Mai bis zu 12 Prozent eingebrochen war. Ursache war die Besorgnis der Anleger, daß weltweit höhere Leitzinsen das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne beeinträchtigen werden.
In Großbritannien, dem größten Aktienmarkt Europas, kauften Vorstände im vergangenen Monat Aktien im Wert von 8,6 Millionen Pfund, zeigen Zahlen von Graham Secker, Stratege bei Morgan Stanley in London. Im Januar hatte diese Zahl noch bei einer Million Pfund gelegen.
Vertrauen in das Unternehmen unterstreichen
Die Zahlen zum Insiderhandel zeigen, daß Vorstände relativ zuversichtlich sind, was die künftige Wertentwicklung der Unternehmen betrifft, sagte Roger Nightingale, weltweit verantwortlicher Stratege bei Millennium Global Investments in London. Für Unternehmen, die im marktbreiten Stoxx 600 abgebildet sind, erwarten Analysten in diesem Jahr im Durchschnitt 13 Prozent höhere Gewinne, zeigen Daten von FactSet Research Systems in London. Im Vormonat belief sich diese Einschätzung noch auf zehn Prozent.
Innerhalb Großbritanniens wurden die meisten Insiderkäufe während des letzten Monats von Vorständen des britischen Zigarrettenkonzerns Gallaher Group getätigt. Stewart Hainsworth, Leiter des Geschäftsbereiches Baltikum und Skandinavien, erwarb am 8. Juni 100.000 Aktien zu 815,5 Pence je Aktie. Seither hat die Aktie 6,1 Prozent zugelegt. Hainsworth habe die Aktien gekauft, um sein Vertrauen in den Sektor und in das Unternehmen zu unterstreichen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Gemessen am Ausblick für das Wirtschaftswachstum und die Gewinne, sind europäische Aktien günstig bewertet, sagt Stefan Duchateau, Vorstandsvorsitzender von KBC Asset Management in Brüssel.
Die Unternehmen im Stoxx 600 werden im Schnitt zum 12,5fachen der für 2006 erwarteten Gewinne gehandelt. Damit ist das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) geringer als während der letzten zehn Jahre, zeigen Zahlen von FactSet. Am 13. Juni lag das KGV europäischer Aktien bei 11,7 und damit auf dem niedrigsten Wert seit März 2003.
Text: Bloomberg, F.A.Z., 11.07.2006
Bildmaterial: FAZ.NET
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