Geldanlage

Wer braucht geschlossene Fonds?

Von Hanno Beck

Auf den Weltmeeren unterwegs: Das Geld deutscher Anleger

Auf den Weltmeeren unterwegs: Das Geld deutscher Anleger

07. Dezember 2006 Es waren schon merkwürdige Argumente, mit denen die Anbieter geschlossener Fonds früher auf Kundenfang gingen: Anstatt daß man die Kunden mit Gewinnen köderte, konnten die avisierten Verluste gar nicht hoch genug ausfallen - und die Kunden griffen dankbar zu.

„Früher“, das war in den goldenen Steuersparzeiten, als geschlossene Fonds nicht als Renditebringer betrachtet wurden, sondern als Steuersparmodelle, bei denen das Investmentrisiko sozialisiert und die Erträge privatisiert wurden, weil die Verluste sich in der Steuererklärung zu Steuerersparnissen wandelten. Dieser florierenden Steuersparindustrie, die sich mit dem Segen des Fiskus in diesem Segment entwickelte, wollte man im Finanzministerium dann doch nicht länger zuschauen; heute ist Steuersparland abgebrannt - geschlossene Fonds haben als Steuersparmodell ausgedient.

Geringe Abhängigkeit vom Auf und Ab an den Börsen

Einige bekannte Anbieter geschlossener Fonds, beispielsweise die Münchener Falk-Gruppe, versäumten es, ihre Produktpalette vom Steuerspargang auf Renditemodelle umzustellen, was die Anleger teuer bezahlen mußten. Aber das Gros der Anbieter, so sagen Branchenkenner, hat den Umschwung von Steuersparmodellen zu Renditefonds geschafft. Aber wer braucht denn eigentlich noch geschlossene Fonds, wenn das Steuersparargument nicht mehr zieht?

„Jeder Anleger, der genügend Vermögen hat, um dieses ein wenig zu streuen, und eine Ertragskomponente sucht, die unabhängig von den Schwankungen an den Börsen ist, kann dafür geschlossene Fonds nutzen, die in Realwerte investieren“, sagt Peter Kastell vom Fondsanalysehaus Fondsmedia. Ein großer Vorteil vieler Investitionsobjekte, in die geschlossene Fonds investieren - vor allem Schiffe und Immobilien -, ist nämlich deren geringe Abhängigkeit vom Auf und Ab an den Börsen.

Ist Steuersparland wirklich abgebrannt?

Allerdings sieht auch Kastell geschlossene Fonds nur als Beimischung zu einem breiten Portfolio. Zudem muß ein Anleger auch ein wenig mehr Zeit mitbringen - auch an den Märkten, auf denen diese Fonds unterwegs sind, gibt es zyklische Schwankungen. Den langen Atem braucht der Anleger auch um so mehr, als geschlossene Fonds weniger fungibel sind als ihre offenen Pendants, die börsentäglich veräußert werden können. Zwar nimmt der Zweitmarkt für Anteile an geschlossenen Fonds allmählich an Fahrt auf, und unter Umständen kann man sogar noch einen Spekulationsgewinn erzielen, wenn man zum richtigen Zeitpunkt verkauft, doch müssen sich Anleger darüber im klaren sein, daß der Verkauf am Zweitmarkt auch viel Rendite kosten kann.

Aber ist Steuersparland wirklich abgebrannt? Nicht ganz: Dank diverser Doppelbesteuerungsabkommen werden die ausländischen Erträge der Fonds nur mit dem - zumeist geringeren - Steuersatz des Auslands versteuert. Allerdings gilt hier der sogenannte Progressionsvorbehalt: Bei der Ermittlung des persönlichen Steuersatzes des Anteilseigners wird so getan, als ob die ausländischen Erträge Teil seines Einkommens sind, und ein dementsprechend hoher Steuersatz ermittelt; dieser Steuersatz wird dann aber nur auf die inländischen Erträge angewendet.

„Der Steuervorteil aus dem Progressionsvorbehalt wird um so größer, je höher der persönliche Steuersatz ist“, sagt Frank Heimsaat vom Analysehaus Scope. Wenn der Anleger bereits den Höchststeuersatz erreicht hat, dann verpufft die steuererhöhende Wirkung des Progressionsvorbehalts komplett. Mögliche Verluste aus einem Investment in einen geschlossenen Fonds kann der Anleger jetzt allerdings nur noch unter bestimmten Bedingungen gegen Gewinne aus anderen Einkunftsarten verrechnen, nämlich dann, wenn die Verluste in der Anlaufphase insgesamt nicht mehr als 10 Prozent des Eigenkapitals ausmachen - für die meisten Fondsmodelle dürfte diese Klausel allerdings wohl nicht mehr greifen, sagt Heimsaat.

„Nie als alleiniges Investment geeignet“

Neben diesem steuerlichen Restposten sieht Heimsaat auch weitere Argumente für ein Investment in geschlossene Fonds: „Gute Produkte bringen dem Anleger regelmäßige Ausschüttungen in Höhe von fünf bis sechs Prozent pro Jahr.“ Daß sich die Renditeaussichten für geschlossene Fonds gebessert haben, liegt auch daran, daß die sogenannten Weichkosten dieser Produkte für den Vertrieb mittlerweile deutlich gesunken sind. Aber nicht jedes Fondsmodell hat die Wandlung vom Steuersparmodell zum Renditebringer geschafft; vor allem den Medienfonds prophezeien viele Analysten keine große Zukunft mehr. Offenbar waren viele Filme weniger unterhaltsam, sondern einfach nur steuersparend.

Ein weiterer Vorteil geschlossener Fonds liegt darin, daß man in ein konkretes Objekt investiert - das macht das Investment für den Kunden überschaubarer und transparenter; zudem hat sich in Sachen Transparenz bei geschlossenen Fonds in den vergangenen Jahren viel gebessert. Diese Fokussierung geschlossener Fonds auf ein oder wenige Objekte ist aber mit Blick auf das Risiko auch nachteilig: Das gesamte Risiko des Investments liegt dann im Extremfall auf einem Objekt - bei offenen Fonds mit vielen Objekten sind die Risiken mehr gestreut. „Auch deswegen ist ein geschlossener Fonds nie als alleiniges Investment geeignet“, sagt Heimsaat.

Genügend Gründe, sich gut beraten zu lassen: „Wer einen geschlossenen Fonds kaufen will, soll einen Berater aufsuchen, keinen Verkäufer, also jemanden, der langjährige Erfahrung in diesem Geschäft hat und viele zufriedene Kunden als Leistungsnachweis erbringen kann“, sagt Kastell.

Text: F.A.Z., 06.12.2006, Nr. 284 / Seite C12
Bildmaterial: dpa

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