Interview

„Es ist es ein positiver Prozess, wenn Aktienkurse fallen“

Asensio: “Die Aktien sind noch immer zu hoch bewertet“

Asensio: "Die Aktien sind noch immer zu hoch bewertet"

05. August 2001 Seit 16 Monaten geht es mit den Aktienmärkten nur nach unten. Während die meisten Anleger auf Verlusten sitzen, verdienen andere an den fallenden Kursen. Die so genannten Shortys, verkaufen Aktien in der Erwartung von sinkenden Preisen. Sie haben an der Wall Street wenig Freunde, da viele Anleger ihr Handeln als unmoralisch ansehen. Manuel Asensio ist einer der bekanntesten Short-Verkäufer an der Wall Street. Im FAZ.NET-Interview erzählt der umstrittene Autor von „Sold Short“ warum es auch als „Shorty“ nicht immer leicht ist, in Bärenmärkten Geld zu verdienen.

Was ist der größte Unterschied zwischen Aktien kaufen und shorten?

Die meisten Investoren fühlen sich nicht wohl, wenn sie Aktien leer verkaufen und der Aktienmarkt hoch geht. Sie fürchten, die Aktie könnte unendlich steigen und glauben, dass die Markt-Manie alle Aktien nach oben bringt. Daher sind viele Anleger psychologische Käufer, die ihre Aktien auch halten, wenn der Kurs fällt. Allerdings wollen sie keine Aktien verkaufen, wenn der Kurs steigt und über ihren Verkaufskurs hinaus geht.

Welche Investoren haben dann die Nerven, ihren Ratschlägen zu folgen?

Institutionelle und große Hedge Fonds

Wie lang ist Ihr Zeithorizont, wenn sie Aktien verkaufen?

Die Aktien, die wir zum Verkauf empfehlen, müssen Investoren hoffentlich niemals zurück kaufen. Der durchchnittliche Verlust der von uns empfohlenen Aktien lag bei 80 bis 90 Prozent. Einige gehen sogar auf Null. Wir sind langfristige Investoren.

Sie bezeichnen sich als langfristigen Investor, auch wenn sie Aktien verkaufen?

Natürlich sind wir langfristige Investoren. Short-Verkäufe sind normale Investments, wir sind professionelle Anleger.

Nach welchen Kriterien suchen sie überbewertete Unternehmen aus?

Wir machen eine Analyse der fundamentalen Faktoren. Wir schauen uns die Kennzahlen an, vor allem in Verbindung mit dem Marktwert und die erwarteten Gewinne. Dann nehmen wir diese Prognosen kritisch auseinander. Und natürlich analysieren wir die Vergleichsgruppen. Aber das Hauptaugenmerk legen wir auf die erwarteten Gewinne.

Sie gelten als der Bad Guy an der Wall Street, weil sie Geld verdienen, wenn andere verlieren.

Zu hoch bewertete Unternehmen schaden der Wirtschaft und der Gesellschaft. Daher ist es ein positiver Prozess, wenn Aktienkurse fallen.

Seit mehr als einem Jahr kennt der Aktienmarkt nur eine Richtung: nach unten. Das müssten doch die besten Bedingungen für Sie sein.

Nein, Aktien steigen auch in Bärenmärkten und fallen in Bullenmärkten. Das ist alles nur eine Frage des Timings. In einem Bärenmarkt verkaufen Investoren womöglich zu einem falschen Zeitpunkt Aktien und geraten in ein scharfe Gegenbewegung. Beispielsweise im Frühjahr. Da waren wir sehr aktiv auf der Short-Seite und plötzlich ging der Markt um 15 Prozent nach oben. Das macht keinen Spaß und ist eine gefährliche Sache, wenn man Short-Seller ist. Wenn der Markt dann hoch geht, dann nimmt er alle Werte mit.

Wie bewerten Sie die gegenwärtige Situation? Sehen Sie ein Ende der Baisse?

Nein, die Aktien nicht noch immer sehr hoch bewertet. Im historischen Vergleich wären sie so sogar teuer, wenn wir eine gute Wirtschaft hätten. Aber wir haben keine gute Wirtschaft.

Was sind gegenwärtig ihre Favoriten für Short-Positionen?

Wir geben keine Empfehlungen. Auch wenn wir Listen mit Aktien haben, die wir für überbewertet halten, so geben wir diese nicht an die Presse, sondern veröffentlichen lediglich von Zeit zu Zeit einen Research-Bericht.

Was waren Ihre letzten öffentlichen Verkaufsempfehlungen?

Research Frontiers Incorporated Index und VeriSigns.

Das Gespräch führte Anke Kreuels



Text: @ank
Bildmaterial: FAZ.NET, John Wiley & Sons

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