Fonds

Chinafonds räumen ab

28. Dezember 2006 Mit Fondsranglisten ist es ein bißchen wie mit knapp geschnittenen Kleidern: Sie bieten einen Blick auf die Kurven, ohne gleich das ganze Bild im Detail zu enthüllen. So mag es zunächst für einen Fonds sprechen, wenn er in einem Ranking ganz oben steht.

Auf der anderen Seite zeigt die Erfahrung, daß die Performance der Vergangenheit nicht selten mit der Zukunft negativ korreliert ist. So sind Anleger bei der Suche nach einem guten Fondsmanager gezwungen, zwischen der faktischen Performance der Vergangenheit und dem Blick auf die Fakten und nach vorne schauende Prognosen zu unterscheiden. Praktische Anleger orientieren sich gerne an den Fakten der Vergangenheit und investieren auf diese Weise immer wieder in Fonds, die ihre besten Zeiten sehr wahrscheinlich gerade hinter sich haben.

China-Aktienfonds dominieren im laufenden Jahr die Fondsranglisten

In diesem Sinne sollten solche Ranglisten nicht überbewertet werden. Trotz allem sind sie bei Anleger beliebt und werden aus diesem Grund immer wieder gerne veröffentlicht. Das bietet sich vor allem zum Jahresende an, da die nachrichtenarme Zeit eine günstige Gelegenheit darstellt, um ein Resumé zu ziehen.

Blickt man denn auf die Performance der in Deutschland zugelassenen Fonds in den vergangenen Monaten, so werden sie eindeutig von so genannten Chinafonds dominiert. Das dürfte kaum verwundern, konnten die Aktienmärkte der Region nach einer jahrelangen Schwächephase in den vergangenen Monaten deutlich zulegen. Der Shanghai Stock Exchange Composite Index kommt seit Jahresbeginn auf einen Kursgewinn von satten 121 Prozent, der Hang Seng China Enterprises Index kommt bisher auf einen Kursgewinn von satten 92,45 Prozent.

Auch die weiteren Aussichten scheinen wirtschaftlich nicht schlecht zu sein. Denn die chinesische Wirtschaft wird im gerade zu Ende gehenden Jahr nach Einschätzung der Statistikbehörde ihr hohes Wachstumstempo beibehalten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde voraussichtlich um 10,5 Prozent zulegen, sagte der Chefökonom der nationalen Statistikbehörde, Yao Jingyuan, am Donnerstag auf einem Finanzforum. Für das Jahr 2007 erwartet die Behörde ein “schnelles und stetiges Wachstum“, Yao veranschlagte die Rate auf etwa zehn Prozent. Allerdings bestünde Überhitzungsrisiken für die Wirtschaft, warnte der Experte.

Indexfonds liegen gut im Rennen

Auf den ersten Blick scheinen denn auch die internationalen Aktienfonds nicht schlecht abgeschnitten zu haben. Rechnet man allerdings die Performance einheitlich in Euro um, so sieht sie nicht mehr so vorteilhaft aus: Erstens bleiben auch die besten Fonds deutlich hinter den Indizes zurück. Gleichzeitig hat sogar die „Spitze“ der aktiv verwalteten Fonds Probleme, mit entsprechenden Indexfonds - sie sind in der der Regel deutlich günstiger als aktiv verwaltete - mithalten zu können. Das Gros der Asien- und spezialisierter Chinafonds blieb zumindest in den vergangenen Monaten hinter dem Ishares FTSE/Xinhua China 25- und dem Lyxor ETF China Enterprise zurück.

Diese Beobachtung gilt auch für andere regionale Märkte und spezialisierte Branchen. Auch dort tauchen Indexfonds in der Rangliste überraschend weit vorne auf und werden auf diese Weise für Anleger zur ersten Wahl. Denn erstens sind sie günstiger als aktiv verwaltete Fonds. Zweitens sind sie transparenter, da man sofort und sicher weiß, was im Fonds enthalten ist und wie er sich bewegen wird. Drittens sind sie einfacher zu handeln. Und viertens schneiden sie nie schlechter ab als der betrachtete Markt oder das relevante Segment. Da die so genannte Asset Allocation, also die Aufteilung des Vermögens auf die verschiedenen Märkte, langfristig entscheidender ist, als die Fähigkeit der Fondsmanager, interessante Werte auszuwählen, wird die global immer breiter werdende Palette an Indexfonds für Anleger immer interessanter.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, FAZ.NET; DAten: Bloomberg

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