Investmentfonds

Long-Short-Fonds, die der Schockwelle entronnen sind

24. September 2007 Auf den ersten Blick scheinen Long-Short-Investmentfonds eine gute Idee zu sein. Sie ahmen eine Reihe von Hedge-Fonds-Strategien nach, indem sie versuchen, bei fallenden Aktienkursen Gewinne zu erzielen - oder zumindest deutlich weniger an Boden zu verlieren.

Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus. Vom 1. Juli bis 14. September gaben die 53 von Morningstar beobachteten Fonds durchschnittlich 1,4 Prozent ab, während der S&P-500 nur 0,86 Prozent verlor. Selbst jetzt, da sich der Markt ein wenig erholt hat, müssen einige Long-Short-Fonds noch immer Schläge einstecken. Einer von ihnen ist der Geronimo Multi-Strategy-Fonds, der seit dem 1. Juli 9,75 Prozent einbüßte.

Was passiert ist

Zum Teil wurden die Fonds von den gleichen Kräften erschüttert, die auch die Hedge-Fonds ins Wanken brachten. Angesichts von Tilgungsforderungen verkauften viele Hedge-Fonds-Manager qualitativ hochwertige Aktien, deren Kurse eingebrochen waren. Um ihren Fremdkapitalanteil zu verringern, kauften sie zudem Aktien zurück, die sie zuvor leerverkauft hatten. Da viele Fonds in der gleichen Klemme steckten, wurden die Preise geringwertigerer Emissionen in die Höhe getrieben. Ergebnis: Verluste bei ihren Long- und Short-Positionen.

Es ist nicht das erste Mal, dass diese Fonds den Kürzeren ziehen. So gelang es der Gruppe in den vergangenen drei Jahren nicht, in den Monaten, als der S&P-500 um mehr als 1,5 Prozent einbrach, bessere Ergebnisse als der Markt zu erzielen.

Zum Börsenkurs

Obgleich diese Fondskategorie enttäuschte, konnten sich doch einige der Fonds bewähren. Im Vergleich zu anderen Anlagen zeigten sie in Zeiten wie April und August eine insgesamt gute Performance. Mit diesem Kunststück gelang es ihnen, über längere Zeiträume zu brillieren.

Timing-Probleme

Portfolioverwalter Michael Orkin, der einen Fonds mit Namen Caldwell & Orkin Market Opportunity verwaltet, hatte Aktien von Bauunternehmen und Subprime-Kreditgebern „geshortet“, als diese an der Wall Street noch hoch im Kurs standen, was seine Erträge schmälerte. Es war nicht das erste Mal, dass Orkin auf den richtigen Trend setzte, aber mit dem Timing daneben lag.

Im Jahr 1999 schloss der Fonds 25 Prozentpunkte hinter dem S&P 500, da er gegen die Internetaktien getippt hatte, während sich die Blase noch weiter aufblähte. „Bisher sind unsere Geschäfte gut gelaufen, wenn die Blasen platzen, obwohl wir dies in der Regel zu früh vorausahnen“, meint Orkin, der den Fonds - einen der ältesten dieser Kategorie - seit 1992 verwaltet.

Für Langfristanleger

Mit einem Plus von 20,1 Prozent in diesem Jahr war Caldwell & Orkin einer der wenigen Long-Short-Fonds, die sowohl im Februar, als die ersten Subprime-Sorgen aufkamen, als auch während der Kursrutsche im Juli und August Gewinne verbuchten. Im Verlauf der vergangenen zehn Jahre konnte der Fonds mit dem S&P Schritt halten, was größtenteils darauf zurückzuführen ist, dass er während des Bärenmarktes der Jahre 2000 bis 2002 Gewinne einfuhr. Der Fonds „kann sich für diejenigen Anleger lohnen, die bereit sind, ihn über einen längeren Zeitraum zu halten“, meint Rick Lake, Co-Chairman von Lake Partners, einem in Greenwich, Connecticut, ansässigen Unternehmen, das in Long-Short-Fonds investiert, zu denen auch Caldwell & Orkin zählt.

Vor kurzem hatte Orkin seine Aktien der Bauunternehmen Beazer Homes und D.R. Horton sowie des Subprime-Kreditgebers Fremont General leerverkauft. Auch den Restaurantketten, Einzelhändlern und Schiffsbauern prognostiziert er fallende Aktienkurse, da diese Unternehmen Verluste hinnehmen müssen, wenn verschuldete Verbraucher den Gürtel enger schnallen.

Welche Aktien favorisiert er? Aktien von Internet-Unternehmen wie Omniture, einem Software-Anbieter, der Unternehmen bei ihrer Internetwerbung unter die Arme greift. Internet-Unternehmen „haben gelernt, wie man ein erfolgreiches Geschäftsmodell auf die Beine stellt“, erklärt er.

Anti-Energie

Der Diamond Hill Long-Short stellt die gängige Meinung stets in Frage. Ein Beispiel hierfür waren die heute beliebten Aktien des Energiesektors, der vor vier Jahren, als Co-Manager Ric Dillon mit dem Aktienkauf begann, keineswegs zu den bevorzugten Sektoren zählte. Dank seiner asynchronen Spekulationen erzielt der Fonds seit seiner Auflegung am 30. Juni 2000 einen durchschnittlichen Gewinn von 10,13 Prozent pro Jahr. Der S&P kommt im Vergleich auf 1,98 Prozent.

Dillon ist nicht gewillt, von Energieaktien wie Apache, Devon Energy und ConocoPhillips Abstand zu nehmen. „Es wird noch zehn Jahre oder länger dauern, bis die Produzenten genügend Nachschub liefern, um mit der wachsenden Nachfrage Schritt zu halten.“ Des Weiteren hält der Fonds Aktien von Freeport McMoran Copper & Gold sowie dem Bankriesen Wells Fargo, dem die Sorgen um die Subprime-Krise laut Dillon viel zu hohe Verluste bescherten.

Seine Short-Positionen? Unternehmen, die auf ausgabefreudige Konsumenten angewiesen sind. Als Beispiele nennt er General Motors, Ford und Harley-Davidson.

Breit gefächert

Mit einem vorläufigen Plus von 6,69 Prozent stellt der vier Milliarden Dollar schwere Gateway Fund in diesem Jahr einen Marktrekord auf. Über die vergangenen zehn Jahre verbuchte er ein Plus von 6,66 Prozent. Besonders wählerisch hat er sich beim Aktieneinkauf jedoch bislang nicht gezeigt. Gateway kauft einen breit gefächerten Aktienkorb, der im Wesentlichen dem S&P-500 ähnelt und im Vergleich zu dessen 1,9 Prozent eine Dividendenrendite von 2,6 Prozent einstreicht. Durch die Veräußerung von Kaufoptionen auf das Portfolio erwirtschaftet der Fonds zusätzliche Einkünfte.

Während Gateway dazu neigt, das Auf und Ab der Aktien nachzuvollziehen, fallen deren Gewinne und Verluste in der Regel etwa dreimal so hoch aus wie die des Fonds. Dies ist dadurch bedingt, dass der Fonds durch die Veräußerung von Kaufoptionen einen Teil seiner Kursgewinne einbüßt. Auch gibt er einen kleinen Betrag für Verkaufsoptionen aus, die an Wert gewinnen, wenn der Markt vorübergehend auf Tauchgang geht. Soweit die „Short-Seite“ des Portfolios.

Da die Volatilität nun beinahe doppelt so hoch ist wie im Juni, hat das Einkommen des Fonds einen Höchststand erreicht. Mit steigender Volatilität zahlen die Optionskäufer den Verkäufern, wie beispielsweise Gateway, höhere Prämien, da nun kräftigere Auf- und Abwärtsbewegungen bei den Aktien zu erwarten sind. „Die Zeiten sind gut für uns“, meint Co-Manager Paul Stewart.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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