Auch mancher Klassiker hält böse Überraschungen bereit (Szene aus “Scooby Doo 2“)

Lauter Verrisse

Gute Bücher, die wir hassen

Spezial Wer Bücher liebt, darf sie auch verreißen: Anlässlich der Leipziger Buchmesse schaut das Feuilleton der Sonntagszeitung den Kanon durch und entdeckt Ärgerliches und Peinliches - von Hermann Hesse über Thomas Mann bis zu Bernhard Schlink und Daniel Kehlmann. Von Claudius Seidl

Lesermeinungen zum Beitrag

10. März 2009 13:47

@Mirjam Glaser

Konrad Schemer (JLSorel)

Ich kann mir nicht vorstellen, welches Buch von Thomas Mann man hassen könnte? Ich habe alle Romane und die meisten Erzählungen mehrfach gelesen und mich keine Seite lang gelangweilt oder gar geärgert. Im Gegenteil: ich habe sie alle mit Lust und Gewinn gelesen und werde dies in Zukunft gewiss immer wieder tun. Gut: seine Bücher sind nicht unanspruchsvoll, aber das heißt ja nicht, dass sie schlecht oder gar hassenswert sind, ganz im Gegenteil heben sie sich dadurch von der literarischen Durchschnittsware der Vergangenheit oder Gegenwart wohltuend ab . Wie man Thomas Mann nun gar Antisemitismus unterstellen kann, ist mir ein wenig schleierhaft. Zwar denkt er wohl tatsächlich in rassischen Kategorien, wie man das zur damaligen Zeit halt gemacht und heute gottlob überwunden hat; aber das geht ja bei ihm nicht mit rassistischem Verhalten einher. Außerdem heiraten Antisemiten wohl kaum jüdische Frauen.

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09. März 2009 16:57

BÜCHER DIE WIR HASSEN

Mirjam Glaser (mirjamglaser)

eine Spitzenidee! bitte mehr davon! wie schön, wie mutig, daß endlich jemand sagt wie unlustig und Kirchhoff-ähnlich voll Plastikerotik der Vorleser ist! und wie langweilig Hundert Jahre Einsamkeit. Daß endlich noch jemand "Halts Maul" zu Humbert Humbert sagen möchte! und über Heinrich Manns Henri (nie geschafft), seines Bruders schlecht versteckten Antisemitismus, Borcherts ewiges Opfer, Hesses gespreizten Steppenwolf zu lesen - was ein Vergnügen. Bitte weiterhassen! Kann sich jemand mal der ewig überschätzten Giaconda Belli annehmen (und vielleicht gleich mal die Qualitätsdifferenz zwischen ihr und dem wunderbaren Illustrator Wolf Erlbruch miterledigen), das Parfüm hätt ich noch anzubieten; und wie wärs mit Filmen? Magnolia! Mirjam Glaser (Buchhändlerin) Frankfurt

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09. März 2009 07:50

"Nathan der Weise" Allseitige Umarmungen

Marcus Hajdu (Flaubert)

Mit Verwunderung liest man in Hans Ulrich Gumbrechts Text, dass Nathans "angenommene Tochter Recha den Tempelherrn kriegt". Nun ja, das ist falsch. Herr Professor Gumbrecht hätte gut daran getan, sich beim Verfertigen seines Textes der Worte Lessings aus "Eine Duplik" zu erinnern: " Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist, oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen." Mit anderen Worten, Hans Ulrich Gumbrecht hätte nicht nur die Ringparabel, sondern besser den ganzen Text wieder lesen sollen.

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08. März 2009 14:49

Zum Steppenwolf

Wolfgang Goll (WolfgangGL)

Das ist eine nette und kluge Sache sich einmal um jene Bücher zu kümmern, die schon lange unbeachtet im Bücherregal verweilen. Der Steppenwolf war einst hochgelobt und meine Erwartungen vor der Lektüre waren sehr hoch. Nie hat mich ein Buch mehr enttäuscht als gerade dieses. Hesses Sidharta habe ich auch gelesen und die Enttäuschung am Ende der Erzählung war ebenfalls grandios. Hesse muss ein sehr trauriger, zu ernster, ein vom Leben enttäuschter Mensch gewesen sein.

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