Büchner-Preis für Josef Winkler

Das Luftschöpfen eines vom Ertrinken Bedrohten

Josef Winkler: Das ist wirklich eine Krönung

Josef Winkler: Das ist wirklich eine Krönung

01. November 2008 Der österreichische Schriftsteller Josef Winkler („Roppongi, Requiem für einen Vater“) hat am Samstag in Darmstadt den renommierten Georg-Büchner-Preis erhalten. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh dem 55-Jährigen die bedeutendste deutsche Literaturauszeichnung, weil er „schonungslos und mit unerhörter Radikalität die Katastrophen seiner katholischen Dorf- Kindheit und die seines Ausgesetztseins in einer mörderischen Welt in barock-expressive, rhythmische Prosa von dunkler Schönheit verwandelt hat“.

Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert. Die Akademie ehrt damit jährlich deutschsprachige Schriftsteller und Dichter, die „durch ihre Arbeiten in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“.

Erschreckende Finsternis

Mit viel Wut und Kraft schreibt Winkler in seinen Werken über den Tod, seine bedrückende Kindheit im 200-Seelen-Dorf Kamering in Kärnten, in dem es weder Bücher noch Bilder gab, und über die erschreckende Finsternis der katholischen Kirche. Dabei sind ihm Geschichten weniger wichtig als eine musikalische und präzise Sprache, als Form, Stil und Klang. Der Essayist Ulrich Weinzierl sagte in seiner Laudatio am Samstag: „Herkömmliches, an einer sorgsam gestrickten Handlung orientiertes Erzählen ist Josef Winklers Sache nicht.“ Sein Schreiben sei vielmehr eine „disziplinierte Raserei“, das „Luftschöpfen eines vom Ertrinken Bedrohten“.

In seiner Dankesrede schilderte Winkler einschneidende Erfahrungen seines Lebens. Mit der Beschreibung seiner frühen Lektüre-Gewohnheiten beleuchtete er auch seinen späteren Schreibstil: „Wenn ich beim Lesen nicht spürte, dass die Sprache ununterbrochen, Satz für Satz, auf die Goldwaage gelegt, Leben und Tod auspendelt, interessierte mich das Buch nicht. Es langweilte mich [...] buchstäblich zutode.“

Autobiografische Trilogie

Seinen ersten Roman „Menschenkind„ veröffentlichte Winkler 1979, es folgten „Der Ackermann aus Kärnten“ (1980) und „Muttersprache“ (1982). Die autobiografische Trilogie wurde später als „Das wilde Kärnten“ zusammengefasst. Winkler reiste nach Italien und Indien und schilderte seine präzisen Beobachtungen in Werken wie „Domra. Am Ufer des Ganges“ (1996) oder „Natura Morta. Römische Novelle“ (2001).

Im vergangenen Jahr ging der Georg-Büchner-Preis an den Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach. Frühere Preisträger sind unter anderen Friedrich Dürrenmatt, Heinrich Böll, Erich Kästner, Günter Grass, Elfriede Jelinek, Wolfgang Hilbig und Wilhelm Genazino.

Neben dem Büchner-Preis verlieh die Akademie am Samstag zwei mit jeweils 12 500 Euro dotierte Auszeichnungen. Den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa erhielt der Mediziner und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner. Mit dem Johann-Heinrich- Merck-Preis für literarische Kritik und Essay wurde der Literaturwissenschaftler Lothar Müller gewürdigt.

Text: dpa
Bildmaterial: ddp

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