16. Februar 2005
Bei der Wahl des geeigneten Kandidaten schauen Personalverantwortliche nicht nur auf deren fachliche Qualifikationen. Petra Schubert von Kienbaum Management Consultants GmbH gibt Auskunft darüber, worauf Personalberater der Pharmabranche bei der Einstellung von Nachwuchskräften besonders achten.
? Als BWLer mit 2 Jahren Erfahrungen in einem Biotech - Unternehmen und momentaner Promotion stehe ich vor dem Problem, wie ich den Einstieg ins Produktmanagement eines Pharmaunternehmens schaffe, ohne mehrere Jahre Außendienst zu absolvieren. Traineeprogramme für Young Professionals" sind sehr rar, ebenso wie Junior PM Stellen. Haben Sie diesbezüglich Tips?
! Es gibt zwei Möglichkeiten: einerseits tatsächlich ein Trainee, andererseits ein kleines, eher innovatives Pharmaunternehmen, in welchem die Positionen nicht so festgeschrieben sind und man auch intern wechseln kann.
? Ist es immer ratsam, bei Gehaltsvorstellungen diese in der Bewerbung mit anzugeben?
! In der Regel ja, da die Unternehmen schneller abgleichen können, ob man in die Gehaltsstruktur paßt.
? Wie schätzen Sie die Erfolgschancen ein, sich als Einsteiger nach einer Promotion mit seinem CV bei Personalberatungen zu bewerben? Macht dies Sinn oder ist das einfach zu früh?
! Personalberatungen sind in der Regel eher auf berufserfahrene Mitarbeiter spezialisiert. Es gibt jedoch einige, die einen High - Potential - Pool betreiben und hier Hochschulabsolventen integrieren.
? Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Soft-Skills und wie kann man als Bewerber diese schon im Lebenslauf optimal unterbringen, ohne zu ausführlich zu werden?
! Aus meiner Sicht sind wesentlich: Analysevermögen, soziale Flexibilität und hohe Leistungsmotivation mit dem Gedanken, lernen zu wollen und die eigene Meinung zur Diskussion zu stellen.
? Wenn ich mich als promovierter Apotheker im F&E-Bereich bewerbe, worauf muss ich achten, bzw. worauf wird von Unternehmerseite Wert gelegt?
! Wichtig sind Ihre Motivation und die von Ihnen als interessant empfundene Position. Hier bitte lieber mit klaren Vorstellungen reingehen und diese artikulieren.
? Als Naturwissenschaftler, der sich um die Position eines Pharmaberaters bewirbt, ist es sicher wichtig, das Interesse und Talent im Verkaufsbereich zu demonstrieren, welche Art von Nebentätigkeit würde Bonuspunkte bringen? Wäre zum Beispiel eine Nebentätigkeit im Gesundheits-/Wellnessbereich für ein Pharmaunternehmen eine wertvolle Kenntniserweiterung?
! Eine Nebentätigkeit, die im weitesten Sinne mit Vertrieb zu tun hatte, ist schon hilfreich, oder aber auch direkt, die Kunden von der anderen Seite zu kennen.
? Viele Pharmaunternehmen suchen im Bereich der Arzneimittelsicherheit Mediziner statt Apotheker. Für wie sinnvoll halten Sie es, als Apotheker trotzdem eine Bewerbung abzusenden, wenn man direkt nach der Promotion einsteigen möchte? Und wie lange vor dem voraussichtlichen Ende der Promotion sollte man die Bewerbung starten?
! Cirka ein halbes Jahr vor Ende der Promotion sollte Sie Ihre Bewerbungsbemühungen in Gang setzen. Ja, ich halte es für sinnvoll, da gerade im Marketing auch Apotheker wertvoll sind, im Medicale Bereich sind jedoch hauptsächlich Mediziner vertreten.
? Was sind Ihrer Meinung nach für Naturwissenschaftler die besten Möglichkeiten, während des Studiums/der Promotion Zusatzqualifikationen in BWL und Personalführung zu erlangen und zu dokumentieren?
! Sowohl Praktika (nutzt auch der Praxiserfahrung) als auch die Belegung von Nebenfächern oder Zusatzsemestern sind wichtig.
? Kommt es bei der Auswahl der Kandidaten zum Bewerbungsgespräch auf die Noten und die Semesteranzahl an?
! Ja, bei guter Begründung im Lebenslauf (ich verweise mal wieder auf die Praxiserfahrung) wird auch eine höhere Semesteranzahl toleriert.
? Als promovierter Biochemiker (43) habe ich die letzten fünf Jahre in einer Forschungsabteilung als Projektleiter gearbeitet. Wegen Insolvenz droht nun die Arbeitslosigkeit. Was wäre der beste Weg im Pharmabereich (biomedizinische Kenntnisse sind vorhanden) Fuß zu fassen?
! Im ersten Schritt würde ich Ihre Stärken genau definieren und auf dieser Grundlage eine Auswahl der möglichen Unternehmen treffen - dann hat man die meisten Chancen über Ausdauer.
? Lohnt sich die Investition, als Naturwissenschaftler neben der Promotion ein Zertifikat für Betriebswirtschaft (z.B. Intensivkurse an Fernunis) zu erwerben?
! Die Frage lautet: Wie hoch ist die Investition? Wenn Sie die zeitliche Investition meinen, dann ja.
? Nach langem hin und her, bin ich zu dem Entschluß gekommen, daß das Studium im Moment nicht das Richtige für mich ist. Ich weiß, dass ich für den Außendienst die nötigen Qualifikationen mitbringe, bloß möchte ich auch nicht länger als 10 Jahre im Außendienst arbeiten. Wie stehen die Chancen, ohne ein Studium, in den Innendienst zu wechseln - gerade im Hinblick darauf, daß dies zahlreiche Akademiker auch vorhaben. Ich schätze mal, es kommt auf das Verhalten und den Erfolg im Außendienst an, egal, ob ich studiert habe oder nicht. Da ist das Studium dann auch zweitrangig, oder doch nicht?
! Nach 10 Jahren Berufserfahrung ist das Studium tatsächlich zweitrangig, außer Sie wollen in Bereiche, die stark wissenschaftlich getrieben sind, daher stimme ich zu: Verhalten und Erfolg stehen im Vordergrund.
? Wie sinnvoll ist der Besuch einer Firmenkontaktmesse, z. B. T5 future, im Vergleich zu einer Initiativbewerbung?
! Ich würde nicht das eine tun und das andere lassen. Kontaktmessen sind gute Möglichkeiten, sich die Anforderungen mal anzusehen und auch einen Eindruck von den Firmen zu bekommen.