Ende der Monarchie

Nepal erklärt sich zur Republik

Von Jochen Buchsteiner

Feiern in Kathmandu: Die Republik Nepal ist ausgerufen

Feiern in Kathmandu: Die Republik Nepal ist ausgerufen

28. Mai 2008 König Gyanandra hielt sich im Palast auf, als vor dem Eingang die Flagge mit dem Familienwappen eingeholt wurde und die Republikaner die nepalische Nationalfahne hissten. Es war der vorerst letzte Akt eines Schauspiels, dem Gyanandra die Weihen eines Dramas verwehrt. Schon seit Monaten sieht er scheinbar tatenlos dabei zu, wie die politischen Parteien die letzte Hindu-Monarchie der Welt abmontieren. Am Mittwoch abend war sein Schicksal dann besiegelt, als die Verfassungsversammlung nahezu einstimmig beschloss, Nepal zu einer Republik zu erklären.

Viele datieren den langsamen Niedergang des Königshauses auf den Juni 2001, als - zumindest nach offiziellen Darstellungen - der damalige Kronprinz Dipendra ein Massaker an der Königsfamilie verübte und danach sich selber tötete. Gyanendra, der als Bruder des ermordeten Königs Birendra, die Thronfolge antrat, schlug von Anfang an Misstrauen und Antipathie entgegen. Als er vier Jahre später die Parteien entmachtete und in einer Art Staatsstreich die Exekutivgewalt an sich riss, beging er einen strategischen Fehler. Im Widerstand gegen den absolutistischen Herrscher verbündeten sich die etablierten Parteien mit den bislang isolierten Maoisten, die seit 1996 im Untergrund gekämpft hatten.

Wie geht es nun weiter?

Nachdem eine Volksbewegung Gyanedra in den Rückzug getrieben hatte, leitete die neue Sieben-Parteien-Allianz unter Einschluss der Maoisten das Ende der Monarchie ein. Scheibe für Scheibe beschnitt sie die institutionellen Vollmachten des Königs. Was zunächst nur die Maoisten gefordert hatten - die Einführung einer Republik -, wurde langsam zum politischen Allgemeingut. In der Nacht zu Donnerstag, nach dem historischen Beschluss der Verfassungsversammlung, jubelten selbst jene, die dem Monarchen jahrzehntelang treu gedient hatten. Vom “Tag, an dem unser lang gehegter Traum erfüllt wurde“ schwärmte der mehrmalige und nun wohl endgültig scheidende Premierminster Girija Prasad Koirala von der Kongresspartei.

Unklar bleibt gleichwohl, wie es nun weitergehen soll. Gyanendra übt sich in royalistischer Zurückhaltung. Journalisten, die bei Hofe verkehren, wollen wissen, dass der entmachtete Monarch die gesetzte Frist von 15 Tagen einhalten und den Palast bis Mitte Juni verlassen will. Angeblich plant er nicht, ins Ausland zu gehen, sondern sich in ein Privathaus zurückzuziehen. Was ihm vom königlichen Besitz bleiben und was die neue Regierung als Staatseigentum beanspruchen wird, könnte Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen werden. Der bald geräumte Palast, so wurde schon einmal verfügt, wird in ein Nationalmuseum überführt.

Von den Maoisten hängt die Zukunft ab

Mit einem letzten Aufbäumen des Monarchen rechnet kaum noch jemand. Zwar dienen in der - ehemals “royalistischen“ -Armee noch immer viele königstreue Offiziere, aber gegen die überwältigende Republik-Symathie im Land lässt ein Putsch wohl kaum organisieren. Zudem haben die Maoisten zehntausende (überwiegend jugendliche) Genossen in Katmandu zusammengezogen, die sich im Falle eines Konflikts einsetzen ließen.

Die Maoisten sind es, von denen die Zukunft der jungen Republik abhängen dürfte. Nach ihrem beachtlichen Wahlsieg vom vergangenen Monat werden sie die nächste Regierung führen. Zur Zeit versuchen sie, die Verfassungsversammlung für ein System mit einem starken Präsidenten zu gewinnen. Das neue Amt eines exekutiven Staatsoberhaupts, für das Rebellenchef Prachanda vorgesehen ist, soll eine Wiedereinführung der Monarchie ein für allemal ausschließen, heißt es in Maoistenkreisen. Über die Ausstattung des Präsidentenamtes und die Zusammensetzung der neuen Regierung soll nun auf der nächsten Sitzung am 6. Juni entschieden werden, aber Beobachter in Katmandu messen Zeitplänen in der gegenwärtigen Lage nicht allzuviel Bedeutung bei.

Text: dpa
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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