Chinas Internet-Zensoren

Sind die nicht putzig?

Von Mark Siemons, Peking

Die Maskottchen der chinesischen Internetpolizei heißen Chacha ...

Die Maskottchen der chinesischen Internetpolizei heißen Chacha ...

17. April 2007 Diese beiden lustigen Figuren heißen Jingjing und Chacha, und das kommt daher, dass der Begriff für „Polizei“ auf Chinesisch „Jing Cha“ lautet. Die zwei sind nämlich von der „Abteilung für Internetüberwachung“ des Büros für öffentliche Sicherheit in Shenzhen entwickelt worden. Seit einem Jahr schwirren Jingjing und Chacha über alle möglichen Websites dieser Stadt im Süden Chinas und machen jeden, der möglicherweise gedankenverloren durchs Netz surft, auf den wachsamen Blick des Staates aufmerksam.

Offenbar hat sich ihr Einsatz bewährt, denn laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua ist das Amt für öffentliche Sicherheit jetzt entschlossen, von Ende Juni an im ganzen Land Comicfiguren mit dem Kampf gegen „schädliche Materialien“ und „illegale Aktivitäten“ zu betrauen. Darunter sind zu verstehen: Pornographie, Glücksspiel, Betrug und alles, was die soziale Ordnung und die Stabilität des Staates untergräbt. „Die bloße Anwesenheit dieser Figuren wird die Leute daran erinnern, dass die Websites unter Überwachung stehen“, zitiert die Agentur einen Regierungsvertreter.

Wie nett, wir werden überwacht

... und Jingjing. Die Kindchenschema-Tarnung der Zensoren scheint gut anzukommen

... und Jingjing. Die Kindchenschema-Tarnung der Zensoren scheint gut anzukommen

Drohung und Veralberung gehen da Hand in Hand, so wie das Kindchenschema als Gesicht der patriarchalisch „demokratischen Diktatur des Volkes“ auch sonst allgegenwärtig ist: Man soll sich schon überwacht fühlen, dies aber zugleich kindlich lustig nehmen. Im Übrigen dürfen Jingjing und Chacha als ein weiteres Zeichen für die Einbeziehung kulturindustrieller Elemente in den chinesischen Kontrollapparat gelten; Pop und Propaganda sind für die Regierung schon lange keine Gegensätze mehr.

Die Maßnahmen der Internetpolizei reichen von der Sperrung gefährlicher Websites bis zu Verhaftungen; erst kürzlich war der Publizist Zhang Jianhong wegen seiner im Internet publizierten Essays zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Text: F.A.Z., 17.04.2007, Nr. 89 / Seite 38
Bildmaterial: qzone.qq.com

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