Gespräche mit der Allianz

Commerzbank könnte Cominvest für Dresdner geben

Gelb greift nach Grün: Die letzten Schritte sind die schwersten

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25. August 2008 Der Kauf der Dresdner Bank durch die Commerzbank könnte in Etappen vollzogen werden. Als erster Schritt erscheint plausibel, dass die Fondsgesellschaft der Commerzbank, die Cominvest, zur Allianz kommt. Auf die fünftgrößte deutsche Fondsgesellschaft mit 63 Milliarden Euro unter Verwaltung hat es die Allianz abgesehen, um ihr Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung, zu stärken. Mit der Hingabe der Cominvest, deren Wert Analysten auf 1,5 bis 2 Milliarden Euro taxieren, hätte die Commerzbank rund ein Fünftel des vermuteten Preises für die Dresdner Bank „finanziert“.

Die Allianz hat die Dresdner Bank im Jahr 2001 für 24 Milliarden Euro gekauft. Heute wird sich für die defizitäre Bank wohl kaum ein Wert durchsetzen lassen, der höher ist als 10 Milliarden Euro - es sei denn, die Allianz verkauft doch nicht an die Commerzbank, sondern an eine nach wie vor interessierte chinesische Adresse. Angeblich dringen einige Vorstände der Allianz genau darauf mit dem Argument, den Chinesen komme es auf einige Milliarden nicht an, und die Allianz erhielte den gewünschten Partner auf dem wichtigen Wachstumsmarkt China.

Verkauf an die Commerzbank wahrscheinlicher

Wahrscheinlicher aber dürfte ein Verkauf an die Commerzbank sein. Der dann mögliche Preis für die Dresdner Bank von angenommen 9 Milliarden Euro würde der Allianz einen Verlust einbringen, da die Bank, zumindest soweit aus der Bankbilanz ersichtlich, mit rund 10,5 Milliarden Euro zu Buche steht. Eine Abschreibung in Milliardenhöhe ließe sich für die Allianz eher verschmerzen, wenn sie die Cominvest erhielte. Den Dit, die Fondsgesellschaft der Dresdner Bank, hat sie sich schon geschnappt und mit ihrer Vermögensverwaltung als Allianz Global Investors zusammengeführt. Dort werden 950 Milliarden Euro verwaltet. Kämen die 63 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen der Cominvest hinzu, könnte die Allianz Kostenvorteile heben. Schon im Jahr 2000 - beim gescheiterten Fusionsversuch von Deutscher Bank und Dresdner Bank - hatte die Allianz das Fondsgeschäft ausbauen und die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, die DWS, übernehmen wollen.

Dass die Cominvest eine Rolle zur Finanzierung der Dresdner Bank spielen könnte, liegt auch deshalb nahe, weil es dort nicht wie bei der Immobiliengesellschaft Eurohypo (Commerzbank) und dem Investmentbanking (Dresdner Bank) große Bewertungsunsicherheiten wegen der Finanzkrise gibt. Gleichwohl steht die Commerzbank unter einem gewissen zeitlichen Druck, auch ein Finanzierungspaket für die übrigen vier Fünftel der Preises für die Dresdner Bank zu schnüren. Auf der Hauptversammlung im Mai hatten vor allem institutionelle Investoren sich geweigert, dem Vorstand wie gewünscht einen „Blanko-Scheck“ für die Ausgabe neuer Aktien zu genehmigen. Daher laufen die Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen zum großen Teil nur noch bis April 2009.

Insgesamt hat der Vorstand der Commerzbank im Laufe der Jahre sieben derzeit gültige Genehmigungen erhalten, das Kapital zu erhöhen. Zwei davon sehen eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage vor. Diese Sacheinlage könnte die Dresdner Bank sein. Die Allianz könnte für die Dresdner Bank bis zu 163 Millionen neue Commerzbank-Aktien bekommen. Dies ist der maximale Rahmen für eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage. Damit käme die Allianz auf einen Anteil an der Commerzbank von gut 20 Prozent - eine Größenordnung, die ihr ausreichen würde. Denn die Allianz müsste, um den Bankvertrieb der Commerzbank für sich zu gewinnen, zumindest den Konkurrenten Generali überbieten, der 9 Prozent an der Commerzbank hält. Auf der anderen Seite ist es gerade das Ziel der Allianz, durch den Verkauf der Dresdner Bank ihr Risiko im Bankgeschäft zurückzuführen.

Blessing hat einen Anteil von 10 Prozent an Linde in der Hinterhand

Käme es zur Kapitalerhöhung durch Sacheinlage und übernähme die Allianz Commerzbank-Aktien im Gegenwert von rund 3 Milliarden Euro, müsste die Commerzbank weitere 4 Milliarden Euro aufbringen, um die Dresdner Bank zu bezahlen. In der Hinterhand hat Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing einen Anteil von knapp 10 Prozent am Industrieunternehmen Linde, der sich für rund 1,4 Milliarden Euro zügig verkaufen ließe. Vermutlich realisierte die Commerzbank einen Buchgewinn von 500 Millionen Euro. Falls sie ihre Eigenmittelquote nicht verringern will, müsste sie dann noch rund 3,5 Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung aufbringen. Vermutlich würde die Commerzbank einen Großteil davon als Wandelanleihe begeben und in der gegenwärtigen Marktverfassung eine „echte“ Kapitalerhöhung möglichst vermeiden.

Falls sich Blessing und Allianz-Chef Diekmann auf einen Preis für die Dresdner Bank verständigen, wären sie im Übrigen schnell handlungsfähig. Zwar wäre ein Beschluss der Aufsichtsräte erforderlich. Jedoch ist dafür bei der Commerzbank keine formelle Einladung zu einem Treffen nötig. Vielmehr erlaubt die Satzung auch eine Telefonkonferenz, die ohne großen zeitlichen Vorlauf angesetzt werden könnte. Abstimmen müssen lediglich zehn von 20 Aufsichtsräten. Sie könnten sich auch untereinander vertreten, so dass theoretisch am Ende der Woche nur wenige Aufsichtsräte eine der größten Transaktionen seit Jahren beschließen könnten. Noch aber deutet nicht viel auf einen schnellen Verkauf der Dresdner Bank hin - und auch ein Scheitern ist immer noch möglich.

Text: ham./bf., F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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