Von Ralf Euler
06. Januar 2008 Wenn Roland Koch am 27. Januar zum zweiten Mal bestätigt werden und anschließend die volle fünfjährige Legislaturperiode im Amt bleiben sollte, wäre er mit 14 Jahren so lange hessischer Ministerpräsident wie nur einer vor ihm: Georg August Zinn. Der legendäre SPD-Politiker regierte Hessen von 1951 bis 1969 und prägte es wie kaum ein anderer. Zum Landesvater, wie Zinn, wird Koch es wohl nicht mehr bringen. Dazu weckt der 49 Jahre alte frühere Rechtsanwalt zu wenig Sympathie; man achtet seine Kompetenz und schätzt seine Durchsetzungsfähigkeit, aber, das belegen alle Umfragen, man liebt ihn nicht.
Und doch hat der gebürtige Frankfurter, der 1999 entgegen allen Voraussagen und mit Hilfe einer umstrittenen Unterschriftenkampagne in die Staatskanzlei einzog, Hessen bereits jetzt seinen Stempel aufgedrückt. Dem Land geht es in vielerlei Hinsicht besser als vor neun Jahren: eine geringere Arbeitslosenquote, eine sinkende Kriminalitätsrate, deutlich weniger Unterrichtsausfall in den Schulen. Alles andere als eine Fortführung dieser erfolgreichen Politik wäre aus Sicht von Koch ein verheerender Rückschlag. Seine zentrale Botschaft angesichts einer drohenden rot-grünen oder gar rot-rot-grünen Mehrheit unter Beteiligung der Neokommunisten der Partei Die Linke: Wir wollen, dass Hessen kein linkes Land wird, sondern ein Land der Mitte bleibt.
Stärke und Selbstbewusstsein
Der manchmal, insbesondere im Fernsehen, spröde wirkende Regierungschef und CDU-Landesvorsitzende blüht in diesen Wochen geradezu auf. Mir macht Wahlkampf Spaß, sagt er. Intelligenz, Sachkunde, Mut und Härte sind die Tugenden, mit denen er seine Anhänger und selbst viele, die ihm politisch nicht nahestehen, besticht. Koch ist ein Freund offener Worte, der sich beispielsweise nie gescheut hat, bei Debatten über die Integration von Ausländern den Begriff Leitkultur zu verwenden. Kaum etwas schätzt der Katholik aus Eschborn weniger als mangelnde Entschlusskraft.
Koch mag die Offensive, er will führen, weil er weiß, dass ein kleines Bundesland im internationalen Wettbewerb nur so mithalten kann. Stärke und Selbstbewusstsein beweist Hessens Ministerpräsident auch dadurch, dass er den Wählern wegweisende Entscheidungen zur Bestätigung vorlegt. Die Landtagswahl ist nicht zuletzt eine Abstimmung über die Einführung von Studiengebühren und den Ausbau des Frankfurter Flughafens - umstrittene Projekte, die aus Sicht von Koch jedoch unumgänglich sind, wenn Hessen auf dem Weg zum Wirtschaftsstandort und Bildungsland Nummer 1 vorankommen möchte.
Die Messlatte für einen persönlichen Erfolg hat der Amtsinhaber hoch gehängt. 1,3 Millionen Stimmen strebt er in drei Wochen für die CDU an, so viele wie vor fünf Jahren. Damals reichte das für 48,8 Prozent und die absolute Mehrheit der Landtagssitze. Bei einer voraussichtlich höheren Wahlbeteiligung wird ein solcher Erfolg nicht zu wiederholen sein, aber Koch hat mit der Zahl angedeutet, dass er seine Partei wieder in die Nähe von 45 Prozent führen möchte. Das würde dann allemal für eine Koalition mit der FDP ausreichen.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AP
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