Ulrich Maly

Eine Leitfigur?

Von Albert Schäffer

03. März 2008 Ulrich Maly ist kein Mann triumphaler Gesten. Das überragende Ergebnis von 64,3 Prozent der Stimmen, mit dem er in seinem Amt als Nürnberger Oberbürgermeister bestätigt worden ist, kommentierte er am Wahlabend mit Worten der Demut: „Diese hohe Zustimmung lastet auf meinen Schultern.“

Er wird in den nächsten Jahren großen Begehrlichkeiten ausgesetzt sein – auch von seiner eigenen Partei, der bayerischen SPD. Ihr fehlt in der Landespolitik eine Leitfigur; der zweite erfolgreiche sozialdemokratische Oberbürgermeister des Landes, der Münchner Christian Ude, hat den Lockrufen, doch seine Popularität in den Dienst des Landesverbandes zu stellen, immer widerstanden.

Kein „Zirkusdirektorenamt“

Der zurückhaltend auftretende Maly ist ein anderes politisches Temperament als Ude, bei dem die Grenzen zwischen Politik und Kabarett oft fließend sind. Sein Amt als Oberbürgermeister versteht der 47 Jahre alte promovierte Volkswirt Maly als Management- und Kommunikationsaufgabe, weniger als „Zirkusdirektorenamt“.

Maly, ein gebürtiger Nürnberger, der im Stadtteil Schweinau aufgewachsen ist, war vor seiner Zeit als Oberbürgermeister Kämmerer der mit einer halben Million Einwohnern zweitgrößten Stadt in Bayern. Ein klassischer „Innendienstler“ sei er gewesen, beschreibt Maly unprätentiös seinen Werdegang. Nicht mit ideologischen Fanfarenstößen, sondern mit finanzpolitischer Solidität erwarb er sich erste politische Meriten; dazu gehörte die Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung in der Stadtverwaltung.

Persönliche Sympathiewerte auf die Partei übertragen

Als Maly 2002 gegen den damaligen CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz antrat, galt er manchen als Zählkandidat – auch wenn die Nürnberger Stadtpolitik traditionell als sozialdemokratisches Terrain betrachtet wurde. Doch Maly konnte sich in einer Stichwahl gegen Scholz durchsetzen und regierte sechs Jahre lang mit einer Kooperation aus CSU, SPD und Grünen.

„Bieten wir unseren Bürgerinnen und Bürgern die richtigen Leistungen an? Bieten wir Leistungen in der besten Qualität an?“ Diese Fragen, mit denen Maly seine Stadtverwaltung konfrontierte, mögen in einigen sozialdemokratischen Ohren einen technokratischen Klang haben. Die Mehrheit der Nürnberger haben sie aber am Wahlsonntag als Fülle des Wohllauts empfunden. Maly ist es dabei gelungen, seine persönlichen Sympathiewerte auf seine Partei zu übertragen, die bei der Stadtratswahl kräftig zulegen konnte.

Bei aller Rationalität ist Maly die Klaviatur der Mediengesellschaft nicht unvertraut – er weiß, dass sich allein mit Verwaltungsvorlagen Bürger nicht begeistern lassen. So wird im Internetangebot der Stadt Nürnberg selbstverständlich referiert, dass Maly ein Liebhaber der südlichen Küche ist und als Student in einer italienischen Weinhandlung gearbeitet hat. Und selbstverständlich hatte der zweifache Familienvater den Vorsitz der Jury inne, die im vergangenen Monat einen Namen für die berühmteste lebende Nürnbergerin auswählte – für die kleine Eisbärin „Flocke“, die im Tiergarten der Stadt aufwächst.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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