Ausstellung „Strauß - ein deutsches Leben“

Ein Hochamt für den Übervater

Von Wulf Schmiese

11. Juli 2008 Bayern ist stolz auf seinen Ministerpräsidenten. Ohne die CSU läuft nichts. Ihr Vorsitzender ist ein sehr mächtiger Mann in Deutschland und der Welt. Eine solche Zeit gab es; so jedenfalls ist sie jetzt in Berlin dargestellt: „Strauß - ein deutsches Leben“ heißt eine Ausstellung zum 20. Todestag von Franz Josef Strauß, die an diesem Freitag in der Bayerischen Landesvertretung eröffnet worden ist. Es ist mehr als eine Eröffnung: Feierlich wird die große Zeit der CSU vergegenwärtigt. Ein Hochamt wird gehalten, das zugleich wie ein Abgesang wirkt.

Edmund Stoiber, der CSU-Ehrenvorsitzende, hält die Festrede auf seinen Ziehvater Strauß; Markus Söder - als Bayerns Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten der Gastgeber in Berlin - dankt seinem Ziehvater Stoiber für dessen Laudatio. Strauß' Kinder sind gekommen und viele Menschen aus der CSU - nicht aber seine amtierenden Nachfolger Erwin Huber und Günther Beckstein.

„Der größte politische Sohn Nachkriegsbayerns“

„Ich war wohl einer, der ihm am nächsten stand“, sagt Stoiber über Strauß, „den größten politischen Sohn Nachkriegsbayerns“. Als er mit 37 Jahren CSU-Generalsekretär unter Strauß wurde, da hätte er nie gedacht, eines Tages in jedes der „drei Ämter“ Strauß' selbst zu kommen: Ministerpräsident, Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat. Je größer das Lob - und Eigenlob - Stoibers ausfällt, desto kleiner wirkt die bayerische Gegenwart.

Stoiber preist Strauß' Gaben als Politiker: „Er konnte den Menschen die Welt erklären.“ Strauß habe ihm die Spannbreite der CSU zwischen Welt- und Dorfpolitik klargemacht mit den Worten: „Wir müssen uns gut bewegen können in der Kaviar-Etage, aber zuhause sind wir in der Leberkäs-Etage.“ Strauß sei volksnah gewesen, aber nie anbiedernd. „Schaut dem Volk auf´s Maul“, habe er stets geraten, „aber redet ihm nicht nach dem Mund.“

Über die Pendlerpauschale spricht Stoiber zwar nicht, wagt aber durchaus aktuelle Bezüge: „Würde er heute noch leben, wäre die Energiefrage sein Thema.“ Ein Franz Josef Strauß hätte „die Verlogenheit“ gegeißelt, dass Deutschland aus der Kernkraft aussteigt, sich aber von anderen Staaten mit Atomstrom beliefern lasse. Strauß sei trotz Tschernobyl davon überzeugt gewesen, dass Kernkraft ein notwendiger Energieträger bleibe und nicht verteufelt werden dürfe. „Die aktuelle Entwicklung gibt Strauß in beeindruckender Weise Recht“, sagt Stoiber. Noch immer und auch in Zukunft müsse die Warnung von Strauß gelten: „Rechts von der CSU darf es nie wieder eine demokratisch legitimierte Partei geben.“ Söder hatte zuvor schon gelobt, wie Strauß das Konservative verkörpert habe: „modern, weltoffen, werteorientiert“. Er sei „kein Technokrat und kein Apparatschik“ gewesen.

Kardinal Ratzinger hält die Totenmesse

Wegweisend sei auch Strauß' Wahlkampf-Slogan „Freiheit oder Sozialismus“ gewesen, sagt Stoiber. Huber hatte vor einem halben Jahr erst auf dem CDU-Parteitag für die Neuauflage des Spruchs geworben, was jedoch kaum ein Echo auslöste. „Wir Bayern müssen bereit sein, wenn die Geschichte es erfordert, notfalls die letzten Preußen zu werden!“ Auch diesen alten Strauß-Satz zitiert Stoiber und erinnert damit an die „schwierigste Phase“ im politische Leben von Strauß: 1973 klagte er in Karlsruhe gegen den Grundlagenvertrag mit der DDR und habe so den Weg für die deutsche Einheit offen gehalten, die er nicht mehr erlebte.

Ein Film wird eingespielt und zeigt, wie Kardinal Ratzinger, der heutige Papst, die Totenmesse für Strauß am 3. Oktober 1988 hielt. Er zählte die weltpolitischen Erfolge auf: Strauß als einer der ersten westlichen Politiker 1975 in China, später in Albanien und bei Gorbatschow in Moskau. Der Film zeigt, wie Strauß auf eigene Faust Weltpolitik machte. Stoiber erinnert, wie Strauß ihn an Heiligabend 1987 anrief und mitteilte, dass sie in drei Tagen nach Moskau flögen - eigenhändig.

„Und ich habe viel von Dir gelernt“

„Schon der Flug mit Strauß im Cockpit war ein Abenteuer“, sagt Stoiber. Zu Gorbatschows Reformplänen habe er gesagt: „Das ist der Versuch, Schneebälle zu rösten.“ Den Zerfall der Sowjetunion erlebte er nicht mehr. „Er hat die CSU geprägt, nicht nur eine regionale Partei zu sein, sondern eine mit bundes- und europapolitischem Anspruch“, fasst es Söder zusammen; und lobt Stoiber wie sich selbst mit dem Satz: „Ich glaube, Du hast viel gelernt von Franz Josef Strauß. Und ich habe viel von Dir gelernt.“

In dem Film tauchen auch kurz Becktein und Huber auf, um den Ahnen zu ehren. Es war angeblich die Idee des Filmautors Walid Nakschbandi, die beiden dort noch hineinzuschneiden. Das wäre doch arg auffällig, soll er den CSU-Organisatoren unter Söder gesagt haben, wenn die ganz fehlten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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