Hessen-SPD

Walter tritt gegen Ypsilanti an

Von Ralf Euler

29. August 2006 In der hessischen SPD bahnt sich eine Kampfabstimmung über die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2008 an. Nach der Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti erklärte am Dienstag auch der Fraktionsvorsitzende im Landtag, Jürgen Walter, seine Ambitionen, Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bei der Wahl herauszufordern. Während Ypsilanti dem linken Parteiflügel angehört, zählt Walter zu den eher pragmatisch orientierten Netzwerkern.

Der Machtkampf in der Partei war offen ausgebrochen, nachdem der lange Zeit als Koch-Herausforderer favorisierte ehemalige Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke die Spitzenkandidatur abgelehnt hatte. Walter hatte Ypsilantis Führungsqualitäten offen in Frage gestellt und angedeutet, er halte sich selbst für den chancenreicheren Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten. (Siehe auch: Walter mit Kehrtwende: Kandidatur gegen Koch möglich)

Am Montag vormittag hatten Ypsilanti und Walter ihre Positionen in der routinemäßigen Sitzung des sieben Mitglieder zählenden Landtagsfraktionsvorstands erläutert. Dabei wurde nach Angaben von SPD-Sprecher Frank Steibli deutlich, daß beide grundsätzlich darin übereinstimmten, daß der amtierende Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zu schlagen sei. Einigkeit habe auch darüber geherrscht, daß eine Kampfkandidatur auf dem Parteitag die SPD nicht auf Dauer spalten werde.

„Da sind nicht die Fetzen geflogen“

Wenn man der Basis ein geordnetes Verfahren zur Kandidatenkür anbiete, würden sich die Mitglieder nach der Entscheidung hinter dem gewählten Spitzenbewerber zusammenschließen. Die etwa eine halbe Stunde währende Aussprache im Vorstand - dem sowohl Ypsilanti wie auch Walter angehören - sei betont sachlich gewesen, sagte Steibli: „Da sind nicht die Fetzen geflogen.“

Klar scheint nach der Sitzung, daß Walter den Fraktionsvorsitz an Ypsilanti abgeben würde, sollte sie zur Spitzenkandidatin gewählt werden. Wer Ministerpräsident Koch im Wahlkampf herausfordern wolle, müsse dies auch im Landtag an herausragender Stelle tun, so die Überzeugung Walters.

Um Ruhe bemüht

In der SPD war man nach der Aufregung der vergangenen Tage bemüht, für Ruhe zu sorgen und die Auseinandersetzung zwischen Landesvorsitzender und Fraktionschef als Beleg für die Diskussionsfreude der Partei darzustellen. Generalsekretär Norbert Schmitt beispielsweise erinnerte daran, daß auch der damalige Landesvorsitzende Hans Eichel vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 1991 nicht unumstritten gewesen und von der Bremer Senatorin Vera Rüdiger und dem Wiesbadener Oberbürgermeister Achim Exner herausgefordert worden sei.

Andere, Jürgen Walter zuneigende Mitglieder der Landtagsfraktion, wiesen darauf hin, daß ein parteiinternes Kandidatenduell auch dazu beitragen werde, den Bekanntheitsgrad des schließlich Gewählten zu erhöhen. Wenn sich Ypsilanti und Walter im direkten Vergleich in den Unterbezirken und dann am 11. November vor dem Parteitag präsentieren würden, so die Rechnung der Walter-Anhänger, hätte der eloquente und schlagfertige Fraktionsvorsitzende gute Chancen, eine Mehrheit von seinen Führungsqualitäten zu überzeugen.



Text: F.A.Z./FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche