Dalai Lama in Hessen

Frühstück mit einem echten Freund

Von Ralf Euler

14. Mai 2008 Der Dalai Lama kommt, und kaum einer der führenden Politiker in Deutschland wagt es, ihm die Hand zu reichen. Bundespräsident, Kanzlerin und Außenminister haben vermeintlich Wichtigeres zu tun, als das geistliche Oberhaupt der Tibeter, den sanften Streiter für die Freiheit seines Volkes zu empfangen, wenn er von Donnerstag bis Dienstag nächster Woche zu öffentlichen Auftritten und Hintergrundgesprächen durch Deutschland reist. Anders Roland Koch: Der hessische Ministerpräsident erliegt - wie sein Düsseldorfer Amtskollege Rüttgers und Bundestagspräsident Lammert - nicht der Versuchung, in einer für Tibet und die Tibeter möglicherweise entscheidenden Phase ihrer Geschichte in Wortlosigkeit zu verfallen, Termindruck vorzuschieben oder den Ignoranten zu geben.

Wenn der Dalai Lama am Donnerstagmorgen, von Delhi kommend, am Frankfurter Flughafen eintrifft, wird er von Koch „natürlich“ empfangen; diese Entscheidung bedurfte in der Staatskanzlei keiner langen Überlegungen. Bei einem gemeinsamen Frühstück will sich der hessische Regierungschef und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende aus erster Hand über die Vorgänge in Tibet und die jüngsten Begegnungen zwischen Vertretern der Exil-Tibeter und der chinesischen Staatsführung informieren.

Koch und der Dalai Lama sind seit mehr als 20 Jahren miteinander bekannt. „Er ist ein echter Freund“, sagte der Tibeter über den Hessen, und der wiederum spricht, wenn er sein Verhältnis zum Dalai Lama beschreibt, unumwunden von Verehrung.

Koch hat bei mehreren Aufenthalten in China stets auch den friedlichen Kampf der Tibeter um ihre kulturelle Identität und die Einhaltung der Menschenrechte thematisiert. Mit „unbequemer Offenheit“, so die Erkenntnis aus seinen Treffen mit kommunistischen Führern, komme man in China in der Regel weiter als mit geheuchelter Höflichkeit, und mit mutigem und geradlinigem Verhalten erreiche man allemal mehr als mit Unterwürfigkeit. Keine Frage: Der Dalai Lama ist in Hessen zu Gast bei einem wirklichen Freund.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche