Hilflos gegen die Gewalt

Berliner Schule unter Polizeischutz

Mehr als 80 Prozent der Schüler sind nichtdeutscher Herkunft

Mehr als 80 Prozent der Schüler sind nichtdeutscher Herkunft

30. März 2006 Nach einem dramatischen Hilferuf angesichts der eskalierenden Gewalt bekommt die Rütli-Schule in Berlin-Neukölln eine Polizeikontrolle am Eingang. Dies könne aber keine Dauerlösung sein, sagte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) am Donnerstag.

Außerdem werde die Hauptschule von zwei Sozialarbeitern und zwei Fachleuten aus dem schulpsychologischen Dienst unterstützt. Eine Schließung habe die Schule nicht gefordert. „Es wird keine Schule in Berlin geben, die aufgibt“, sagte Böger. Die Polizisten sollen von diesem Freitag an dafür sorgen, daß keine Waffen ins Gebäude gelangen. (Lesen Sie auch: Alltag der Gewalt an der Berliner Rütli-Schule)

Zerstörung und Gewalt

Die Lehrer hatten in einem Brief an die Schulaufsicht auf die katastrophalen Verhältnisse an der Hauptschule in dem Problemviertel hingewiesen. Mehr als 80 Prozent der Schüler sind nichtdeutscher Herkunft. Die Pädagogen würden mit Gegenständen beworfen oder gar nicht erst wahrgenommen, einige Kollegen gingen nur noch mit Handy in den Unterricht, um notfalls Hilfe herbeitelefonieren zu können.

Die Stimmung an der Schule sei geprägt von Zerstörung, Gewalt und menschenverachtendem Verhalten auch gegenüber Lehrern. „Wir sind ratlos“, schreiben die Pädagogen. Die Leiterin ist seit Anfang des Jahres krank, auch für die Stellvertretung hatte sich bislang niemand gefunden, es gab eine kommissarische Leitung.

Lösung durch Schulfusion?

Böger kündigte an, ein neuer Schulleiter werde an diesem Montag die Arbeit aufnehmen. Er schlägt zudem vor, die Hauptschule mit der benachbarten Realschule zusammenzulegen.

In Berlin wird seit längerem darüber diskutiert, wie arabisch- und türkischstämmige Jugendliche besser integriert werden können. An der Rütli-Schule war die Stimmung am Donnerstag aufgeladen: Einige Schüler warfen Pflastersteine über den Gebäudezaun - offensichtlich, um sich vor den dort versammelten Medienvertretern zu brüsten.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: ddp

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