Kommentar

Unterfinanzierte Wissensfabriken

Ausgerechnet im Namen der Hochschulautonomie wurde die Wissenschaftsfreiheit abgeschafft. Den Professoren bleibt keine Zeit mehr für die eigene Forschung. Der Wert des Wissens richtet sich nach der Verwertbarkeit. Von Heike Schmoll.

Lesermeinungen zum Beitrag

24. August 2007 15:57

Tutorien gibt es auch in Deutschland

Martin Heck (mheck82)

die werden hier sogar eher von qualifizierteren Leuten gemacht. Das Problem ist eher, die Ueberverwaltung, die Profs daran hindert die Zeit, die sie nicht fuer Lehre brauchen auch produktiv fuer Forschung nutzen zu koennen.
Das hat leider tatsaechlich mit Geldknappheit fuer die Wissenschaft zu tun. Die Verwaltung hingegen scheint nicht unter Knappheit zu leiden. Sie scheint es geradezu zu lieben Forscher mit Buerokratie zu ueberhaeufen. Im Namen vermeintlicher Sparsamkeit oder im Namen vermeintlicher Evaluierung. Etwas gelernt habe ich bei einer solchen Evaluierung (seit 3 Jahren in der Forschung) aber noch nie etwas, was die tatsaechliche Forschung voran gebracht haette.

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24. August 2007 15:26

Gegangen um zu bleiben

Marcus Kaiser (ausgewandert)

Mir ist schleierhaft, wie die Politik ausgewanderte Wissenschaftler in dieses System zurücklocken will. In Deutschland gibt es 20,000 Professoren während es in GB 3,000 und in den USA 5,000 deutsche Professoren gibt, d.h. zusammen mit anderen Ländern arbeiten mehr als ein Drittel aller deutschen Professoren in Ausland. Während Deutschland zusammen mit Privatdozenten und Lehrbeauftragten vielleicht auf 40,000 "academic staff" kommt, sind es in England 160,000. Kein Wunder das die wenigen Leute die noch da sind vollauf mit Lehre und Verwaltung beschäftigt sind. Die kritische Masse an Kollegen zum Erfahrungsaustausch und zur Kooperation ist damit schon lange unterschritten...

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24. August 2007 15:21

Qualitative Bildung muß ein Ziel haben

carsten jung (cjung)

Hierzulande hat es gute (Nachkriegs)Tradition, die Bildung durch ständiges Experimentieren zu schwächen statt zu optimieren. Niemand denkt hierzulande daran, eine Zieldefinition für die Bildungspolitik zu erstellen und erst danach Weg zum Ziel zu definieren.

Die Unterfinanzierung der Universitäten ist nicht neu. Die Etatkürzungen der 90er Jahre bspw. haben den Anschaffungsetat der Bibliotheken in eine bedrohliche Lage gebracht. Geld für Planstellen fehlt seit Ewigkeiten. Schnelles Stuidium ist auch deswegen nicht möglich, weil Lehrpersonal und Matrialien fehlen.

Statt diesen Mißstand durch ein klares Bekenntnis zur Bildung und deren Kosten zu beheben, erfindet man lieber neue Abschlüsse. Schon die Einführung des Magisters führte nicht zu schnellerem Studium, sondern in der Regel zur Addition eines Abschlusses zur das Studium beendenden Promotion - faktisch eine Studienzeitverlängerung.

Deutsche Akademiker zeichnete ihre Selbständigkeit aus. Der Drang geht leider zum völlig verschulten Studium, ohne Selbstdenken. Die Stärkung der guten Fachhochschulen wäre die richtige Antwort gewesen, nicht die Schwächung der Unis mit immer niedrigeren Zugangsschwellen, der Bankrotterklärung der deutschen Bildungspolitik.

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24. August 2007 13:35

@Wolfgang Reinhart (ciceron) 24.08.2007, 12:05

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

Herr Reinhart, treffender kann man es nicht formulieren.

Ich frage mich nur, ob die Autorin des Artikels solche Hintergründe absichtlich verschweigt oder in einer Art Naivität ganz einfach nicht erkennt.

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24. August 2007 12:28

Unterfinanzierte Wissensfabriken

norbert hoffmann (nobby56)

Schon möglich das die aktuelle Politik die Elite der Unis verkommen lässt. Aber bereits vor dem Krieg wanderten die wirklich wichtigen Leute aus und heute ist es nicht anders. Deutsche Prof. die in Amerika arbeiten, Studenten, die zusammen mit 8 bis 12 Kommilitonen da studieren wo sich auch ein Ergebnis erzielen lässt. Wenn sie mal zurück kommen werden sie nicht unbedingt bleiben. Elfenbein ist bekanntlich verboten und jetzt wird auch der Elfenbeinturm abgerissen. Was man an Energie und neuen Ideen braucht, lässt man nach und nach aus Osteuropa einsickern, die Leute haben dann ihre Abschlüsse in Prag, Warschau oder Budapest gemacht. Überhaupt stellt sich die Frage ob jeden Tag das Rad neu erfunden muss und die Publikationen wo einer vom anderen abschreibt nicht schon genügen.

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24. August 2007 12:23

Hochbegabung in Freiburg

Hans Werner Danuser (LoginName83)

Hochbegabte, die bei einem Intelligenztest einen Wert von 130 oder mehr erreicht haben, erwartet in Freiburg kein "gebührenfreies Studium", wie im Text behauptet, sondern ihnen werden lediglich für die ersten drei Semester die Studiengebühren erlassen. Danach müssten sie sich durch hervorragende fachliche Leistungen für ein Stipendium bei einer der großen Stiftungen qualifizieren, um weiter gebührenfrei studieren zu können.
Es handelt sich also um eine wohldurchdachte Konzeption.

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24. August 2007 12:05

Wissensfabrik

Wolfgang Reinhart (ciceron)

Das ist schon drollig. Ausgerechnet die FAZ, die den Einfluss des Staates überall zurückdrängen will, beschwert sich, dass die Uni mit der neuen Autonomie zur Wissensfabrik verkommen soll. Die Geister die man rief, wird man nun nicht mehr los! Man kann nicht überall nach Deregulierung und Privatisierung schreien und sich dann über die logischen Konsequenzen, die sich hieraus ergeben, beschweren. Wenn es bei der Uni zukünftig nur noch darum gehen soll, auf (zum Teil fragwürdigen) Rankings weit vorne zu landen, um im Krieg um Drittmittel und Talente aus aller Welt mithalten zu können, ist man eben eine Wissenfabrik, die möglichst effizient zu wirtschaften hat. Dann kommt es letztlich auch bei der Forschung nur noch darauf an, dass die Forschungsergebnisse häufig zitiert werden, was aber nicht unbedingt heißt, dass diese auch tatsächlich relevant sind. Und Drittmittel aus der Wirtschaft gibt es eben meistens nur für kurzftistig verwertbare Forschungsergebnisse oder solche, die deren Weltbild bestätigen - in der VWL also nur für neoliberale Profs, die lehren, dass deutsche Arbeitnehmer dumm, faul und überbezahlt sind. Dann zählt eben nicht die Wahrheit, sondern Interessen. Das kommt davon, wenn man "privat" mit "frei" gleichsetzt!

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24. August 2007 11:28

Nicht ganz so viele Wiedersprueche in der Bildunspolitik

Joachim Kehr (Joachimkehr)

Die Einfuehrung eines nationalen Abis macht auch Sinn um einen hohen Bildunsgrad zu garantieren, und nicht nur um Vergleiche zu vereinfachen.
Zeugleich brauchen wir aber auch mehr Uni Absolventen, also macht es auch Sinn, anderen ohne Abi, den Weg an die Uni zu erleichtern.
Da dies die Qualitaet and Unis wahrscheinlich beintraechtigen wird, macht eine hoehere Spezifizierung der Unis zwischen Elite und nicht Elite sehr viel Sinn.
Nicht jeder braucht oder will eine wissenschaftliche Ausbildung, sondern etwas praktisches um einen besseren Job zu bekommen. Also ist eine Aufsplittung der Unis notwending.
Das die Elite-Initiative die Wissensfreiheit untergraebt ist langfristig unwahrscheinlich, wegen steigendem Wettbewerb zwischen den Unis.
Momentan konzentrieren sich die 'Elite' Unis auf Themengebiete in denen Erfolge leicht zu messen sind. Sobald diese aber besetzt sind werden andere Gebiete (z.B. Geisteswissenschaften) staerker in den Fokus ruecken.
Was den Bruch zwischen Lehre und Forschung betrifft, wird dies auch von Uni zu Uni anders sein. Langfristig kann keine 'Elite' Uni sich diesen Bruch leisten. Unis die sich auf praktische Ausbidung spezialisieren koennen dies aber schon.
Der IQ Test ist aber wirklich laecherlich.

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24. August 2007 10:55

Na, ist das denn alles verwunderlich?

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

"Der Wert des Wissens richtet sich nach der Verwertbarkeit."

Oder anders ausgedrückt: Radikales Marktdenken hat jetzt auch die Wissenschaften erreicht.

Dieser (wirklich exzellente) Artikel der Autorin läßt mich in einem Punkt doch etwas ratlos zurück: Da wird seit Jahren (auch in der FAZ) der Markt über alles gepriesen und dann wundert man sich, dass das auch immense Schattenseiten mit sich bringt.

"You cannot have the cake and eat it." wie der Engländer sagt. Und das Liberalisierung und Marktöffnung fast aller gesellschaflichen Bereiche (zu denen ja auch die Bildungsinstitutionen gehören) eben nicht nur positive Seiten haben, sondern auch mit immensen Nachteilen verbunden sind (gesellschaftlich, ökologisch, kulturell und eben auch in den Wissenschaften) wird doch wohl mittlerweile nur noch von einigen wenigen geleugnet.

Es ist zumindest ein guter Anfang, dass das zusehends erkannt und nicht auch noch geleugnet wird. Am wichtigsten aber ist es, dass es auch öffentlich diskutiert wird, ohne gleich unter Ideologieverdacht zu geraten.

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