Paulis Ratgeber

Pauli inspiriert von Kabarettisten

21. September 2007 Ungeahnte Weiterungen hat am Freitag der Anspruch der CSU erhalten, die einzige wirkliche Volkspartei in Europa zu sein. Gabriele Pauli, Kandidatin für den Parteivorsitz, legte im Morgenmagazin der ARD offen, wie sie zu ihrer programmatischen Forderung gekommen sei, Ehen auf eine Laufzeit von sieben Jahren zu begrenzen.

Sie habe sich von dem fränkischen Kabarettisten Frank-Markus Barwasser inspirieren lassen, sagte die fünfzig Jahre alte Fürther Landrätin: „Das ist seine Idee gewesen“. Barwasser hatte Erwin Pelzig, sein Alter Ego auf der Kabarettbühne, erstmals vor zwei Jahren über eine Ehe auf Zeit sinnieren lassen und eine Laufzeit von fünf Jahren vorgeschlagen.

„Sehr fortschrittliche Gedanken“

Mit ungeahnten Nachwirkungen, wie Frau Pauli in den morgendlichen Einblicken in ihre politische Werkstatt offenbarte; Barwasser alias Pelzig verpacke „sehr fortschrittliche Gedanken“ in bayerische Art. Man könne gar nicht anders, als ihm recht zu geben, ließ die Landrätin wissen.

Seit sie ihren Vorstoß zur Reform des Eherechts unternommen hatte, war immer wieder gerätselt worden, wer zu den Beratern von Frau Pauli zähle, die seit 1989 dem CSU-Vorstand angehört.

„Tipp-toppene Idee“

Barwasser zeigte sich am Freitag in der Münchner „Abendzeitung“ „begeistert und ergriffen“; schließlich lasse er sich als Kabarettist üblicherweise von Politikern inspirieren. Dass es nun bei Pauli umgekehrt sei, sei zwar „sehr großzügig“ von der Kandidatin für den CSU-Vorsitz.

Der Vorschlag für eine „Ehe auf Zeit“, zuletzt im Bayerischen Fernsehen am 28. Juni propagiert, sei gleichwohl eine „tipp-toppene Idee“ gewesen, fügte Barwasser im Rundfunk hinzu. Er habe noch viele andere Vorschläge für die Politik. Vielleicht fasst sich der Parteitag ja ein Herz - und wählt Barwasser alias Pelzig zur neuen kabarettistischen Doppelspitze der CSU.

„Pure Provokation“

Der scheidende Ministerpräsident und Parteichef Edmund Stoiber prognostiziert indes, Frau Pauli werde auf dem CSU-Parteitag bei der Vorsitzenden-Wahl „so wenig Stimmen bekommen, wie noch nie ein Kandidat für ein Parteiamt.“ Auch habe Pauli alle Chancen verspielt, wieder in den Parteivorstand gewählt zu werden, dem die Landrätin seit 18 Jahren angehört. Pauli werde „absolut hochkant aus dem Vorstand rausfliegen, gar keine Frage“, sagte Stoiber voraus.

Stoiber bezeichnete ihre Vorstellungen im Deutschlandradio Kultur als „eine abstruse Hippiemeinung von irgendeiner Persönlichkeit, die sich wohl nicht mehr unter Kontrolle hat“.

Der designierte neue bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Wenn es als kabarettistische Einlage gedacht war, dann war es eine peinliche Niveaulosigkeit.“ Sollte Pauli es ernst gemeint haben, richte sie sich vollkommen gegen Grundüberzeugungen der CSU.

Der Vorsitzende der Jungen Union in Bayern, Manfred Weber, sagte am Freitag der Nachrichtenagentur ddp, der Vorstoß der Kandidatin für den CSU-Vorsitz sei „pure Provokation“ gewesen, „um wieder wahrgenommen zu werden“. Durch ein solches Verhalten gehe „die Seriosität in der Politik den Bach 'runter“.

Das denkt selbst Kabarettist Barwasser: „Wenn sie jetzt noch beim Parteitag einen Fuß auf den Boden kriegt, verstehe ich Bayern nicht mehr“, sagte Barwasser. Was deren Zukunftsperspektiven betreffe, die nächstes Jahr nicht mehr als Landrätin von Fürth antreten wird, sieht Barwasser alias Pelzig schwarz. Er sei auch nicht bereit, Frau Pauli im Kabarett Asyl zu bieten: „Ich plane kein Pelzig-Pauli-Programm. Das kann ich ihnen versichern.“



Text: FAZ.NET mit ff.
Bildmaterial: ddp, dpa

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