Einheitliche Prüfungen können erst der letzte Schritt sein

Kommentar

Zweifel am Zentralabitur

Im Sommerloch mehren sich Forderungen nach einem bundesweiten Zentralabitur. Doch davon ist Deutschland ohne vergleichbare Lehrpläne in den einzelnen Ländern noch denkbar weit entfernt. Ein Kommentar von Heike Schmoll.

Lesermeinungen zum Beitrag

12. August 2007 18:02

Ein Zentralabitur braucht keine einheitlichen Lehrpläne

Bernhard Schmitz (DerKetzer)

Ein Zentralabitur benötigt nur einen Katalog von gemeinsamen Kriterien, die die Prüflinge bundesweit erfüllen müssen. Wie die einzelnen Länder das anstellen, das ihre Schüler die Kriterien erfüllen, kann man getrost ihnen und dem Wettbewerb überlassen. Dazu benötigt man keine gemeinsamen Lehrpläne.

Aber in Deutschland wird gleich wieder nach Gleichschaltung gerufen, wenn jemand mal etwas anderes machen will.

Wie soll auf diese Art in Deutschland eine Verbesserung stattfinden?

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11. August 2007 09:40

Ablenkung von den eigentlichen Problemen eines veralteten Bildungssystems

angela roberts (angero)

Man sollte sich von der Vorstellen des Messen, Wiegens und Zählens verabschieden. Der Glaube an die Aussagekraft von Noten scheint erstaunlicherweise ungebrochen.
Sicher muss es Bewertungssysteme geben, aber wenn man ein relativ gesehen Wackelige hat, wird es nicht besser wenn man es einheitlich macht.
Eben weil die Bedingungen an den Schulen unterschiedlich, weil die schule teilweise (Hessen) noch in den 60ern hängt, weil eben nicht sachbezogen gedacht wird, sondern an einem durch Tradierungen mehr als durch sachgerechte Überlegungen gestaltetes Schulsystem Schönheitsreparaturen durchgeführt werden.
Was muss der Mensch denn heute lernen, wie stellt man das dar, so dass es auch eine Aussagekraft für Studium und Beruf hat - oder will man das überhaupt?
Bis jetzt gibt es ein gewisses Loteriespiel, steuern kann ich es als Schüler/Student, in dem ich gegebenenfalls den Lernort wechsle, damit der Schnitt besser wird.
Es gibt keine Notengerechtigkeit und eine Eins in mathe befähigt nicht im mindesten zu einem Mathestudium - da brauchts noch a bisserl mehr.

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10. August 2007 19:47

Bildungsungerechtigkeit!

Daniel J Hahn (137)

Verschiedene Bildungsstandards, Leistungsanforderungen und -niveaus, x-verschidene Schulbücher, nicht stringent aufeinander aufbauenede und mit anderen Fächern abgestimmte Lehrpläne, Bildungschaos und Bologna - aber ein NC für bestimmte Fächer für alle, egal ob sie sich durchs bayrische Abitur mehr schlecht als recht quälten oder in NRW mit links die Matura machten. Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, daß gerade hier der hochgelobte Föderalismus Betrug und Versündigung an unseren Kindern ist! Hier ist Besitzstandswahrung ein Verbrechen an der Zukunft des Landes!

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10. August 2007 14:37

multiple choice

Bruce Law (highbeams)

deutschland liebt seine fliesstexte...und wird damit niemals in der lage sein ein faires und bundeseinheitliches bewertungssystem zu erschaffen. jeder kafka-schinken will interpretiert werden (wie schwachsinnig diese form der gesinnungspädagogik ist, lässt sich prima bei susan sonntag nachlesen) und eine solche schülerinterpretation lässt jeden wert der notenamplitude zu, man muss die arbeit nur von genug lehrkräften benoten lassen. in den usa ist dies undenkbar, nur multiple choice test lassen eine faire vergleichbarkeit zu und verhindern pädagogische willkürakte. das ist aber hier leider nicht vermittelbar....schade...

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10. August 2007 13:42

Die Sommerflaute...

sebastian knoell (ostuhl)

Ja, es ist anscheinend den lieben Ministerpräsidenten Günther Oettinger der Sommer zu hoch in den Kopf gestiegen. Oder er kam auf die witzige Idee mal schnell im Sommer auf Stimmenfang zu gehen.

Ehrlich manchmal frage ich mich schon, wozu ich wählen soll wenn die Politiker sowieso nur Quatsch reden.

Es fängt schon mit dem Kommentar des Lehrers über mir an.

Das Kultusministerium für Bildung verabschiedet schon seit Jahren Vorschläge, die einfach nur noch (sorry) Scheiße sind. Die ohnhin schon höhen Einschränkungen für einen Lehrer sind einfach nicht mehr umsetzbar, um einen ordentlichen Unterricht zu gewährleisten.
Z. B. eine Richtlinie ist es jedem Schüler eine individuelle Betreung im Unterricht zu gestatten. Wenn die Klasse aus 30 Teilnehmern besteht, ist dieses unmöglich. Innerhalb einer Unterrichtsstunde alle 30 Teilnehmer einmal dran zu nehmen.Da eher Lehrerstellen auf der Landesebene gestrichen werden, anstatt eingestellt werden. Darf man sich auch nicht wundern, dass die Umsetzung nicht funktioniert.

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10. August 2007 12:23

Zentralabitur

A Kimodo (akimodo)

Wettbewerb unter den Bundesländern bei einer Prüfung??? Bei Prüfungen werden "Leistung" abgeprüft, die zuvor! erworben wurden. Also, wo liegt grundsätzlich - von Abwertungsbefürchtungen einmal abgesehen - das Problem eines Zentralabiturs?
Ansonsten teile ich die Skepsis gegenüber der Bedeutung von Zeugnissen.
Die Diskussion über ein Leistungsgefälle Nord-Süd an deutschen Schulen wäre so jedenfalls relativ schnell beendet - egal wie das Ergebnis ausfällt ;)

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10. August 2007 10:54

Zentralabitur ohne Hochschulzugangsberechtigung?

Volker Alipaß (drumdoctor)

Wie kümmerlich sich um unser marodes Bildungssystem gekümmert wird, ist ein Grund, definitiv zur nächsten Wahl zu gehen. Entgegen guter Ratschläge und harscher Kritiken hält die KMK an ihrer Gangart fest, als wäre nichts gewesen, als hätte die weitreichende Testreihe schulischer Bildung in Deutschland nicht gereicht, als würde Zwangsbeschulung sogar von behinderten Menschen in z.B. unzumutbar entfernte Schulen und die restriktive Unterbindung verschiedenster schulfreier Bildungsinitiativen in unserer -ach so liberalen - Gesellschaft einen wichtigen Mosaikstein darstellen, und als würden Chancengleichheit und Flexibilität herrschen bzw. jeder Mensch auf seine Kosten kommen.
Das Zentralabitur ist ein Nebenschauplatz, an dem sich die Starrheit des Systems, die Unvereinbarkeit politischer Ambitionen und - mit Verlaub - chaotische Experimentalstrategie erneut darstellt. Man kann an den meisten Orten der Welt internationale Hochschulzugangsberechtigungen erwerben, durch Besuch einer Fernschule z.B., die auch Deutschen nicht verschlossen ist... im Ausland... hierzulande darf im Bildungssektor scheinbar Konkurrenz das Geschäft nicht beleben.

2005 waren es 35.000, die unser Land verlassen haben.

Freiheit ist ein hohes Gut.

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10. August 2007 10:46

Wo soll das nur hinführen..

Alexander Tronnier (hexalion)

Ich denke auch, dass ein Zentralabitur wenn überhaupt nur ganz am Ende von vielen, dringend nötigen Reformen stehen kann. Um die schulische Ausbildung in allen Bundesländern anzugleichen und reif für eine zentrale Prüfung zu machen würde allerdings sicher ein ganzes Jahrzehnt ins Land streichen.

Es bedarf allerdings jetzt einschneidender Veränderungen. Man kann ja nicht einmal mehr im gleichen Bundesland die Abiturzeugnisse miteinander vergleichen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass in Sachsen-Anhalt Unterschiede von 0,5 bis 1,0 in der Abschlussnote für einen Schüler je nach Schule möglich sind.
Desweiteren scheint das Bildungsniveau allgemein zu degenerieren. Ich studiere in Sachsen, wo das Bildungsniveau an sich ganz in Ordnung zu seien scheint. Betrachtet man jedoch die Leistungen der neuen Studienjahrgänge sieht man deutlich den Abwärtstrend. Abitur ist, bleibt der status quo erhalten, bald keine Hochschulreife mehr.

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10. August 2007 09:49

@ Stefan Sedlaczek

Michael Retz (MRetz)

Worin besteht der Unterscheid zwischen Schokolade und Schulbildung?

Schokolade kauft man sich in regelmäßigen Abständen. Ist man einmal von einem Hersteller enttäuscht worden, dann kauft man das nächste Mal eben von einem andern Hersteller. Auf die Dauer des gesamten Lebens betrachtet kann man sich sehr häufig entscheiden von welchem Hersteller man welches Produkt kauft. Fazit: Bei sich wiederholenden Transaktionen ist Wettbewerb sinnvoll.

Und was ist mit mittlerer Reife und Abitur? Dumme Frage – die macht man im ganzen Leben nur EIN EINZIGES MAL.

Was bedeutet dann eigentlich „Wettbewerb zwischen den Bundesländern“ im Hinblick auf Realschule und Abitur?

Glauben Sie wirklich, dass die Schulen eines Bundeslandes wirklich im Wettbewerb um die Gunst ALLER Schüler und Gymnasiasten unseres Landes stehen? Wie soll das denn aussehen? Tausende Minderjährige Schüler entscheiden mal eben ihren Wohnsitz zu wechseln weil sie lieber in einem anderen Bundesland zur Schule gehen wollen? Eine solche Vorstellung ist doch völlig unrealistisch.

Bei der Ausbildung von Kindern und Jugendliche windige Ökonomisierungsexperimente vorzunehmen ist unverantwortlich! Zentrale Qualitätsmaßstäbe zu setzen ist hier ganz klar die einzige Lösung!

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10. August 2007 09:46

Schulbildung

Michael Puschendorf (micha_p)

Die Kultusminister der Länder und ihre KMK haben lange genug herumgedoktort und bewiesen, dass sie mehr ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung desselben sind.

Nehmt die höchsten Standards und macht sie zur Richtschnur in Deutschland, dann wird das Abi wieder aufgewertet, nebenbei muss der Wahnsinn aufhören, dass selbst nach einfachen Lehrberufen Abiturienten Schlange stehen.

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10. August 2007 07:35

Auch für Unis

Zeit Kommi (zeitkommi)

Warum eigentlich nicht?

Aber man sollte sich mindestens am bayerischen Abitur orientieren.

Auch bei Unis gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Diplom ist eben nicht gleich Diplom. Warum kommt auch das nicht deutlicher zur Sprache?

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10. August 2007 07:09

Also ich hab ja schon Zentral-Abitur gemacht!

Jan-Lasse Wilms (Nemo84GER)

Ich wurde in Deutsch und Englisch zentral geprüft und muss deshalb aus Erfahrung sagen, dass mir bis Dato nicht noch mal so ein Schwachsinn begegnet ist!
Schwachsinn deshalb, weil die fragen ungefähr so gestellt waren: Sie haben die Bücher X und Y gelesen. Was fällt Ihnen dazu ein? Dass hört sich nicht nur komisch an, dass war auch so! Ungefähr die hälfte der Schüler hat wesentlich schlechter abgeschnitten als in den Vorbereitungsklausuren! Das lag in den meisten Fällen einfach daran, dass die Schüler nichts mit der Frage anfangen konnten. Es gab ja noch ne zweite Frage: Was fällt Ihnen noch so ein? Das war dann die Stunde der Kreativen! Wie man merkt muss ein Schüler schon sehr selbstbewusst und gut vorbereitet sein um zwei Bücher, ohne konkrete Frage, mit einander vergleichen zu können!
Der Trick ist wie folgend: Lest die Bücher nicht! Nur ein paar Seiten! Lest lieber interprätationen ala Reklam und Doktorarbeiten zu den Büchern! Übersetzt euch den Kram in eure eigene Sprache und bezieht nicht zu früh eure eigene Meinung ein. Die interessiert keinen! Nennen, Repetieren, nicht selber Denken. Naja, vielleicht sind wir dann ja bald so zentralisiert wie die Chinesen, und können uns so richtig Frei entfallten! (...)

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09. August 2007 23:30

Im Allgemeinen "kaum" von Bedeutung

Stephan Rothe (splash.zivi)

Was wohl viel entscheidender bei der ganzen Diskussion ist, ist der Wert eines Abiturs. Ich habe mein Abitur durchschnittlich gemacht und es ist für mich nahezu bedeutungslos, mit welcher Note ich dies gemacht habe. Natürlich zieht man es als NC bei Universitäten heran, doch im Anschluss hat ein Abitur keine Auswirkung mehr. Daher verstehe ich auch nicht, warum die einzelnen Länder so auf ihren jeweiligen Richtlinien und Autoritäten pochen. Dabei wäre eine einheitliches Systrem sehr angebracht. Auch wenn dafür einige Ferientermine verschoben werden müssen, so sind das doch vergleichsweise geringe Opfer für eine einheitliche Bildungsgrundlage.
Zusätzlich ist es meiner Meinung nach auch falsch, Noten als Indikator für Leistungsfähigkeit und Können anzusehn. Menschen verfügen über mehr, als ihn vielleicht schulisch zugetraut oder unterstellt wird.

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09. August 2007 22:52

Leistungsgefälle

Dennis Gessert (DennisGessert)

Also bei einem bundesweiten Zentralabitur wäre das Leistungsgefälle zu enorm.
Denn das Zentralabitur in NRW hat dieses Jahr schon gezeigt,dass das Niveau um mindestens 20-30% abrutschen kann.

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09. August 2007 21:28

Bewertungsmaßstäbe

angela roberts (angero)

Die Aussagekraft eines Abiturzeugnisses wird durch ein Zentralabitur nicht besser, wenn man sich fragen muss, welche Aussagekraft ein Zeugnis überhaupt hat - der Zusammenhang zwischen Schul- und Berufserfolg scheint nicht belegt, schon gar nicht, wenn man unterschiedliche Fachrichtungen betrachtet.

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09. August 2007 21:15

Zweifel am Zentralabitur

Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)

Gut beobachtet. Nun halte ich von einem Zentralabitur noch weniger als vom ohnehin bereits staatlich monopolisiertem Qualifikationswesen. Das bißchen Wettbewerb, welches es unter den einzelnen Bundesländern gibt, ist ja bei weitem nicht genug an unterschiedlichen Angeboten. Da geht ein Zentralabitur genau in die falsche Richtung. Personaler können die Abschlüsse ohnehin vergleichen.
Hier in NRW schafft man es ja nicht einmal, die Verkürzung auf 12 Schuljahre vernünftig zu bewältigen. Anstatt das Curriculum auszumisten, versucht man es mit Ganztagsschule oder Wochenendunterricht. Ohne Bildungsfreiheit lassen sich aber die aktuellen Probleme nicht lösen.

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09. August 2007 18:14

Bundesabitur

Stephan Rottmann (nnamttor)

Wie ausgehöhlt die angestrebte "Vergleichbarkeit" selbst zwischen Ländern mit eingeführtem Zentralabitur ist, verdeutlichen die stark abweichenden Bewertungsmaßstäbe. Zum Beispiel bekommt ein Schüler in Niedersachsen, der in seiner Geschichtsabiturklausur eine einzige Aufgabe (mit dem Gewicht 30 %) "sehr gut" bearbeitet und alle übrigen Aufgaben auslässt, insgesamt ein "Ausreichend", während das entsprechende Leistungsprofil eines bayerischen Schülers mit "Mangelhaft" bewertet wird. Das Gerede von bundeseinheitlichen Abiturprüfungen erscheint mir vor diesem Hintergrund wirklichkeitsfremd.

Rottmann (Lehrkraft in Hannover)

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