31. März 2008 Um 12.40 Uhr geht über dem Römerberg die Sonne der Freiheit“ auf. Umrahmt von zwölf blauen und roten Strahlen, die für die alten Stämme Tibets stehen, lugt sie über einen Schneeberg, an dessen Fuß zwei Schneelöwen drei flammende Juwelen zwischen ihren Pranken halten. Die Edelsteine symbolisieren Buddha, seine Lehre und die Gemeinschaft seiner Anhänger.
Ein überschaubarer Kreis von Demonstranten hat sich vor dem Römer versammelt. Sieben Exil-Tibeter und einige Taiwanesen sind unter ihnen. Sie wollen den Augenblick erleben, an dem die tibetische Flagge in Frankfurt gehisst wird. Als Zeichen der Solidarität mit Tibet hat Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) angeordnet, die Flagge am Gerechtigkeitsbrunnen zu hissen.
Mehr als 200 deutsche Städte und Gemeinden solidarisch mit Tibet
Die Stadt wolle damit die chinesische Regierung auffordern, die Abriegelung Tibets aufzuheben, eine ungehinderte Berichterstattung zuzulassen und der Einsetzung einer Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zuzustimmen“. Während in Frankfurt und mehr als 200 anderen deutschen Städten und Gemeinden vor den Rathäusern Flagge gezeigt wurde, machte sich in Peking der erste Staffelläufer mit der olympischen Flamme auf den Weg durch China (siehe auch: ).
Sie soll auch durch Tibet und bis auf den Mount Everest getragen werden. Die Tibet-Initiative Deutschland, die fürchtet, dass sich durch diese Provokation die Unruhen in Tibet verstärken, hatte zu der Protestaktion aufgerufen. Wer in Tibet die Flagge zeigt, muss damit rechnen, für mehrere Jahre im Gefängnis zu verschwinden.
Angst sei ein schlechter Ratgeber, sagt die Oberbürgermeisterin. Wenn sie am 6. April in die Partnerstadt Guangzhou aufbricht, will sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Sie wolle mit der Waffe der Worte“ gegen die Menschenrechtsverletzungen in Tibet kämpfen und sich nicht einschüchtern lassen. Wenn mich jemand nach Hause schicken will, sollen sie es ruhig tun.“ Sie sei sich über die besondere Außenwirkung ihrer Reise bewusst: Ich werde nicht zurückhaltend sein. Wir stehen im Fokus der Weltpolitik.“ Einen Eklat fürchtet sie nicht. Denn bisher profitierten besonders die Chinesen von der Partnerschaft mit Frankfurt. Zu ihrer Entourage zählen mehr als 40 Begleiter, darunter Politiker, Universitätslehrer, IHK-Vertreter und Künstler.
Petra Roth will in Guangzhou die passenden Worte finden
Die Oberbürgermeisterin hatte schon in der vergangenen Woche die Absicht bekräftigt, trotz des Vorgehens der Chinesen gegen die Tibeter wie geplant mit einer Delegation in die chinesische Partnerstadt zu reisen. Sie sei der Ansicht, eine Absage des fünftägigen Besuchs würde den wichtigen Dialog zwischen den Partnern für lange Zeit unmöglich machen. Zur Frage der religiösen und kulturellen Autonomie Tibets werde es während der Gespräche mit chinesischen Politikern bei Gelegenheit einen entsprechenden Satz“ im Klartext“ geben.
Die Fraktionen von CDU und Grünen unterstützen das Hissen der Flagge. Wer mit Frankfurt Handel treibe, müsse wissen, dass es die Stadt der Paulskirche“ sei, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Frank: Menschenrechte sind eines unser wichtigsten Themen.“ Und sein Pendant bei den Grünen, Olaf Cunitz, fügt hinzu: Flagge zeigen ist alles, was wir machen können.“
Ein Mitglied der Initiative Freunde für einen Freund“ verteilt auf dem Römerberg T-Shirts und Armbänder. Auch Roth hält sich das weiße Hemd mit der aufgedruckten roten Hand vor die Brust. Tibetische Aktivisten trügen rote Hände auf ihrer Kleidung, um gegen das Blutvergießen zu demonstrieren, heißt es. Nicole Kuhn, die als Krankenschwester an der Uniklinik arbeitet, hat sich einen gelben Streifen mit der Aufschrift Save Tibet“ um den Ärmel der Jeansjacke gebunden. Sie ist etwas enttäuscht: Die ganze Welt fährt zum Dalai Lama in den Hessenpark. Wenn es darum geht, Rückgrat zu zeigen, kommt niemand.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Roger Hagmann
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