
Zu den etwa 10% gestrichenen Stellen muss noch die de facto ausgefallene Lehr- und Forschungleistung dank der rapide zunehmenden zusätzlichen Beanspruchung durch Administration und Umsetzung der vermeintlichen Reformen hinzugerechnet werde. Es ist m. W. noch gar nicht durchgerechnet worden, welche virtuellen Kosten z. B. allein im Zuge der Umstellung der Studiengänge dadurch entstanden sind bzw. noch entstehen werden, dass unzählige Dozenten sich inzwischen am Schreibtisch und in unzähligen Sitzungen unentwegt mit Dingen beschäftigen müssen, die weder der Lehre noch der Forschung dienen. Dabei ist nicht nur die absorbierte Arbeitszeit in Rechnung zu stellen, sondern vor allem die resultierende äußere Unruhe, die eine kontinuierliche, konzentrierte wissenschaftliche Arbeit beständig torpediert.
Ein kleiner Indikator: War es bis vor einigen Jahren noch kaum ein Problem, Kollegen für Kommissionen und Gremien zu gewinnen, ist das vielerorts heute praktisch unmöglich, denn fast jeder, der auch nur ansatzweise geeignet ist, ist bereits hinreichend versorgt.
Gegen diese Form der hartnäckigen Destruktion des Arbeitsumfeldes "Universität" nimmt sich sich die Streichung von 1451 Professuren geradezu harmlos aus.

Das hat Methode: In Berlin von der Bildungsoffensive reden und in den Ländern Stellen abbauen und dann auch noch den Eindruck erwecken, dass die Probleme dieser Welt sich nur über Finanzen und Markt lösen lassen. Was aber bei diesem Vorgang besonders erschrecken muss: Die Leute glauben das auch noch!

Die Kulturwissenschaftler finden durchaus im Moment Jobs. Wenn Sie Studienabsolventen suchen, die auf dem Arbeitsmarkt überflüssig sind, schauen Sie sich bei Architekten und Juristen um.
Und siehe da: die Zahl der Jura-Professoren hat sich gar erhöht! Hier ist der Grund der Malaise!

Hallo FAZ,
"Insgesamt haben die Universitäten in den vergangenen zehn Jahren 1451 Professorenstellen verloren, während sich die Anzahl der Studierenden im selben Zeitraum um 0,5 Prozent erhöht hat. Vom Professurenabau besonders betroffen ist die Klassische Philologie, die 35 Prozent ihrer Professuren verloren hat. Allein an der Heidelberger Fakultät für Klassische Philologie gingen seit den neunziger Jahren 40 Prozent der Professuren und die Hälfte der Mitarbeiterstellen verloren, die Griechisch-Professur ist seit sechs Jahren vakant."
Absolute Zahlen relativen gegenüberzustellen und das konsequent, zeigt nur eines: Die Effekte können nicht so reißerisch schlimm sein, wie sie sie darstellen, zumal sie sich aufs Geratewohl einzelne Fakultäten herauspicken, aber die relativen und absoluten Studierendenzahlen ebendieser nicht einmal erwähnen.
Churchill mag sein berühmtes Zitat nie gesagt haben, hier stimmt es aber zu.
Schämen Sie sich, wenn Gleiches mit Gleichem keine nennenswerten Ergebnisse zu bringen scheint, einfach Äpfel mit Birnen zu vergleichen!
So ein Schund kann jedenfalls keinen Bürger bei der Meinungsbildung unterstützen.

Bei solchen Zahlen verwundert es wenig, wenn deutsche Akademiker zu hunderttausenden im Ausland tätig sind (etwa 900.000 sind's insgesamt). Es ist nun mal so, dass fehlende Stellen im akademischen Bereich auch Auswirkungen darauf haben, ob die Leute dann im Land in der Industrie arbeiten. Für Deutschland heißt das, dass der Mangel an akademischen Stellen (Doktorandenstellen, Post-Docs bzw. Habilitationsstellen) auch Auswirkungen darauf hat, ob die Leute das Land insgesamt attraktiv finden. Das zeigen viele internationalen Forschungen: Eine attraktive Hochschullandschaft ist eng verwoben mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in der Hoch- und Spitzentechnologie.
Wen wundert da die aktuell allgegenwärtige Diskussion um den Fachkräfemangel? Da ist die Politik leider der Hauptschuldige - wenn man den jungen, hochqualifizierten Leuten keine Perspektive im Land bietet, dann wandern sie eben aus. Natürlich ist auch die Wirtschaft mit ihren paradoxen Einstellungspraktiken des letzten Jahrzehnts schuld, aber das ist eher ein Nebenschauplatz des Mangels.
Der Mangel an guten Köpfen geht ja schon so weit, dass Politik wie Wirtschaft blind nach Ausländern rufen - anstatt die Standortqualität Deutschlands zu verbessern.

Die Zahl von Lehrstühlen ist m.E. nur ein bedingt aussagekräftiger Parameter für die Qualität von Forschung und Lehre. Viele Unis wirken in Organisation und Umgang mit Kunden immer noch recht antiquiert, der Ruf nach mehr Mitteln ist dann der intellektuell einfachste Reflex zur vermeintlichen Lösung aller Probleme. Wie viele / welche Lehrstühle brauchen wir wirklich für unser Selbstverständnis als Kulturnation und für eine solide, gute Ausbildung der Mehrheit der Studenten?
Die Erfahrung, während des Studiums Geld verdienen zu müssen, halte ich durchaus für sinnvoll, natürlich mag das in Einzelfällen schwierig sein wie das spätere Leben (eine Ausbildung Gymnasium - Studium Lehramt - Refendariat ist sicher nicht der beste Weg zur Lebenstüchtigkeit).
Andererseits....solange Subventionsmilliarden verprasst werden im Bergbau, der Landwirtschaft, im Aufbau OST und für die Unterstützung von IKB und div. Landesbanken.....solange muss mehr Cash dasein für die Ausbildung unseres Nachwuchses und unserer Zukunft.

>> "Sie [LMU München] belegt Platz 53! Fazit: wer Wert legt auf eine akademische Ausbildung, die den Namen verdient, der ist gut beraten, Deutschland zu verlassen!"
Das ist so nicht ganz richtig. Die Universitätsrankings beziehen sich vor allem auf die Qualität der Forschung (etwa Publikationen, Ruf bei int. Prof., Nobelpreise) und nur wenig auf die Lehre (Betreuungsrelation). Weil unsere Unis gerade in der Forschung miserabel abschneiden (viel zu wenig "Mittelbau", also Personen mit Doktor, aber ohne W3-Professur), sind wir entsprechend schlecht platziert.
Bei der Qualität des Studiums (worauf es für Studenten ankommt) können viele unserer Unis mit den besten weltweit durchaus mithalten (vielleicht auch, weil Studenten durch den recht rauen Wind selbstständiges Arbeiten lernen). Deutsche werden äußerst gerne in US/UK-Topuniversitäten als Doktoranden oder Postdocs angestellt, etwa am MIT, in Stanford oder in Cambridge und Oxford... Sprechen Sie doch mal mit Briten oder Amis, die werden die Qualität der deutschen Mitarbeiter hoch loben! Und auch deutsche Unternehmen schätzen die deutsche Uni-Bildung...
Dazu sagen muss man aber, dass unsere Unis leider doch recht elitär sind - studieren doch nur 25% der jungen Leute.

Wozu sollen die künftigen Theater- und sonstigen Kulturwissenschaftler vor ihrer Arbeitslosigkeit noch ein teures Studium finanziert bekommen?
Geisteswissenschaften bringen nunmal keinen Profit.
Sozialwissenschaftler, Soziologen nichts als Schwätzer.

Von den UNI-Rankings mal ganz abgesehen: Die Möglichkeiten zur Finanzierung des Studiums sind schlichtweg unfair. Entweder haben meine Eltern Geld, oder ich bin auf BaFöG angewiesen. BaFöG reicht vielleicht in Ilmenau zum Überleben aus, aber nicht in Stuttgart oder München. Bin ich kein BaFöG Empfänger und will nebenher arbeiten, muss ich mich genause krankenversichern und Abgaben bezahlen wie alle anderen auch. Kriege ich aber BaFöG, dann kann ich nebenbei arbeiten (bis zu 7000 oder mehr extra im Jahr), ohne, dass etwas passiert.
Junge Menschen werden in Deutschland zum Nichtstun aufgefordert indem Sie vom sozialen System dafür belohnt werden. Dass nur "bedürftige" Studenten Geld bekommen ist schlichtweg lächerlich. Diese DeFacto Bevorteilung von wohlhabenden Studenten (i.e. Eltern) führt meiner Meinung nach dazu, dass die Universitäten hierzulande versnobben und echte Talente wenig Chance haben, ihr Können zu zeigen. Die Eintrittsbarierren sind zu hoch.
Zum Glück reden und reden die Politiker immer weiter. Ich schliesse mich meinem Vorgänger an: alles was bleibt sind Studiengebühren und weniger Professoren. Das ist doch wirklich alles lächerlich und heuchlerisch.

Deutschland gilt weltweit als Heimat der klassischen Studien. Amerikanische Klassikstudenten müssen Deutsch als Pflichtfach belegen, denn die meisten wichtigen Forschungen, Nachschlagewerke und wissenschaftlichen Zeitschriften auf dem Gebiet der klassischen Studien werden nach wie vor in deutscher Sprache veröffentlicht. Wie ein Harvardprofessor mir unlängst versicherte: "Eine Uni ohne Medizin ist immer noch eine Uni, doch eine Uni ohne Klassik hört auf, eine Universität zu sein."
Ade, Eliteuniversitäten !

In vielen Punkten Ihrer Kritik treffen Sie sicherlich ins Schwarze. Die hohe Quote der Studienabbrecher ist zweifelsfrei ein großes Ärgernis, in manchen Fächern dürfte sie noch höher liegen.
Ebenso stimme ich zu, dass mehr statt weniger Lehrpersonal notwendig wäre, um unser Bildungsniveau signifikant zu verbessern. Das Verhältnis von Professoren je 100 Studenten muss erhöht werden.
ABER: Eine Verantwortung der Professoren gegenüber den Studenten ist ein äußerst schwieriges Thema, hier kann Ihre kurze Pauschal-Antwort nicht treffen. Wie soll das aussehen? Dozenten werden von Studenten beurteilt und daran gemessen bezahlt?! Dann gute Nacht!
P.S.: Zu Ihrem Nachtrag:
Rankings, insbesondere jene, die sich in einer einfachen Tabellen widerspiegeln, haben meiner Meinung nach nahezu überhaupt keine Aussagekraft.
In welchem Fachbereich liegt die LMU auf Platz 53? Wie kommt das Ranking zustande? Etc...
Ich persönlich wechselte während meines Studiums von einer (international) schlecht-gerankten deutschen Universität (deutschlandweit durchaus angesehen) an eine in allen einschlägigen Rankings Top-platzierte Uni im europäischen Ausland. Und, kurz gesagt, insbesondere die Qualität der Lehre war in Deutschland weitaus(!!!) höher.

Auslands- und NATO-Einsätze sind der politischen Führungselite in Deutschland wichtiger als anständige Bildung und Ausbildung.
Mit dieser Haltung überzeugt sie mehr als ihre vorgeheuchelte Ideologie.

In einigen Punkten Ihrer Kritik treffen Sie sicherlich ins Schwarze. Die hohe Quote der Studienabbrecher ist zweifelsfrei ein großes Ärgernis, in manchen Fächern dürfte sie noch höher liegen.
Ebenso stimme ich zu, dass mehr statt weniger Lehrpersonal notwendig wäre, um unser Bildungsniveau signifikant zu verbessern. Das Verhältnis von Professoren je 100 Studenten muss erhöht werden.
ABER: Eine Verantwortung der Professoren gegenüber den Studenten ist ein äußerst schwieriges Thema, hier kann Ihre kurze Pauschal-Antwort nicht treffen. Wie soll das aussehen? Dozenten werden von Studenten beurteilt und daran gemessen bezahlt?! Dann gute Nacht!
P.S.: Zu Ihrem Nachtrag:
Rankings, insbesondere jene, die sich in einer einfachen Tabellen widerspiegeln, haben meiner Meinung nach nahezu überhaupt keine Aussagekraft.
In welchem Fachbereich liegt die LMU auf Platz 53? Wie kommt das Ranking zustande? Etc...
Ich persönlich wechselte während meines Studiums von einer (international) schlecht-gerankten deutschen Universität (deutschlandweit durchaus angesehen) an eine in allen einschlägigen Rankings Top-platzierte Uni im europäischen Ausland. Und, kurz gesagt, insbesondere die Qualität der Lehre war in Deutschland weitaus(!!!) höher.

das bin ich.
Gezogen in die Niederlande, wo ich bei meinem Studium mit 25 Mit-Studenten in einem akzeptablen Raum von Lehrern aus aller Welt unterrichtet werde...
Welten Unterschied zwischen dem was ich hier erlebte und dem "Ërlebnis" hier

„Zuwächse bei den Professuren gibt es nur in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 5,6 Prozent mehr Professuren und in der Kunstwissenschaft mit 9,4 Prozent.“
Juristen: Die 143 Juristen im Bundestag helfen tagtäglich verfassungswidrige Gesetze zu verabschieden. Die nachfolgenden Verfahren können von den zuständigen Gerichten kaum in angemessener Zeit bearbeitet werden. Folglich sind mehr Juristen zwingend notwendig!
Wirtschaftswissenschaftler: Ein Land, das sich aus der Globalisierung verabschieden will (siehe Aktuell>Politik>Bund: Merkel schottet Deutschland ab), braucht mehr Wirtschaftswissenschaftler um unhaltbare Positionen lautstark zu vertreten!
Sozialwissenschaftler: Die brauchen wir besonders dringend. Wer sonst sollte die Argumente liefern, daß Arbeit mit Nettoeinkommen (nach Abzug der berufsbedingten Aufwendungen) auf HARTZ IV Niveau Spaß macht.
Ingenieure und Naturwissenschaftler produzieren China, Japan, Frankreich, England, USA sowieso!
Da setzen wir doch lieber unsere eigenen, „bedarfsgerechten“ Schwerpunkte.
P.S.: Eine Begründung für den Anstieg der Professuren in Kunstwissenschaften fällt mir beim besten Willen nicht ein.

Was der Beitrag hier skizziert, ist die schlichte Wahrheit, dass die geringer werden Qualität des Studiums von der immer schlechter werdenden Behandlung der Universitäten durch den Staat verursacht wird. Die Studenten haben in den letzte Jahren nichts und wieder nichts gegen die Studienbedingungen getan und protestieren nur, wenn es an ihr eigenes Geld geht. Den Schaden haben alle mitverursacht: allzu abnickfreudige Rektoren, politisch unorganiserte Professoren, geldorientierte Studenten und eine Politik, die glaubt, Qualität und Kostenersparnis einfach verordnen zu können.

Noch ein kleiner Hinweis zum Thema Realität und Verlust derselben: die beste deutsche Uni im internationalen Vergleich ist die Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie belegt Platz 53! Fazit: wer Wert legt auf eine akademische Ausbildung, die den Namen verdient, der ist gut beraten, Deutschland zu verlassen!

Es ist unfassbar, welchen Grad des (Selbst-)Betruges die deutsche Bildungspolitik inzwischen erreicht hat. Bei jeder Gelegenheit ist von "Reformen" die Rede, was übrig bleibt sind die Einführung von Studiengebühren und Stellenabbau bei den Hochschulen. Von "Exzellenz" und "Elite" wird geschwafelt, wo es nicht einmal für "normale" Universitäten reicht, die die Bezeichnung verdienten. 40% aller Studenten brechen ihr Studium ab, mindestens 60% müssen nebenher arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und dann wundern sich die Damen und Herren Politiker allen Ernstes über die im internationalen Vergleich viel zu niedrige Akademikerquote. Solange im Hochschulbereich die Veränderungen lediglich auf der einen Seite stattfindet, nämlich auf der der Studenten, nicht aber auf der der Dozenten, wird die Malaise so weitergehen. Bislang sind es ausschließlich die Studenten gewesen, die Nachteile entgegennehmen mussten, an eine Reform des öffentlichen Dienstrechts wurde und wird nicht gedacht. Die einzig sinnvolle Reform wäre hier, dieses Dienstrecht ersatzlos abzuschaffen, sodass die Dozenten nicht länger nur ihrem öffentlichen Dienstherren Rechenschaft schuldig sind (also gar nicht), sondern primär ihren Studenten! Es ist zum ...!