02. Oktober 2001 Der 3. Oktober 1990 gehört zu den Meilensteinen in der deutschen wie in der europäischen Geschichte. Nach über 40 Jahren der Teilung konnten die beiden deutschen Staaten in West und Ost offiziell ihre Wiedervereinigung feiern.
Auch elf Jahre nach der Vereinigung sind einige gesellschaftliche und politische Probleme noch immer ungelöst. Den Lebensstandard der östlichen Bevölkerung gegenüber dem Westen gleichzustellen, wird weiterhin zu den wichtigsten Herausforderungen der Wirtschaftspolitik gehören.
Ob die Annäherung zwischen West und Ost gelingt, wird auch in der Zukunft nicht zuletzt von den Menschen selbst abhängen, die diesen fortwährenden Prozess dynamisch und lebendig halten.
Suche nach Identität
Seit der Wiedervereinigung stehen Ost- und Westdeutsche gleichermaßen vor einem Problem. Es ist schwierig, eine gemeinsame deutsche Identität zu begründen. Das Buch Wirklich ein Volk? Die politischen Orientierungen von Ost- und Westdeutschen im Vergleich stellt die Frage, wie es zehn Jahre nach der Wiedervereinigung um das Wir-Gefühl der Deutschen bestellt ist.
Die drei Herausgeber stützen sich dabei auf umfassendes empirisches Material, das in repräsentativen Befragungen aus den Jahren 1994 und 1998 gewonnen wurde.
Bei den Untersuchungen steht die Frage im Vordergrund, ob sich mit dem Wandel des politischen Systems auch die politischen Einstellungen und Werte einander angenähert haben. Im Rahmen einer politischen Kulturforschung fragen sie, wie viel Übereinstimmung wachsen muss, um Deutschland als ein Gemeinwesen und die Deutschen als ein Volk begreifen zu können.
Besser als es aussieht
Auch ein gutes Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung herrschen in der Öffentlichkeit immer noch Ressentiments vor. In seinem Buch Der Preis der Einheit zieht Klaus Schroeder ein kritisches Fazit. Er stellt die These auf, dass sich das vereinigte Deutschland in einem besseren Zustand befinde, als die öffentliche Stimmung suggeriere.
Nach zehn Jahren hätten sich die materiellen Lebensbedingungen von Dreiviertel aller Deutschen einander angeglichen. Doch trotz dieser Diagnose beschönigt Schroeder die immer noch komplizierte Lage im vereinigten Deutschland nicht.
Sowohl theoretisch wie empirisch fundiert, analysiert Schoeder nicht nur den historischen Weg, der zur Teilung und zur späteren Vereinigung führte. Er beleuchtet auch die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Folgen, welche die Vereinigung bis heute begleiten. Wobei er sich auch nicht davor scheut, Defizite und Fehler des Vereinigungsprozesses aufzuzeigen.
Wie ein Krimi
Der Zusammenbruch des SED-Regimes ist vor allem dem engagierten Handeln der Bürgerbewegung in der DDR zu verdanken. In der Studie Vom Aufbruch zum Umbruch untersucht Karsten Timmer, wie die Bürgerrechtler im entscheidenden Jahr 1989 ihre historische Chance nutzten.
Timmer schafft es, minutiös bis ins Detail die vielschichtigen Entwicklungen dieser Zeit zusammen zu fassen. Trotzdem liest sich das Buch so spannend wie ein politischer Krimi.
Zugleich setzt Timmer den Bürgerbewegungen ein Denkmal. Sie mobilisierten vor dem Fall der Mauer das Volk zu friedlichen Demonstrationen. Danach kämpften sie an Runden Tischen um eine demokratische Ordnung. Ihr Traum von einem neuen gerechten Gemeinwesen blieb zwar nur Utopie. Der Weg zur Einheit wäre ohne sie jedoch nicht begehbar geworden.
Text: @eves
Bildmaterial: dpa, faz.net
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