30. Mai 2007 Die starke Abwanderung von Frauen in Ostdeutschland hat zu einem erheblichen Überschuss an Männern geführt. Das ergab sich aus einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die am Mittwoch vorgestellt worden ist. In der Studie mit dem Titel Not am Mann wird die Befürchtung geäußert, dass eine neue, männlich dominierte Unterschicht entstanden ist, die sich dauerhaft zu etablieren droht“. Zudem fehlten aufgrund der Frauenabwanderung in den neuen Bundesländern rund 100.000 Kinder.
Während vor allem gut ausgebildete Frauen zwischen 18 und 29 Jahren ihre Heimat verließen, würden viele junge Männer mit schlechter Ausbildung und ohne Job zurückbleiben. Besonders betroffen seien wirtschafts- und strukturschwache Regionen. Dort fehlten bis zu 25 Prozent der jungen Frauen. Diese Gebiete mit Männerüberschuss seien besonders anfällig für rechtsradikales Gedankengut – was wiederum dazu führte, dass sie noch unattraktiver für Frauen seien.
Bildungsunterschiede Hauptursache für Abwanderung
Das Frauendefizit in Ostdeutschland bezeichnet die Studie als einmalig in Europa. Der Anteil der Arbeitslosen unter jungen Männern liege über dem der Frauen, weshalb sich eigentlich vor allem Männer zum Fortzug entscheiden müssten. Das sei aber nicht der Fall. Zwar wanderten auch viele junge Männer aus den neuen Bundesländern ab. Allerdings sei ihre Rückkehrquote höher.
Männer werden häufiger von den Bedingungen in der Fremde enttäuscht, scheitern am Arbeitsplatz und finden schlechter sozialen Anschluss. Frauen dagegen machten tendenziell andere Erfahrungen. Als Hauptursache für die überproportionale Frauenabwanderung nennt die Studie Bildungsunterschiede der Geschlechter. Mädchen erzielten bessere, im Osten sogar deutlich bessere Schulabschlüsse als ihre männlichen Altersgenossen. Das sei nicht mit unterschiedlicher Begabung zu erklären, sondern durch eine erhebliche Benachteiligung junger Männer im Schulsystem der neuen Bundesländer.
Jungen fehlen die Ansprechpartner und Vorbilder
Einerseits ermutigen Eltern ihre Töchter tendenziell zu höherer Bildung als ihre Söhne. Andererseits führt gerade in den neuen Bundesländern ein extrem hoher Anteil weiblicher Grundschullehrer dazu, dass Jungen Ansprechpartner und Vorbilder fehlen und sie nicht adäquat motiviert werden. Mädchen bereiteten sich schon in der Schule auf eine mögliche Abwanderung vor, während sich die Jungen durch die Arbeitslosigkeit unter den überzähligen jungen Männern weiter entmutigen ließen.
Unterdessen meldete das Statistische Bundesamt am Mittwoch, dass im Jahr 2006 so viele Deutsche wie noch nie seit der Wiedervereinigung ins Ausland gezogen seien. 155.000 Deutsche seien im vergangenen Jahr ausgewandert, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. (Siehe auch: Bevölkerungswanderung 2006: Unbeliebtes Deutschland)
Text: phil. / F.A.Z.
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