26. Mai 2006 In mehreren Bundesländern hat die Polizei am Donnerstag und Freitag Verdächtige festgenommen, die an mutmaßlich fremdenfeindlichen Überfällen beteiligt gewesen sein sollen.
Einem anscheinend ausländerfeindlichen Angriff fielen Donnerstag abend in Weimar drei Menschen zum Opfer. Ein 46 Jahre alter Mann aus Moçambique wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht, wie die Polizei am Freitag in Jena mitteilte. Er soll Kopfverletzungen, Schürfwunden und Blutergüsse erlitten haben, Lebensgefahr bestehe aber nicht. Leicht verletzt wurden demnach ein 45 Jahre alter Landsmann des Schwerverletzten sowie ein ebenfalls 45 Jahre alter Kubaner.
14 Festnahmen in Berlin
Die Männer hatten laut den Angaben in einem Neubaugebiet im Weimarer Norden gefeiert und waren von acht Rechtsextremisten beschimpft, geschlagen und getreten worden. Die Verdächtigen im Alter zwischen 19 und 29 Jahren wurden festgenommen. Sie sollten am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Auf der Flucht vor der Polizei hatte sich ein Verdächtiger beide Sprunggelenke und ein weiterer ein Bein gebrochen. Nach Mitteilung der Polizei sind sieben der acht mutmaßlichen Angreifer bereits wegen Staatsschutzdelikten bekannt.
In Berlin verhaftete die Polizei insgesamt 14 Personen. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, schlugen Donnerstag nachmittag im Stadtteil Prenzlauer Berg vier mutmaßlich der rechten Szene angehörende Männer auf einen Türken ein und riefen ausländerfeindliche Parolen. Das 29 Jahre alte Opfer habe Prellungen erlitten, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt wurden.
Bei einem vermutlich ausländerfeindlichen Überfall in Wismar verletzten fünf Männer einen 36 Jahre alten Inder. Die Tatverdächtigen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren grölten während der Tat faschistische Parolen und sangen das Deutschlandlied, wie ein Oberstaatsanwalt am Freitag in Schwerin mitteilte. Der Überfall, bei dem das Opfer mit Schlägen und Tritten traktiert wurde, habe sich am Donnerstag auf einem Flohmarkt am Stadtrand ereignet. Die fünf Verdächtigen seien vorläufig festgenommen worden.
Fremdenfeindlichkeit ohne Fremde
Nach Ansicht des EKD-Vorsitzenden Bischof Wolfgang Huber stellt der Rechtsextremismus in Ostdeutschland ein besonders Problem dar. In den neuen Bundesländern gebe es Fremdenfeindlichkeit ohne Fremde. Die wenigen Menschen mit anderer Hautfarbe, die sich im Osten bewegen, sind dann tatsächlich besonders gefährdet, sagte der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der Berliner Zeitung.
Die Abwanderung aus Ostdeutschland verstärke das Problem, sagte Huber, der auch Bischof von Berlin-Brandenburg ist. Unter denen, die bleiben, ist ein hoher Anteil von Menschen, die sich von der Gesellschaft enttäuscht abwenden, weil sie schlechte Ausbildungs- und Berufschancen haben, so Huber. Das kann in eine Protesthaltung münden, aus der heraus Menschen dann ihre Zuflucht auch zum Rechtsextremismus nehmen. Zwar gebe es dieses Phänomen nicht nur im Osten, allerdings ist das Problem dort zugespitzt.
Text: FAZ.NET
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