Die SPD in Hessen gewann gerade einmal zehn von 55 Wahlkreisen direkt, verlor aber alle Direktmandate im Süden und hatte überdurchschnittliche Verluste in nahezu allen Großstädten. Ein Jahr nach ihrem größten Triumph in einer Landtagswahl seit langem ist sie nicht einmal mehr ein Schatten ihrer selbst. Von Daniel Deckers
Der neue Hessische Landtag, fertiggestellt im März 2008, ist ein Gesamtkunstwerk mit 110 Sesseln. Doch auf 118 Abgeordnete, die aus Überhang- und Ausgleichsmandaten folgen, ist er noch nicht eingerichtet. Von Helmut Schwan
Bei einem zügigen Verlauf der Koalitionsverhandlungen könnte der derzeit nur geschäftsführend regierende Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bereits in der konstituierenden Sitzung des Parlaments am 5. Februar zum Chef einer schwarz-gelben Landesregierung gewählt werden. CDU und FDP drücken aufs Tempo. Von Ralf Euler
Angela Merkel verordnet der CDU eine Nachdenkpause. Die CDU-Vorsitzende will das Thema Steuersenkungen für den Wahlkampf unterbinden. Doch so verliert man Stimmen an die FDP, fürchten Kritiker - doch die kanzelt Angela Merkel einfach ab. Von Wulf Schmiese, Berlin
Die FDP fühlt sich nach der Hessen-Wahl stark. So stark, dass sie gelobt, sie werde ihre Optionen im Bundesrat klug nutzen. Das klingt offensiv - vor allem gemessen daran, dass sie nicht über eine Blockadeposition verfügt. Die Kanzlerin warnt die Liberalen derweil vor überzogenen Forderungen. Von Günter Bannas
Roland Koch ist wiederhergestellt. Doch der Partei und ihrem Vorsitzenden stecken 18 Monate Dauerwahlkampf in den Knochen: 2008 war nichts anderes als ein ständiges Lauern, Manövrieren, Taktieren und Kontern. Wie soll es weitergehen? Von Majid Sattar
Tarek Al-Wazirs demonstrative Distanz zum Wunschkoalitionspartner hat sich gelohnt. Man merkt, dass dem Spitzenkandidaten der hessischen Grünen Politik Spaß macht; in Debatten gibt er sich nicht staatsmännisch, sondern lieber vorwitzig. Und Koch schätzt ihn als eigentlichen Oppositionsführer im Landtag. Von Günther Nonnenmacher
Nach dem Willen der bisherigen hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti soll Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel sowohl die Partei als auch die Landtagsfraktion führen. Was meinen Sie: Ist TSG der richtige Mann, um die Hessen-SPD aus dem Tal zu führen?
CDU und FDP wollen von Dienstag an über die Bildung einer neuen hessischen Landesregierung sprechen. Die FDP meldet schon erweiterte Ansprüche an Ämter an. Der Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn fordert mehrere Ministerposten. Namen nannte er, der das Amt des Justizministers anstrebt, aber nicht.
39 von 100 Wahlberechtigten sind am Sonntag in Hessen wählen gegangen. Für die schwarz-gelbe Mehrheit hat dies zur Folge, lediglich ein knappes Drittel der Wahlberechtigten hinter sich zu haben, wie das Statistische Landesamt ermittelt hat.
Die Hessen-Wahl im Fernsehen schafft klare Verhältnisse: Roland Koch bleibt. Anne Will stürzt uns zum Auftakt des Superwahljahrs trotzdem ins Chaos. Aber was ist mit Tom Buhrows Haaren los? Haben wir da etwas verpasst? Ein beunruhigender Fernsehabend. Von Michael Hanfeld
Nach der Wahl zum hessischen Landtag 2008 hatte in der Berliner SPD-Zentrale eine Stimmung wie im Fußballstadion geherrscht. Am Sonntag: Schweigen. Man suchte zu vermitteln, dass das Ergebnis in Hessen mit dem Bund nichts zu tun habe. Von Günter Bannas
Bildergalerie Die hessische CDU hat nur leicht auf 37,2 Prozent zugelegt. Der größte Gewinner ist die FDP: 16,2 Prozent. Schwarz-Gelb hat damit eine solide Mehrheit. Die SPD rutscht auf 23,7 Prozent - ein historisches Tief. Die Grünen erreichten 13,7 Prozent. Die Linkspartei bleibt mit 5,4 Prozent im Landtag.
Beinahe jeden Tag im Januar hat sich Guido Westerwelle nach Hessen aufgemacht und die Parteifreunde im Wahlkampf unterstützt. Nun feiert die FDP ihren Wahlsieg und ihr neues Gewicht in Berlin. Von Peter Carstens, Berlin