Im Gespräch: Silke Lautenschläger

„Hessen nicht das Land der Windenergie“

Hoffnungsträgerin der CDU: Silke Lautenschläger

Hoffnungsträgerin der CDU: Silke Lautenschläger

06. Februar 2009 Die Zielvorgaben sind hoch: Die 40 Jahre alte CDU-Politikerin Silke Lautenschläger soll Hessen zum Vorreiter bei der Nutzung erneuerbarer Energien machen und deren Anteil an der Energieerzeugung bis 2020 auf 20 Prozent steigern. Windkraftanlagen werden dabei allerdings eine untergeordnete Rolle spielen.

Nach fast acht Jahren an der Spitze des Sozialministeriums sind sie künftig Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Ich habe meine bisherige Arbeit mit viel Herzblut gemacht. Ich bin als jüngste Ministerin dort angetreten, und zum Schluss war ich die dienstälteste Sozialministerin. Es war eine schöne Zeit. Ich habe wichtige Reformen, auch von bundesweiter Bedeutung, initiieren und umsetzen können, und jetzt ist es an der Zeit, eine neue Herausforderung anzugehen. Ich übernehme ein Ressort, in dem ich noch Weichenstellungen vornehmen kann und das in der Zusammenstellung von Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit außerordentlich spannend ist. Ich denke, da werde ich in den nächsten Jahren sehr viel bewegen können.

Ihnen wäre also nicht jedes Ministerium recht gewesen?

Es sollte eins sein, das spannend ist – und das ist mit dem jetzigen, neuen Zuschnitt des Ministeriums ganz sicher so.

Ministerpräsident Roland Koch hat Ihnen anspruchsvolle Ziele vorgegeben: Hessen soll zum Musterland für erneuerbare Energien werden, und bis zum Jahr 2020 soll der Anteil regenerativer Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 20 Prozent steigen – derzeit sind es in Hessen gerade einmal vier Prozent.

Die Energiepolitik ist eines der ganz wichtigen Themen für die nächsten Jahre. Da ist noch viel zu bewegen, und ich möchte dazu beitragen, dass dieses Thema künftig mit der CDU verbunden wird. Einen Anfang haben wir ja bereits im vergangenen Jahr mit der Einberufung einer Nachhaltigkeitskonferenz gemacht.

Wohin weht der frische Wind, den Sie ins Ministerium Ihres Vorgängers Wilhelm Dietzel bringen wollen?

Geben Sie mir noch etwas Zeit, um diese Frage zu beantworten. Ich werde jetzt erst einmal mit allen Abteilungsleitern im Ministerium Gespräche führen und mir einen Überblick geben lassen. Das Thema Energie, das bisher zur Zuständigkeit des Wirtschaftsministers gehörte, ist komplett neu im Ministerium und wird sicher auch ein Schwerpunkt meiner Arbeit werden. Da müssen wir Profil zeigen. Aber ich werde auch die Landwirtschaft nicht vernachlässigen, schließlich habe ich da meine eigenen Wurzeln.

Hessen soll für andere Bundesländer zum Vorbild beim Einsatz erneuerbarer Energien werden?

Das Ziel gilt. Wir wollen erneuerbare Energien, aber auch Biomasse verstärkt nutzen – und wir wollen natürlich den Energieverbrauch reduzieren, Energie sparsamer und effizienter nutzen. Das ist ein weites Feld.

Was halten Sie eigentlich von Windrädern?

Dort, wo sie tatsächlich was bringen, kann man drüber reden: Aber wir werden damit nicht den Stromverbrauch in Hessen sichern können. Deswegen ist das nicht meine Priorität.

Den Begriff „Windkraftmonster“, den manche in Ihrer Partei im Munde führen, würden Sie nicht benutzen?

Man muss die Anlagen ja nicht in einen Geopark stellen, Offshore-Windkraftanlagen sind eindeutig sinnvoller. Hessen ist nicht das Land der Windenergie.

Am Energiemix halten Sie fest, also auch an der Nutzung von Atomkraft und Kohle zur Stromerzeugung?

Daran halte ich fest, denn nur so ist eine möglichst saubere, aber auch bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen.

Was heißt das für das Atomkraftwerk Biblis? Wird die Landesregierung in Berlin aktiv werden, um eine Laufzeitverlängerung zu erreichen?

Natürlich sind wir ganz klar an einer Laufzeitverlängerung interessiert und werden uns dafür einsetzen. Die Entscheidung fällt aber in Berlin.

Im Zusammenhang mit Ihrem Wechsel in das Zukunftsressort Umwelt und Energie und angesichts der Tatsache, dass Sie erst 40 Jahre alt sind, werden Sie derzeit oft als Hoffnungsträgerin der hessischen CDU bezeichnet. Sehen Sie sich selbst in dieser Rolle?

Ich nehme es als nettes Kompliment.

Die Fragen stellte Ralf Euler.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Daniel Pilar

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