FDP Hessen

Rekorde, Intrigen und Karriereträume

Von Ralf Euler

Im Gespräch als neuer FDP-Fraktionschef: Wolfgang Greilich aus Gießen

Im Gespräch als neuer FDP-Fraktionschef: Wolfgang Greilich aus Gießen

23. Januar 2009 Wohl dem, der vor solchen Problemen steht. Die FDP hat nach der Wahl vom Sonntag derzeit die Qual der Wahl - nämlich bei der Vergabe von Ministerposten und Staatssekretärsämtern. Auch wenn der Landesvorsitzende der Partei und Fraktionschef im Landtag, Jörg-Uwe Hahn, nicht müde wird, Demut in den eigenen Reihen anzumahnen, vor überzogenen Forderungen zu warnen und darauf hinzuweisen, dass das Fell des Bären erst verteilt werden könne, wenn er erlegt sei - sprich eine schwarz-gelbe Koalitionsvereinbarung vorliege - so lassen sich die Karriereträume vieler Liberaler nach sechs Jahren in der Opposition kaum noch zügeln.

Und dabei geht es längst nicht nur um höchste Ehren; schließlich eröffnen sich der Partei auch in niedrigeren Hierarchien ungeahnte Job-Perspektiven - von den Regierungspräsidien und anderen Landesbehörden bis hinunter zum Referentenposten in der Fraktionsgeschäftsstelle im Landtag.

Alte Rechnungen zu begleichen?

Das Rekordergebnis von 16,2 Prozent sorgt für Begehrlichkeiten, droht aber auch, so manchen Aufstiegsplan unter den Liberalen zu zerstören. Der ein oder andere, der sich beispielsweise schon als Staatssekretär im hessischen Umweltministerium gesehen hatte, muss möglicherweise zurückstehen, weil sich für die Partei ganz andere Möglichkeiten ergeben haben. Diskutiert wird bei den Liberalen schließlich nicht mehr über die Zahl der Staatssekretäre, sondern über die der Minister. Zwei oder drei, lautet die allseits gestellte Frage, und falls drei, was soll's denn neben Wirtschaft und Justiz - beide Ressorts gelten der FDP bereits als so gut wie sicher - bitte sein?

Das Kultusministerium und das Ministerium für Wissenschaft und Kunst kämen da in erster Linie in Frage, denn für beide Ressorts haben die Liberalen mit den Abgeordneten Dorothea Henzler aus dem Hochtaunus und der Frankfurterin Nicola Beer geeignete und ambitionierte Kandidaten.

Gegen Beer wird in der Landes-FDP derzeit allerdings heftig intrigiert. Die wissenschaftspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende sei „menschlich schwierig“ und habe in den eigenen Reihen keinen Rückhalt mehr, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Offenbar will der ein oder andere „Parteifreund“ da eine alte Rechnung begleichen oder sich für eigene Ambitionen eine bessere Ausgangsbasis verschaffen. Dabei hat Beer mit 14,6 Prozent der Erststimmen das beste Ergebnis aller Frankfurter FDP-Kandidaten erzielt, ist eines der rhetorischen Aushängeschilder im Landtag und gilt vielen außerhalb der Partei als liberale Hoffnungsträgerin.

39 Jahren zu den Jüngeren in der Fraktion

Die Gründe dafür, dass gerade jetzt das Feuer auf Beer – die mit 39 Jahren noch zu den Jüngeren in der Fraktion gehört – eröffnet wird, sind sicher vielschichtig. Die Tatsache beispielsweise, dass die Kritik an ihr ausschließlich von Männern kommt, ist sicher nicht allein darauf zurückzuführen, dass es in der 20 Mitglieder zählenden FDP-Fraktion nur zwei Frauen gibt – nämlich Beer und Henzlert. Manches deutet darauf hin, dass es dem ein oder anderen Macho-Platzhirsch schwerfällt zu akzeptieren, dass die weibliche Konkurrenz in diesem Fall klüger und talentierter ist. Fakt ist aber auch, dass Beers Chancen, ganz nach oben, sprich auf einen Ministersessel zu kommen, in den vergangenen Tagen nicht gerade gestiegen sind.

Die FDP-Fraktion im hessischen Landtag hat, so scheint es, tatsächlich ein Problem, allerdings ist das weniger die Frage, wer in einer schwarz-gelben Regierung welchen Posten übernimmt. Es scheint vielmehr, als stünde der Nachfolger des ins Justizministerium strebenden Fraktionschefs Jörg-Uwe Hahn - im Gespräch sind der parlamentarische Geschäftsführer Florian Rentsch und der Gießener Abgeordnete Wolfgang Greilich - vor der schwierigen Aufgabe, aus einem weithin zerstrittenen Haufen wieder eine schlagkräftige Truppe zu formen. Mit zwei oder drei Ministern allein ist auf die Dauer nämlich kein Staat zu machen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Felix Seuffert

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