F.A.Z.-Umfrage

Hessen sorgen sich um Bildung und Schule

Von Werner D’Inka

Börse, Straßenbau, Opel, Arbeitsplätze: Im hessischen Wahlkampf geht es um viele Themen. Aber die Schulpolitik schlägt alle

Börse, Straßenbau, Opel, Arbeitsplätze: Im hessischen Wahlkampf geht es um viele Themen. Aber die Schulpolitik schlägt alle

06. Dezember 2008 Finanzkrise hin oder her: Nichts beschäftigt die Hessen mehr als die Schulpolitik. Sechs Wochen vor der Landtagswahl nach dem derzeit drängendsten Problem gefragt, nennt jeder Dritte das Thema Bildung und Schule. Das entspricht im Übrigen in etwa dem Anteil der etwa 1,6 Millionen Mütter und Väter an der wahlberechtigten hessischen Gesamtbevölkerung, die gut 56.000 Lehrer eingerechnet.

Am zweitwichtigsten ist den Hessen die Neuwahl des Landtages am 18. Januar, darüber machen sich 29 Prozent wenn nicht Sorgen, so doch Gedanken. Dass es überhaupt zu Neuwahlen kommt, finden 85 Prozent der hessischen Wahlberechtigten gut, nur 13 Prozent lehnen sie ab. All das hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Rhein-Main) und für Hitradio FFH herausgefunden.

Klima- und Umweltschutz nicht das wichtigste Thema

Das wuchtige Thema Wirtschaft lässt die Hessen nicht gleichgültig, aber sie zerteilen es in handliche Stücke. 20 Prozent sorgen sich wegen der Arbeitslosigkeit, elf Prozent zerbrechen sich den Kopf, wie es mit der Wirtschaft insgesamt wohl weitergehe, und neun Prozent nennen die Banken- und Finanzkrise als das ärgste Problem.

Der Ausbau des Frankfurter Flughafens, im Rhein-Main-Gebiet ein Selbstgänger, beschäftigt landesweit nur sieben Prozent der Befragten und rangiert damit gleichauf mit dem allgemeinen Verdruss über Politik und Politiker. Außerdem machen sich die Hessen Gedanken über die Teuerung, über Verkehr und Straßenbau sowie über Klima- und Umweltschutz, allerdings werden diese Themen von allenfalls fünf Prozent der Befragten erwähnt.

Wie schon vor der Landtagswahl im Januar dieses Jahres trauen die Bürger beim Thema Schule der SPD mehr zu als der CDU-Landesregierung. 37 Prozent halten die SPD für die kompetenteste Kraft, wenn es um die Bildung geht, 21 Prozent sagen das über die CDU. Den Konzepten der FDP schließen sich acht Prozent, denen der Grünen sieben Prozent an. Acht Prozent finden, keine Partei tauge in der Bildungspolitik etwas.

Offenbar hat die konziliantere Art von Bildungsminister Jürgen Banzer (CDU), der nach der bleiernen Zeit seiner Vorgängerin Karin Wolff die Verhältnisse so sehr zum Tanzen brachte, dass Freund und Feind sich fragten, was bloße Bewegung ist und was Substanz, noch nicht viel Wasser auf die Mühlen der CDU gelenkt. Bei näherem Hinsehen überrascht allerdings auch die hohe Kompetenzzuschreibung zugunsten der SPD. In der wolkigen Höhe der Theorie finden viele Eltern die Vorstellung gemeinsamen Lernens in integrierten Schulen schick, in der Praxis platzen allerdings die Gymnasien vor lauter Anmeldungen aus allen Nähten. Wenn es um die eigenen Kinder geht, schwindet offenbar die Attraktion der von der SPD verfochtenen Einheitsschule.

Nicht zu schlagen ist die CDU, sobald es um Wirtschaft und Arbeitsplätze geht. 41 Prozent trauen ihr am ehesten eine Politik zu, die neue Beschäftigung schafft und sichert. 18 Prozent setzen hier auf die SPD und 6 Prozent auf die FDP. 16 Prozent finden, keine Partei bringe in Sachen Arbeitsmarkt viel zustande. Noch ausgeprägter ist der Kompetenzvorsprung der CDU in der Wirtschaftspolitik: 42 Prozent glauben, dass die Christdemokraten am ehesten die ökonomischen Probleme Hessens lösen können, nur 13 Prozent trauen das der SPD zu, fünf Prozent nennen die FDP. Von 23 Prozent wird ausdrücklich keine Partei genannt, und 14 Prozent sagen: „Weiß nicht.“

49 Prozent der Wähler noch unentschieden

So unterschiedlich wie die Politiker denken auch die Wähler über staatliche Finanzhilfe für den Opel-Konzern. Knapp die Hälfte (48 Prozent) meint, dass das Land Hessen Opel nicht mit Steuermitteln helfen sollte, falls die Lage des amerikanischen Mutterkonzerns noch schlimmer werde, 45 Prozent befürworten solche Hilfen. Die Anhänger der CDU und die der Linken zeigen sich in dieser Frage eher unentschieden, bei den SPD-Anhängern gibt es eine Mehrheit für die finanzielle Unterstützung, Wähler der FDP und der Grünen sind überwiegend dagegen.

Geht es schließlich um die besten Konzepte in der Familienpolitik, hat wiederum die SPD mit 33 Prozent die Nase vorn. Den Vorstellungen der CDU schließen sich 26 Prozent an. Für die FDP entscheiden sich 5 Prozent der Befragten, 10 Prozent finden die familienpolitischen Pläne der Grünen am sinnvollsten.

Insgesamt liegen CDU und FDP zusammen deutlich vor Rot-Grün. Die CDU erreicht 41 Prozent, die FDP kommt auf 12 Prozent. Die SPD ist mit 26 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1946 gefallen. 12 Prozent wollen die Grünen wählen. Die Partei „Die Linke“ liegt bei 5 Prozent. Matthias Jung, der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, weist allerdings darauf hin, dass 49 Prozent der Befragten noch nicht wissen, ob sie zur Wahl gehen und – wenn ja – wen sie wählen werden. Auf die Frage nach dem Wunsch-Ministerpräsidenten nennen 41 Prozent Amtsinhaber Roland Koch (CDU) und 34 Prozent den SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. Bei den Sympathiewerten liegen beide gleichauf, während die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti abgestürzt ist .

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche