13. Februar 2008 Man kann ziemlich klein anfangen, um irgendwann doch groß herauszukommen. Andrea Binning zum Beispiel ist heute, mit 32 Jahren, eine der profiliertesten Ski-Freeriderinnen der Welt. Sie fährt Hänge in Alaska, in Nepal, im Kaukasus, die vor ihr keine Frau gefahren ist und die vermutlich auch keine Frau je fahren wird. Angefangen hat sie ganz klein.
Vater Australier, Mutter Deutsche, ist sie in Melbourne aufgewachsen, ihre sportliche Leidenschaft war Segeln, im Winter ist die Familie hin und wieder drei Stunden mit dem Auto nach Norden gefahren, an einem kleinen Hügel hat Andrea die ersten Kurven auf Ski gedreht. Mount Bobo heißt der Hügel, und ihr würdet nicht glauben, wie flach er ist, sagt Andrea Binning.
Das war der Beginn eines endlosen Winters
Als sie 14 war, hatte sie ein Schlüsselerlebnis; ein Trainer lobte sie für ihr Bewegungstalent, empfahl ihr, Alpinrennen zu fahren. Mit 17, nach dem Highschool-Abschluss, überredete sie ihre Eltern, sie für ein Vierteljahr in die Vereinigten Staaten reisen zu lassen, das war der Beginn eines endlosen Winters. Auch in Amerika fuhr sie zunächst Alpinrennen, ehe sie mit der Freestyle-Szene in Berührung kam und den Stil wechselte. Freestyle war frisch, neu und aufregend, sagt sie.
Die Eltern schafften es noch einmal, sie nach Hause nach Melbourne zu locken, eine vernünftige Ausbildung sollte her, und mit 22 Jahren hatte die Tochter ihr Diplom als Sportwissenschaftlerin in der Tasche. Sie ging zurück in die Vereinigten Staaten, dann nach Europa, wo sie 1999 in Chamonix den norwegischen Freerider und Bergführer Stian Hagen kennenlernte. Mit ihm lebt sie seither in Chamonix, wenn sie nicht irgendwo dem Winter hinterher reist, und von ihm hat sie gelernt, sich auch in den gefährlichsten Wänden zurechtzufinden. Bis dahin hatte ich kein Gefühl für die Berge, sagt sie.
Sie bekam das Gespür für Schnee
Bis dahin hatte sie alle Gipfel für verschieden große Mount Bobos gehalten, doch nun lernte sie, worum es geht, wenn man Abfahrten von den höchsten Gipfeln überleben will. Sie bekam das Gespür für Schnee, das braucht, wer in Alaska oder in Nepal unberührte Steilhänge hinunterfahren will, 1500 Höhenmeter hinab.
Ein einziges Mal in ihrer Karriere war sie auf Glück angewiesen, um eine dieser Abfahrten zu überleben, es war in Kanada. Stian war vorausgefahren, sie war die Nächste, und als sie mitten im Hang war, donnerte von oben die Lawine heran und riss sie mit sich. Das Gefühl wird sie nie vergessen: Du hast so viel Angst, dass du sie nicht mehr spürst, du akzeptierst, was geschieht, und entspannst.
Du brauchst Erfahrung und Selbstvertrauen
Sie hatte Glück, die Freunde zogen sie aus der Lawine, zurück ins Leben. Kaum einer, der verschüttet wird und unverletzt überlebt, verlässt die Berge, auch Andrea Binning nicht. Sie ist in Chamonix noch immer die Erste, die morgens an der Seilbahn steht, wenn es nachts einen halben Meter geschneit hat. 2002 hat Andrea Binning in Alaska die World Extreme Games gewonnen, das war ihr Durchbruch.
Sie hat sich zur Big-Mountain-Fahrerin entwickelt, gehört seither zu jenen, die für Film- und Fotoaufnahmen von Helikoptern auf Gipfeln abgesetzt werden, welche zuvor kein Mensch betreten hat. Sie ist über 30 mittlerweile, für eine Extrem-Skifahrerin ein gutes Alter. Du brauchst Erfahrung und Selbstvertrauen, sagt sie, nicht nur eine gute Technik.
Dann fühlst du dich wie eine Fliege an der Wand
Wenn eine Filmcrew in Alaska mit dem Hubschrauber unterwegs ist auf der Suche nach einer spektakulären Abfahrt, dann macht Andrea Binning aus der Maschine heraus ein paar Polaroid-Fotos, versucht, sich mit ihrer Hilfe auf dem Flug zum Gipfel den Hang einzuprägen, aber oben sieht dann immer alles ganz anders aus.
Und wenn sie dann oben stehen, sie und zwei, drei andere Fahrer meist, und der Hubschrauber abdreht, dann fühlst du dich wie eine Fliege an der Wand. Du hast Angst, du konzentrierst dich, und dann fährst du los und ziehst deine Linie in den Schnee. Und dann löst sich die Spannung. 1000, 1500 Meter weiter unten warten die Freunde. Wir malen Bilder in die Berge, sagt Andrea Binning. Das Glücksgefühl, das eine solche Abfahrt hinterlasse, sei unvergleichlich.
Jeder kleine Spaziergang dauert bei ihr fünf Stunden
Dass ausgerechnet ein Mädchen aus Melbourne zu einer der besten Big-Mountain-Fahrerinnen der Welt werden konnte, erstaunt manche, Andrea Binning nicht. Sie habe einen starken Willen, sagt sie; wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt habe, dann erreiche sie es gewöhnlich auch. Ihre Freundin, die schwedische Extrem-Snowboarderin Eva Sandelgard, erzählt, dass das Hauptziel des Physiotherapeuten, der sich um Andrea Binnings Fitness kümmere, nicht sei, sie zu mehr und härterem Training zu bewegen, sondern zu weniger.
Wenn sie zu einem kleinen Spaziergang aufbreche, führe der mindestens fünf Stunden quer durch den Wald. Wenn sie auf dem Fahrrad-Ergometer trainiere, liefe auf dem davor plazierten Fernseher ein Spielfilm nach dem anderen. Ja, sagt Andrea Binning, ich trainiere viel und gern, denn wenn man körperlich fit ist, dann ist man auch geistig fit. Und dann kommt man auch auf den höchsten Bergen zurecht und nicht nur auf dem Mount Bobo.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.02.2008, Nr. 6 / Seite 22
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| Tops | in % | |
| Fresenius Vz | +3,04% | |
| ThyssenKrupp | +1,43% | |
| Henkel Vz | +1,04% |
| Flops | in % | |
| Infineon | −1,69% | |
| K+S | −1,93% | |
| Volkswagen Vz | −2,84% |
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21:48Das mit der Kontrolle an den Airports ist ueberhaupt eine
21:38Welch´ eine Anmaßung zu sagen, dass der Büger im konkreten Fall mehr Staat will!
21:24 21:12Schade, dass außer Leichenzählerei kaum Inhaltliches geboten wird...