27. Februar 2005 Verwaltungsapparate auf Trab zu bringen - David Andrews hat dies zu seiner Mission gemacht. Was das bedeutet, zeigt sich beim Wertpapierabwickler ETB GmbH, den die von Andrews gegründete Xchanging Ltd. im vergangenen Mai von der Deutschen Bank übernommen hat: Dort sitzen die Vorstandsmitglieder nun nicht länger in repräsentativen Büros im obersten Stock der ETB-Zentrale, sondern einer neben dem anderen in einem Großraumbüro im Parterre, gemeinsam mit Sekretärinnen und Assistenten. "Wir brauchen direkte Kommunikation, Offenheit, Mannschaftsgeist", erläutert Andrews. Um eine Verwaltungsmaschinerie umzukrempeln, müsse die gesamte Organisation diese Prinzipien leben.
Als Berater für Informationstechnologie hat Andrews vor Jahren sowohl am Aufbau des Xetra-Handelssystems der Deutschen Börse als auch des entsprechenden Londoner Sets-Systems mitgewirkt. 1999 gründete der Manager, der dem Aufsichtsrat der Deutschen Börse angehört, die Xchanging als Spezialunternehmen für die Reorganisation von Unternehmensbürokratien. Seither hat er bereits mehrere Großkonzerne für eine "unternehmerische Partnerschaft" gewonnen: Dabei lagern die Konzerne Verwaltungsprozesse an ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Xchanging aus. Der Vorteil: Diese Joint-ventures betreiben die Verwaltung fortan als ihr Kerngeschäft - und deshalb mit entsprechendem Nachdruck. Andrews setzt dabei auf "Six Sigma". Dieses vom amerikanischen Superkonzern General Electric eingesetzte Managementkonzept gibt den Mitarbeitern mit Hilfe statistischer Analysen handfeste Hinweise, wie sie ihre Arbeitsprozesse kontinuierlich verbessern können.
"Wir müssen weltweit die Besten in der Wertpapierabwicklung sein und uns auch dann noch immer weiter verbessern", hat Andrews der ETB als Marschroute vorgegeben. Anders lasse sich bei Verwaltungstätigkeiten der Wettbewerb mit Niedriglohnländern auf die Dauer nicht gewinnen. Das schärfe er den Mitarbeitern immer wieder ein, sagt der Mittfünfziger, dem ein gewisser missionarischer Eifer nicht fremd ist. Effizienzsteigerung muß dabei keineswegs auf Stellenabbau hinauslaufen, wenngleich Andrews die Auslagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer nicht prinzipiell ausschließt. Seit der Übernahme habe die ETB ihre Effizienz um rund 15 Prozent gesteigert, sagt Andrews. Entlassungen seien derzeit aber kein Thema. "Unser Ziel ist, die freigesetzten Kapazitäten zu nutzen, um zu wachsen", sagt Andrews.
Was steckt dahinter? "Verwaltungsprozesse laufen auf Großcomputern. Wenn diese durch zusätzliche Aufträge besser ausgelastet werden, sinken die Durchschnittskosten. Das wiederum stärkt die Position im Preiswettbewerb." Bislang ist es der Xchanging-ETB allerdings noch nicht gelungen, neben der Deutschen Bank einen weiteren Großkunden für ihre Abwicklungsplattform zu gewinnen. Einziger Neukunde ist die deutsche Citibank, die in der zweiten Jahreshälfte auf die ETB-Plattform "Euro Engine 2" umsteigen wird. Nächstes Etappenziel sei, sechs weitere Banken von der Größe der Citibank als Kunden zu gewinnen, sagt Andrews. Gleichzeitig wolle man mit neuen Diensten wachsen. Als Beispiel nennt er einen unlängst gestarteten Service, der Investmentfonds mit Preisdaten für die Berechnung der Anteilswerte beliefert.
Im laufenden Jahr soll der Umsatz des Wertpapierabwicklers auf rund 250 Millionen Euro deutlich zunehmen. Dazu wirbt die Xchanging-ETB auch im benachbarten Ausland um Kunden, insbesondere in Italien, Frankreich und der Schweiz. Im vergangenen Jahr habe man rund 7 Millionen Euro verdient. 2005 wolle man eine Umsatzmarge von 10 Prozent erreichen, mittelfristig 15 Prozent. In den nächsten drei bis fünf Jahren strebe man an, mit einem der großen Wettbewerber hierzulande zusammenzugehen, um den Marktanteil von jetzt rund 14 Prozent (einschließlich Citibank) auf dann 30 bis 35 Prozent zu steigern.
Neben der Wertpapierabwicklung will Xchanging in Deutschland auch Dienste im Beschaffungswesen sowie in der Verwaltung von Versicherungen anbieten. Im Ausland tut der Konzern dies bereits. 2003 hat er mit 3000 Mitarbeitern in zehn Ländern gut 200 Millionen Euro umgesetzt. In Deutschland sieht Andrews noch viel Potential für seine unternehmerischen Partnerschaften. "Wir gehen hier nicht mehr weg", sagt er halb scherzhaft drohend, halb im Ernst. Einige der britischen Xchanging-Manager belegen das auf besondere Art: Im gläsernen Konferenzraum, gleich neben ihrem Großraumbüro, büffeln sie fleißig Deutsch. (bf.)
Text: F.A.Z., 28.02.2005, Nr. 49 / Seite 16
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