11. März 2004 An der Wall Street hat vor dem Hintergrund gestiegener Börsenkurse der Kampf um die besten Köpfe im Investmentbanking begonnen. Investmenthäuser werben sich gegenseitig wieder ganze Teams hochqualifizierter Banker ab. Damit scheint eine Trendwende einzusetzen, die an die Hausse der neunziger Jahre erinnert, als die Nachfrage besonders nach auf Technologieunternehmen spezialisierten Bankern hoch war.
Um am Boom der Technologieaktien teilzuhaben, wurden damals die Gehälter hochgetrieben und garantierte Boni in Millionenhöhe gezahlt. In der folgenden jahrelangen Dürrephase haben die Banken ihr Personal stark reduziert. Nach dieser Flaute beginnt sich das lukrative Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie mit Börsengängen nun aber wieder zu erholen.
Ende des vergangenen Monats hat die Deutsche Bank in den Vereinigten Staaten gleich neun Investmentbanker vom Rivalen Credit Suisse First Boston (CSFB) abgeworben. Ursprünglich sollten es sogar zehn werden, aber einen Mitarbeiter konnte CSFB zurückwerben, obwohl die Deutsche Bank 3 Millionen Dollar für einen zweijährigen Vertrag geboten haben soll. Ebenfalls Mitte Februar verließ ein neun Personen starkes auf Finanzdienstleister spezialisiertes Team das kleinere amerikanische Investmenthaus Fox-Pitt, Kelton, um beim Rivalen Houlihan Lokey Howard & Zukin anzuheuern.
Anhaltender Trend
In Europa hat der weltgrößte Finanzdienstleister Citigroup ein sechsköpfiges auf Versorger spezialisiertes Banker-Team an das kleine britische Investmenthaus Lexicon Partners verloren. Andere Banken stocken ihr Personal ebenfalls auf, auch wenn es sich nicht um Massenanstellungen handelt. Die auf Technologie spezialisierten Thomas Weisel Partners aus San Francisco haben im Februar mehrere Investmentbanker angeheuert. Die britische Großbank HSBC Holdings hat einen hochrangigen Banker von der Investmentbank Goldman Sachs abgeworben und will ihr Investmentbanking weiter ausbauen.
Der Trend dürfte fortdauern. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat die Deutsche Bank bereits bei anderen Konkurrenten versucht, auf M&A spezialisierte Banker abzuwerben. Die Zeitpunkt scheint günstig, weil die übriggebliebenen Banker gerade ihren Bonus bekommen haben und in dieser Zeit des Jahres in der Regel über ihre weiteren Karriereaussichten nachdenken. Banken, die im Investmentbanking mithalten wollen, stehen unter Zugzwang.
Die Kürzungen während der Flaute waren so stark, daß die Zahl erfahrener Banker sehr klein wurde. "Die Leute, die 2002 und 2003 erfolgreich an zwei oder drei großen abgeschlossenen Transaktionen gearbeitet haben, sind relativ dünn gesät", sagt Aidan Kennedy, Partner bei der Personalvermittlung Armstrong International.
Besonders kleinere Investmenthäuser bereiten sich auf einen erwarteten zweiten Boom in der Technologie- und Telekommunikationsbranche vor. Auf dem Höhepunkt der Hausse waren mehrere kleinere Adressen, die den Bereich mittelgroßer Technologieunternehmen dominiert hatten, von größeren Geschäftsbanken übernommen worden. Dazu gehörten etwa die kalifornischen Häuser Montgomery Securities und Robertson Stephens. Die Baisse führte neben Entlassungen dann zur Änderung des geschäftlichen Schwerpunktes oder im Fall von Robertson Stephens zur völligen Schließung.
Aggressive Personalpolitik
Das schafft neue Geschäftsmöglichkeiten für Firmen wie die 2001 gegründete Think Equity Partners oder die im vergangenen Jahr entstandene Perseus Group, die beide von ehemaligen Bankern der anderen Firmen ins Leben gerufen wurden. Think Equity und Perseus stocken aggressiv ihr Personal auf. Die 1998 gegründete Investmentbank W. R. Hambrecht hat jüngst 15 hochrangige Technologie-Banker von der Soundview Technology Group übernommen. Die auf Aktienanalyse spezialisierte Soundview hatte sich kurz vor ihrem Verkauf an den Online-Broker Charles Schwab vom Investmentbanking getrennt. Schließlich hatte die Investmentbank Jefferies Group im Dezember den auf Technologie spezialisierten M&A-Spezialisten Broadview International und dessen 75 Banker übernommen.
Die jüngste Abwerbung der Technologiebanker von CSFB durch die Deutsche Bank war im übrigen eine Retourkutsche. Die Banker gehörten zum Team des gefallenen Investmentbankingstars Frank Quattrone, der 1998 von der Deutschen Bank zu CSFB gewechselt war und im vergangenen Jahr von seinem Arbeitgeber geschaßt wurde. Gegen Quattrone beginnt im April zum zweiten Mal ein Prozeß wegen Justizbehinderung in Zusammenhang mit fragwürdigen Geschäftspraktiken bei Börsengängen. Ein erster Prozeß war im vergangenen Jahr abgebrochen worden, weil sich die Jury nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen konnte. (nks.)
Text: nks. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2004, Nr. 61 / Seite 23
Die Preise für Nahrungsmittel und Energie steigen weiter
G-8-Staaten wollen Getreidetreserven anlegen
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.272,21 | -1,28 |
| TecDax | 734,26 | -0,60 |
| DowJones | 11.288,54 | +0,65 |
| Nasdaq | 2.245,38 | -0,27 |
| STOXX 50 | 3.275,20 | -1,67 |
| Nikkei 225 | 13.237,89 | -0,21 |
| S&P 500 Zert. | 12,61 | +0,08 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,03 |
| Bund Future | 111,54 | +0,36 |
| Gold | 932,30 | +0,03 |
| Öl | 145,16 | +0,10 |
