14. Juni 2004 Der Streit über die künftigen Bilanzierungsvorschriften für Absicherungsgeschäfte der Banken spitzt sich zu. Im EU-Rechnungslegungsausschuß (ARC) sprachen sich am Montag Frankreich, Italien, Spanien und Belgien vehement gegen den Standard IAS 39 aus, den der Standardsetzer International Accounting Standard Board (IASB) vorbereitet hat. Die vier Länder befürchten, daß ihre Banken durch die neuen Regeln zu stark eingeengt werden. Sie verfügen über eine Sperrminderheit, an der die Europäische Kommission politisch nicht vorbeikommt. Die Kommission muß nach der Stellungnahme der EU-Regierungen entscheiden, ob sie die IASB-Empfehlung in das EU-Recht übernimmt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse sei sehr wahrscheinlich, daß der Standard noch einmal überarbeitet werden müsse, hieß es. In der vorliegenden Form wird IAS 39 bisher nur von fünfzehn Mitgliedstaaten befürwortet. Die übrigen EU-Länder, darunter auch Deutschland, wollten noch keine klare Position beziehen. Die Kommission hat ihnen bis Ende Juni Zeit für Stellungnahmen gegeben. IAS 39 ist ein zentrales Element der neuen Bilanzierungsregeln (International Financial Reporting Standards - IFRS), die in der EU vom kommenden Jahr an für alle börsennotierten Gesellschaften gelten sollen. Ein Sprecher der Kommission sagte, daß die Zeit dränge. Die Institute benötigten eine längere Vorlaufphase, so daß man die Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben könne. (bü.)
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2004, Nr. 136 / Seite 16
