18. Mai 2008 Von einer ungewöhnlichen Nachfrage nach kleinen Wohnungen hat Rudolf Ridinger, der Vorstandssprecher des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW), anlässlich der Vorlage des jüngsten Konjunkturberichts des Verbandes gesprochen. Gleichzeitig sind die Mietschulden in den 200 Unternehmen des Verbandes im vergangenen Jahr um 7 Prozent gestiegen.
Die Einkommensverluste des Mittelstandes schlagen sich nun verstärkt auch im Wohnungsmarkt nieder, sagte Ridinger. Rund 90 Prozent der Wohnungsunternehmen haben von einem spürbaren Anstieg der Nachfrage nach Ein- und Zweizimmerwohnungen berichtet.
Soziale Dramatik auf den Wohnungsmärkten
Doch werden preisgünstige Wohnungen knapp. Ridinger sprach von einer sozialen Dramatik auf den Wohnungsmärkten. Die Tendenz zu kleineren Wohnungen sei völlig neu und ein Reflex auf die gesellschaftliche Entwicklung mit einem Ausdünnen des Mittelstandes. Zugleich werde erheblich weniger gebaut. Der Wohnungsbau sei regelrecht zusammengebrochen.
Bei den Mitgliedsunternehmen des Verbandes sei der Bestand an preisgebundenen Wohnungen auf 31 Prozent abgeschmolzen. Eine Renaissance des sozialen Wohnungsbaus aber lehnt die Wohnungswirtschaft als Irrweg ab: Sie sei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, weil sie zur sozialen Segregation mit einer Konzentration auf unterste Einkommensschichten beitrage.
Furcht vor Wohngettos
Das sei untragbar für die Sozialpolitik, für die Städte und die Wohnungswirtschaft. Man müsse die Wohnquartiere vor der Gettoisierung bewahren und sozial durchmischen. Ridinger sprach von modernen Wohnraumversorgungskonzepten; die Wohnungsunternehmen müssten Wohnungen zur Miete und zum Eigentumserwerb in unterschiedlichen Preissegmenten anbieten und Fördermittel zielgenau einsetzen.
Doch spiele der Neubau kaum noch eine Rolle; drei von vier Euro der im Wohnungsbau getätigten Investitionen fließen in bestehende Quartiere. Das Investitionsvolumen der Mitgliedsunternehmen sei um 3,4 Prozent gestiegen, mehr sei nicht drin. Die kräftigen Baupreissteigerungen von 6,5 Prozent im vergangenen Jahr bedeuteten tatsächlich einen faktischen Rückgang der Bautätigkeit. Zugleich sind die Kaltmieten 2007 nur um 1 Prozent gestiegen, während die Teuerungsrate bei 2 Prozent lag - also auch hier ein realer Rückgang.
Hohe Aufwendungen für energetische Sanierung
Die Wohnungsunternehmen hätten seit den neunziger Jahren rund ein Drittel ihres Wohnungsbestandes energetisch saniert - in Ostdeutschland liege dieser Anteil sogar bei 50 bis 60 Prozent. Auch hier sei nicht mehr drin. Die Politiker würden bei ihren Klimaschutzplänen traumhaften Wunschvorstellungen nachgehen, ohne zu fragen, wer das bezahlen soll.
Der Sanierungsaufwand pro Wohnung liege bei 15.000 bis 20.000 Euro, würde also über die 11 Prozent Modernisierungspauschale eine Mieterhöhung im Monat von durchschnittlich 150 Euro ausmachen. Der Plan der Bundesregierung, den Mietern eine Kürzung der Heizkosten zu erlauben, wenn die Heizkosten zu hoch liegen, bezeichnete Ridinger als völlig absurd und verfassungsrechtlich unhaltbar.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Kai Nedden
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