Wohntürme

Anderswo begehrt, in Deutschland ungeliebt

In Hongkong sind hohe Wohntürme gelitten: “The Arch“, der Bogen, ist eine Luxuswohnanlage mit 80 Etagen

In Hongkong sind hohe Wohntürme gelitten: "The Arch", der Bogen, ist eine Luxuswohnanlage mit 80 Etagen

19. Juni 2008 Hochhäuser hat es zu allen Zeiten gegeben - vom Turmbau zu Babel bis zu den Vorzeigetürmen der wohlhabenden Familien von San Gimignano in der Toskana. Ihre Anziehungskraft scheinen sie auch heute nicht verloren zu haben.

Den Terroranschlägen von New York zum Trotz sind heute Hunderte von Hochhäusern im Bau - und darunter zahlreiche Wohntürme. Von Schanghai über Dubai bis New York gelten sie als Premiumsegment für die „upper class“. Es gibt dort ein regelrechtes Hochhausfieber. Das sagt Thomas Beyerle, Researchspezialist der zum Aberdeen-Konzern gehörende Degi-Gruppe in Frankfurt.

Symbole industrieller vorgefertigter Architektur

Nur in Deutschland stehe es anders um das Wohnen in Türmen. Sie werden seit der Welle der Wohnhochbauten in den sechziger und siebziger Jahren nicht als Synonym für Wohlstand, aufstrebende Metropolen und „the American way of life“ angesehen, sondern gelten als Symbol für den industriell vorgefertigten Bau von Großsiedlungen und Betonburgen wie Köln-Chorweiler, mit Assoziationen wie Verelendung, Anonymität, Kriminalität - ähnlich wie die Banlieues in Paris.

Aus Sicht nachhaltig engagierter Investoren ist der Wohnturm freilich eine der wenigen Möglichkeiten, Städte urbaner zu gestalten, sagt Beyerle und weist darauf hin, das einhundert Reihenhäuser im Umland eben sehr viel mehr Grundfläche benötigen als die Eroberung der Höhe in zentraler Lage. Wenn alle zurückwollen, werde es eng in der Stadt.

Es ist nicht nur die Fläche, die besser genutzt werden kann, wenn es in die Höhe geht. Auch mit Blick auf Kapital-, Instandhaltungskosten, aber auch Energieeffizienz und Umweltschonung zeige der Wohnturm weitaus günstigere Perspektiven. Zahlreiche Objekte in anderen Ländern zeigten, dass Wohntürme attraktiv und imageträchtig sein können, mit Spitzenpreisen und Mieten.

Avantgardistische Leichtigkeit statt Betonburg

Mit den Türmen verbinde sich zugleich der Begriff des Penthouses in avantgardistischer Leichtigkeit. Beyerle: „Das hat mit dem Stil der sechziger und siebziger Jahre nichts mehr zu tun.“ Er berichtet von einem vorsichtigen Vortasten durch „Townhouses“ und „Boardinghäuser“ mit hotelähnlichem Service - vor allem an begehrten Wasserlagen.

In Frankfurt werden gleich vier Wohntürme mit Höhen von annähernd 60 Metern geplant und einem Quantensprung bei den Preisen, die mit ungefähr 10.000 Euro je Quadratmeter im innereuropäischen Vergleich noch relativ niedrig ausfallen. Allerdings weist Beyerle darauf hin, dass wegen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ein hochverdichtetes Wohnen - im Gegensatz zu internationalen Metropolen wie Tokio, London, New York oder Hongkong - nicht zwangsläufig erforderlich sei.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance / dps, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb, REUTERS

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