Dubai

Albträume in Morgenland

Die Finanzkrise und der Sturzflug des Ölpreises treffen den Bauboom im Emirat Dubai

Von Jens Friedemann

Mit orientalisch anmutenden Kitschbauten in die Moderne: Die Krise ist in Dubai angekommen

Mit orientalisch anmutenden Kitschbauten in die Moderne: Die Krise ist in Dubai angekommen

21. November 2008 Die Zeiten, in denen Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten trotz der Kapriolen an den internationalen Börsen als Fels in der Brandung galt, sind gezählt. Immer mehr Investoren ziehen ihr Kapital ab, Bankenkonzerne verschärfen die Kreditvergabe, und ehrgeizige Bauvorhaben werden aufgeschoben oder gestrichen (Aktienmärkte am Golf taumeln).

„Die Krise ist voll und ganz in Dubai angekommen. So stürzte das Kursniveau der Börsen im Dubai Financial Market um 64 Prozent in die Tiefe. Investoren sind sehr vorsichtig geworden“, sagte Werner Albeseder, geschäftsführender Gesellschafter des Kommunikations- und Finanzberaters Prime Consulting in einem Gespräch mit „Pressetext“.

Branchenkenner gehen wegen des wirtschaftlichen Abschwungs und der weltumfassenden Rezessionsgefahr mittlerweile davon aus, dass sich das Wachstum auf der Arabischen Halbinsel um bis zu drei Prozentpunkte verlangsamen könnte. Doch nicht nur bei der staatlich kontrollierten „Investment Dubai Corporation“ blinken die Warnleuchten. Auch die Regierung unter Scheich Mohammed ist alarmiert und hat eine Task Force einberufen, die die Auswirkungen der Finanzkrise untersuchen soll.

Die Regierung beschwichtigt

Der Absturz des Ölpreises kommt der Regierung des kleinen Emirats angesicht der umfangreichen staatlich beeinflussten Investitionsvorhaben und der Krise auch bei den lokalen Banken ausgesprochen ungelegen (Ölpreis erreicht zyklisches Tief). Zwar versuchen Regierungsmitglieder zu beschwichtigen; sie weisen darauf hin, dass wichtige Bauvorhaben wie geplant umgesetzt und weniger relevante Projekte entweder gestrichen oder verschoben werden. Doch angesichts der prekären Entwicklung auf den Finanz- und Absatzmärkten machen sich Bedenken breit.

Finanzdienstleister und vor allem Immobilienentwickler leiden massiv unter Liquiditätsnöten, da die Bankenkrise die Vergabe oder Verlängerung von Investitionskrediten erschwert, verteuert oder gar unmöglich macht. Darlehen für die Finanzierung von Bauvorhaben haben sich drastisch verteuert: So kletterte die dreimonatige Interbankenrate in den Arabischen Emiraten von 1,9 Prozent Ende Juni auf jetzt über 4,6 Prozent.

Banken werden restriktiver

Die Vergabepraxis der Banken bei Krediten wird zunehmend restriktiver. So lag die Eigenkapital-Quote bei Hypotheken-Darlehen in den vergangenen Jahren bei allenfalls 5 bis 10 Prozent. Heute werden vielfach 40 Prozent verlangt. Unterdessen werden selbst staatliche Großprojekte stärker durchleuchtet.

Neben der Kreditklemme der Banken macht den Bauträgern und Projektentwicklern vor allem zu schaffen, dass die Finanzkrise die Ansiedlung von Unternehmen in den Emiraten bremst, so dass ein erheblicher Rückgang der Nachfrage nach Büro- und Wohnraum befürchtet wird. Wegen der erheblichen Verunsicherung am Markt verfallen die börsennotierten Investoren in Paralyse, heißt es.

Die Immobilienpreise fallen

Die Abkühlung zeige sich vor allem an den fallenden Immobilienpreisen. Nach Analysen der britischen Bank HSBC, fielen sie in der Region Dubai allein von September auf Oktober dieses Jahres um 4 Prozent. Damit scheint laut den Fachleuten das Ende des seit 2003 bestehenden Bau-Booms am Golf eingeläutet.

Für die Flaute verantwortlich sei vorrangig die Liquiditätskrise der Banken. So schätzt die Zentralbank Abu Dhabi, dass ausländische Investoren wegen der Finanzkrise 40 bis 50 Milliarden Dollar abgezogen haben. Da das umgeleitete Kapital in Dollar-Vermögen umgeschichtet sowie zur Kompensation von Börsenverlusten in New York und London verwendet wurde, weitet sich das Kapitalloch bei den meisten Golf-Instituten erheblich aus. In den Emiraten wird bereits von einem umfangreichen Personalabbau gesprochen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Die perfekte Wohnung oder das ideale Haus zum Kaufen oder Mieten: Jetzt über 960.000 Angebote bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche