Von Christiane Harriehausen
14. Januar 2009 Ein herausforderndes Jahr hat begonnen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten 2009 eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit. Das ruft alle am Wirtschaftsleben beteiligten Akteure auf den Plan und fordert auch von Wirtschaftsförderern und Stadtentwicklungsplanern besonderen Einsatz. Die Clusterpolitik dürfte dabei eine wichtige Stellschraube sein. Sie stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen und Städten und damit deren Wirtschaftskraft. Eine Analyse des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zum Thema Cluster in der kommunalen und regionalen Wirtschaftspolitik kommt gerade zur rechten Zeit.
Ziel der Publikation ist es, einen Überblick über die Clusterpolitik in Deutschland zu geben und hierfür auch Praktiker zu Wort kommen zu lassen. Fachleute zeigen auf, wo Potential für Verbesserungen vorhanden ist und wie sich eine erfolgreiche Clusterpolitik positiv auf die Städte und Regionen auswirkt. Befragt wurden Wirtschaftsförderer in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern, berichtet der Herausgeber des Bandes, Holger Floeting.
Initiativen gibt es viele

Vorbild Silicon Valley: Die Vernetzung der IT-Industrie rund um die kalifornische Stadt San Jose gilt als mustergültig
Danach verfügen rund 63 Prozent der befragten Städte über eine umfassende Strategie zur Entwicklung von Clustern, Netzwerken, Technologie- und Kompetenzfeldern. Der Wissenschaftler am Difu hat bei der Auswertung verschiedene Zielbündel von Clusterinitiativen festgestellt, darunter die Vernetzung von Unternehmen mit wissenschaftlichen und anderen Einrichtungen, die Bindung von Bestandsunternehmen an den Standort und die Ansiedlung neuer Unternehmen. Das hilft, Arbeitsplätze zu sichern oder zu schaffen. Ziel von Clusterinitiativen sei es aber auch, den Standort als regionale Marke zu positionieren und damit wettbewerbsfähiger zu machen.
Der Erfolg hängt in hohem Maße von den handelnden Personen ab. In einem Cluster sollten Unternehmen und Menschen zusammenkommen, die bereits gut vernetzt sind, weil sie Wissen und Erfahrungen aus diesen Netzwerken einbringen, erläutert Floeting.
Allerdings sollten die Teilnehmer auch Zeit und Interesse haben, sich in einer Clusterinitiative aktiv einzubringen. Das funktioniert in der Regel dann, wenn die Beteiligten für ihr Engagement einen Mehrwert bekommen, zum Beispiel durch den Zugang zu anderen Akteuren oder wenn sie bestimmte Informationen vor anderen Unternehmen erhalten.
Cluster sind dynamisch
Wichtig ist auch das Verständnis dafür, dass Cluster dynamische Gebilde sind, die auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Das wird immer wieder übersehen, und dadurch können verkrustete Strukturen entstehen, die für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region nichts mehr leisten, sagt Floeting. Diese Problematik sollten die Verantwortlichen vor Augen haben, wenn sie heute Cluster initiieren.
Cluster setzen häufig bei neuen Technologien an, und gerade technologische Entwicklungen sind geprägt von Sprüngen. Solche Sprünge muss man mit einbeziehen können und auch neue Schnittfelder zwischen bestehenden Technologien definieren. Ein Beispiel hierfür seien die Nano- und die Biotechnologie, die zusammenwachsen.
Man sollte außerdem kritischer mit den Ergebnissen der Clusterinitiativen umgehen, mahnt Floeting. Sie sind nicht für die Ewigkeit gedacht. Daher ist es sinnvoll, den Entwicklungsstand regelmäßig zu evaluieren, damit sich die Stadt oder Region auf die erfolgreichen Cluster konzentrieren kann, meint Floeting. Auch im Hinblick auf die Professionalisierung des Cluster-Managements gebe es noch Handlungsbedarf.
Hilfreich könne die Unterstützung durch externe Berater sein, die schon aus Kostengründen jedoch nur für einen begrenzten Zeitraum hinzugezogen werden sollten. Wenn ein Cluster weiterentwickelt wird, können neutrale Akteure Vertrauen zwischen den Beteiligten schaffen und den Prozess dadurch oft besser voranbringen, sagt Floeting. Allerdings hätten auch Berater kein Patentrezept.
Clusterinitiativen sind gut verbreitet
Insgesamt haben Clusterinitiativen in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen und sind in Deutschland gut verbreitet. Sie werden in der Regel von der öffentlichen Hand angestoßen und in der Aufbauphase durch Fördermittel unterstützt. Doch leider gibt man den Clusterinitiativen oft nicht genug Zeit, sich zu entwickeln. Die ersten zwölf Monate vergehen allein damit, eine gemeinsame Sprache zu finden und konkrete Ziele zu formulieren, die über die eigenen Unternehmensziele hinausgehen, schildert Floeting die Situation. Als sinnvoll habe sich daher eine degressive Förderung erwiesen, die schrittweise durch eigene Einnahmen ersetzt wird.
Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet nicht zuletzt ein professionelles Cluster-Management, das kaufmännisches und technisches Fachwissen vereint. Bisher liegt das Management jedoch oft nur bei einer Person, die entweder auf dem einen oder auf dem anderen Gebiet über die notwendigen Kenntnisse verfügt.
Auch bei der Zusammenarbeit über Stadt- und Ländergrenzen hinweg gebe es noch Verbesserungspotential. Die Kooperation in internationalen Netzwerken ist für die Cluster von großer Bedeutung, weil sie ja oft sehr spezialisierte Themenfelder bearbeiten und keine Ansprechpartner in der eigenen Region finden. Daher sind internationale Kontakte so wichtig, gibt Floeting zu bedenken.
Ein Begriff mit vielen Deutungen
Der Clusterbegriff hat in den vergangenen Jahren viele Deutungen und Weiterentwicklungen erfahren. Er wurde zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von dem amerikanischen Ökonomen Michael E. Porter geprägt - allerdings nicht in so engen räumlichen Grenzen, in denen er heute oft Anwendung findet. Unter einem Cluster (englisch für Bündel, Haufen) wird die räumliche Konzentration von Unternehmen einer bestimmten Branche, Zulieferern, Dienstleistern, Forschungseinrichtungen und unterstützenden Institutionen verstanden, die durch Geschäftsbeziehungen und Informationsaustausch miteinander verbunden sind.
Auf der Angebotsseite tragen spezialisierte Produktionsfaktoren - zum Beispiel Arbeitskräfte und Infrastrukturen - dazu bei, dass Unternehmen Kostenvorteile und Synergieeffekte erzielen. Auf der Nachfrageseite erhöhen der lokale Wettbewerb und der spezialisierte Bedarf den Innovationsdruck. Die räumliche Nähe erleichtert den Wissensaustausch und regionale Innovationsprozesse.
Vorbild Silicon Valley
Unterstützend kann auch ein gemeinsames Milieu geteilter Werte, Regeln und des Vertrauens zwischen den Beteiligten wirken. In der Wirtschaftsförderung werden mittlerweile unterschiedliche Organisationsformen und -strukturen mit dem Markenzeichen Cluster versehen. Angeregt durch Beispiele wie das auf Informationstechnologie spezialisierte Cluster Silicon Valley in Amerika, wurde die Identifizierung von Clustern in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Innovations- und Regionalpolitik in Deutschland.
Intensiv diskutiert werden zurzeit vor allem die Voraussetzungen für die Identifizierung von Clusterpotentialen, die Initiierung und in jüngster Zeit auch die Instrumente zur Weiterentwicklung von Netzwerken und Clustern. Dies ist nicht zuletzt deshalb notwendig geworden, weil es schon lange nicht mehr ausreicht, immer ähnlicher anmutende technologieorientierte Cluster (wie Mikro, Nano, Bio) zu identifizieren, um sich von anderen Regionen oder Städten abzuheben.
Cluster und Netzwerke sind somit vor allem auch Ausdruck eines neuen Verhältnisses zwischen Kommune und Unternehmen. Denn die kommunale Wirtschaftsförderung sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, Gewerbeflächen bereitzustellen und Ansiedlungen finanziell zu fördern. Sie initiiert und moderiert die Netzwerkbildung in der Wirtschaft. Und das kann bei richtiger Anwendung einen bedeutenden Mehrwert für den Standort bedeuten.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AFP, Andreas Weishaupt