Freiwillige Kooperation ist der zentrale Begriff der Forschungen des Entwicklungspsychologen Michael Tomasello, der am Mittwoch den alle drei Jahre verliehenen Hegelpreis der Stadt Stuttgart entgegennahm. Auch die anschließenden Feier erwies sich als Beleg seiner Theorie. Von Patrick Bahners
Charles Darwins Evolutionstheorie wird gerne zur Rechtfertigung von Unterdrückung genutzt; das Stärkere setze sich eben durch. Darwin war auch durchaus zurückhaltend in moralischen Fragen, die seine Lehre aufwarf. Doch bei einem Thema kannte er keine Zurückhaltung: bei der Sklaverei. Von Henning Ritter
Als er seine Forschung aufnahm, zog es ihn auf die andere Seite der Erdkugel. Am Ende war er zum Verteidiger seiner eigenen Kultur geworden. Zum Tode des großen Anthropologen Claude Lévi-Strauss. Von Henning Ritter
Im Kampf gegen die Epigonen des deutschen Ernstdiskurses, ohne Rücksicht auf Gedächtnisverluste: Karl Heinz Bohrer zitiert Heinrich Heine, der Saint-Just zitierte. Zur Ironie der Kritik am Beispiel der Sloterdijk-Debatte. Von Patrick Bahners
Wir treffen Ulrich Raulff im Marbacher Literaturarchiv, das samstäglich still und wie in sich gekehrt wirkt. Der Direktor dagegen ist höchst lebhaft und überrascht vom großen Interesse an dem Buch über Stefan George, das er gerade veröffentlicht hat.
Freunde findet man bei dem Netzwerk in rauhen Mengen. Die Software schlägt sie nach dem Kriterium der biographischen Kontinuität vor. Aber warum sollte man all diese Menschen eigentlich wiedersehen wollen? Von Gerald Wagner
Mit seiner Studie Bundesrepublik als Idee hat der Hamburger Politologe Jens Hacke so etwas wie ein transzendentales Manifest für die neue Regierungskoalition vorgelegt. Seine Ideengeschichte zeichnet die Versuche der Deutschen nach, ihr Land nach dem Krieg wieder zu mögen. Von Jürgen Kaube
Philosophischer Klassenkampf von unten und oben: Peter Sloterdijk geißelt den Sozialstaat als institutionalisierte Kleptokratie, Axel Honneth schießt mit moralischer Munition zurück. Der eine betreibt Theorie auf eigene Rechnung, der andere Kritik mit ungedeckter Währung. Von Jürgen Kaube
Ist der Schlaf ein Zustand der Ichlosigkeit - oder gilt das Wort Heraklits, dass wir im Wachen eine Welt teilen, im Traum aber mit uns allein sind? Wichtige Hinweise darüber, was beim Träumen mit uns passiert, finden wir im Einschlafvorgang. Von Wolfgang Leuschner
Wie aus einer lokalen Sicherungsgruppe eine nationale Macht wurde: Die Taliban begannen als regional begrenzte Straßenwächter, bis sie, von Pakistan aufgebaut, zur revolutionären Massenbewegung wurden. Wer heute von Taliban spricht, kann sich auf keine homogene Gruppe mehr beziehen. Von Joseph Croitoru
Achtzig Prozent der Uni-Absolventen gelangen schon binnen eines Jahres nach dem Hochschulabschluss in eine bezahlte Erwerbsarbeit. Bei den Geisteswissenschaftlern aber sind es nur 55 Prozent, besagt eine Studie. Woran liegt das? Von Jürgen Kaube
Ich geh Schule: In der Linguistik gibt es einen Exotismus der grammatischen Fehler. Die Erwartung, Regeln sollten eingehalten werden, wird als Diskriminierung von Unterschichten und Migranten betrachtet. Von Wolfgang Krischke
Literaturwissenschaftler müssten heute Millionen von Büchern lesen, um auf dem Stand der Forschung zu bleiben. An ihrer Stelle durchforsten Computer Millionen von Werken und finden unbekannte Muster heraus. Über den Paradigmenwechsel vom Lesen zum Rechnen der Literatur. Von Gerhard Lauer
Nach stalinistischen Anfängen wurde er zum Diagnostiker geschichtsphilosophischer Paradoxien innerhalb des kommunistischen Programms: Im Alter von 81 Jahren ist der polnische Philosoph Leszek Kołakowski gestorben.