Wo ist der Platz des Intellektuellen? Jürgen Habermas stieß eine Debatte an

Kulturkritik

Ist Hecheln unsere Leitgeschwindigkeit?

Warum ist die Urteilskraft des öffentlichen Intellektuellen heute wichtiger denn je? Weil wir unter einem ökonomistischen Diktat der Fristen stehen, das unser übergreifendes Denken bedroht. Von Christian Geyer

Lesermeinungen zum Beitrag

14. Februar 2008 09:15

Ursache des Hecheln ist die Tonnenideologie (neudeutsch publish or perish)

Johann Lauer (jlau)

Die Auswirkungen des Hechelns wurden auf den Punkt gebracht. Ursache des Hecheln ist die Tonnenideologie (neudeutsch publish or perish).
Der Erfolg eines Denkers wird anhand von quantitativen Verfahren ermessen.
Ergebnis: Geisteswissenschaftler glänzen indem sie Klassiker paraphrasieren und dabei auch nicht vergessen alle Fußnoten, die dazu im Laufe der Jahrhunderte verfasst sind, umfangreich darzustellen. Sozialwissenschaftler überfluten uns mit Daten und meinen mit der Erstellung von bunten Diagrammen sei die Arbeit getan.
"Daten sind sowenig Information wie fünfzig Tonnen Beton ein Wolkenkratzer. ... Es geht um den Zusammenhang zwischen Daten, Information, Wissen, Verstehen und Weisheit. Unsere Netze strotzen vor Daten. Etwas davon ist Information. Ein Bissel dessen erscheint als Wissen. In Kombination mit Ideen ist manches davon tatsächlich brauchbar. Unter Hinzufügung von Erfahrung, Kontextbezug, Mitleid, Disziplin, Humor, Toleranz und Bescheidenheit wird Wissen vielleicht zu Weisheit" (Stoll, Clifford, 1996: Die Wüste Internet, 280).
Wichtig ist aber die Quintessenz von Nietzsches „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“: Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit darf nicht einmal die eigene Antworten unnötig beschweren, geschweige denn, wie dies bei vielen Geisteswissenschaftlern der Fall ist, das eigene Denken geradezu ersetzen.
Johann Lauer

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14. Februar 2008 08:16

Was würde uns eigentlich fehlen?

Detlef Symietz (Symietz)

Zum Artikel selbst und den wahrhaft gewichtigen Aussagen von Habermas und Kollegen zur Vordringlichkeit des Befristeten etc. fällt mir eine Episode ein:
Ein exzellenter Fachmann auf math.-naturwiss. Gebiet besuchte ein Institut einer "theoretisch orientierten Fachrichtung" und liess sich erklären, was sie denn dort eigentlich forschen und erreichen wollen. Er verstand die Ausführungen nicht, auch nicht beim zweiten Mal. Daraufhin fragte er: Was würde uns und der Menschheit fehlen, wenn Ihr Institut morgen abbrennen würde?
Und so frage ich als einer der "Ahnungslosen", die es darauf anlegen sich, lt. Geyer, einen Namen zu machen, weil sie von der Sache ,für oder gegen die sie Partei ergreifen, erkennbar keinen Schimmer haben:
Was würde uns fehlen, wenn die berichteten Aussagen zum "Hecheln als unserer Lichtgeschwindigkeit" einfach nicht gesagt und der Artikel nicht geschrieben worden wäre ?

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