Sehr geehrter Herr Kaube,
merkwürdig finde ich an Ihrem Artikel, dass Sie nicht auf den (persischen) Mithraskult eingehen. Der Sonnengott M. wurde am 25. Dez. (!) von einer Jungfrau geboren.
Auf den Kultstätten (Mithräen, usprüngl. Höhlen) wurden oft christliche Kultstätten errichtet (San Clemente in Rom ist ein bekanntes Beispiel), und es spricht viel dafür, dass auch das Datum der Geburt des Mithras vom Christentum übernommen wurde.
Mit freundlichen Grüßen
Eric Gutzler
Jede Religion beutet die jeweilig vorgefundene Vorläuferreligion aus, selbst da wo Brüche angesagt sind (Vaterrecht bricht Mutterrecht!). Wenn man eine Religion begründet und damit alle anderen Religion als heidnisch diffamiert, aber zugleich die Rituale der „Heiden“ gebraucht, hat man regelmäßig ein Problem mit der „Erinnerung“ der Heiden. Die beste Übernahme der heidnischen Kulte ist somit identisch mit deren Ausrottung. Klar zu erkennen an den Missionierungen der Indios Südamerikas und der Aufpfropfung des katholischen Marienkultes auf regionale Fruchtbarkeitskulte, die noch vorpatriarchalische Merkmale aufwiesen. 500 Jahre später sollte sich das als Problem herausstellen, nämlich in der Existenz der Befreiungstheologie, die so furchtbar wenig mit dem Gottvatertum, aber umso mehr mit Muttergottheiten zu tun hat. Vergleichbares auch bei der Installation der „jungfräulichen Geburt“, die direkt aus dem Mitraskult eines Konstantins übernommen war, zusammen mit dessen „Mitrakrone" (des Papstes), seiner roten Heidenrobe als hoher Priester des Mitrakultes - und damit den Insignien der Macht katholischer Bischöfe -, wie überhaupt einer christlichen Mythologie, wie wir sie heute kennen.
Chanukka, ein seit 165 v. Chr. begangenes jüdisches Lichterfest beginnt am 25. Kislew (etwa Dezember). In den Makkabäerbüchern wird der Sieg der Makkabäer über die Griechen vom 25. Kislew für acht Tage gefeiert. Das entspricht der Zeitspanne zwischen 25. Dezember und 1. Januar. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass der Talmud von einem (untergengangenen) jüdischen Feiertag als Sonnenwendfeier spricht, die schon Adam, der erste Mensch, zelebrierte, dann kommt man der Terminierung des Weihnachtsfest und auch des letzten Tages dieses achttägigen Festes – Sylvester - ohne großen detektivischen Aufwand auf die Spur. Hier – wie an anderen Stellen auch, wurde die Struktur des biblisch-jüdischen Kalenders auf das Christentum übertragen, freilich mit ganz anderen aus der Sicht des Judentums fremden Inhalten belegt. Das Gemeinsame ist aus dem Bewusstsein entschwunden – aber – wer sehen will – kann es doch entdecken.
Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin
Sehr schön geschrieben, ich empfehle jedem den kostenlosen Internetfilm zeitgeistmovie.com, der auch die Grundlage für diesen Zeitungsartikel sein könnte.
... des Weihnachtsfestes nun wissenschaftlich unzweifelhaft belegt ist oder nicht, erscheint mir ziemlich uninteressant. Jedenfalls ist die These, dass das Datum des Weihnachtsfestes analog zur Sonnenwendfeier im Juni ganz einfach eine primär kalendarische Bedeutung hat - die Tage werden ab jetzt wieder länger -, weitaus plausibler, als die im FAZ-Beitrag kompliziert, widersprüchlich und oftmals an den Haaren herbeigezogen erscheinenden theologischen Erklärungsversuche.
Hm, daß Weihnachten etwa auf die längste Nacht des Jahres Welt und Christus als Licht in der größten Dunkelheit auf die Welt kommt, habe ich schon als Kind im Religionsunterricht gelernt.
Das Weihnachtsfest liegt nun mal auf einer Sonnenwende, das kann man nicht einfach abtun, schon gar nicht durch einen Beweis ex negativo. Welche Art Quellen stellt Herr Förster sich denn vor, in denen heidnische Sonnenwendfeiern ausgiebig belegt sein sollen? Es ist viel eher zu erwarten, daß ein frühchristlicher Autor, zum Beispiel Shenute in Ägypten, solch heidnische Kulte verschweigt oder nur noch im christlichen Licht darstellt.
Umfaßt F.s Behauptung etwa das Gebiet der gesamten Christenheit von Ägypten bis Zentraleuropa? Zumal es Sonnenwendfeiern ja durchaus gibt, der Mittsommer zum Beispiel ist auch eines und auch die Kopten blickten bei ihrer Christianisierung auf drei Jahrtausende Sonnenkult zurück. Aus direkt vorkoptischer Zeit sieht man Sonnen-Mond-Zyklen auf Särgen. Da wäre es interessant gewesen zu erfahren, ob der 25. Dezember seinen Ursprung an einem gewissen Ort haben könnte. Und mich hätte auch F.s Ansicht zum Julfest interessiert einschließlich einer neuen Deutung der Hunderte von nichtchristlichen Julfestbräuchen in Skandinavi
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