10. August 2008 Die Schlacht um Continental geht in die heiße Phase. Am Mittwoch beraten Conti-Vorstand und Aufsichtsrat über die Abwehr der Schaeffler-Gruppe, die sich anschickt, den Autozulieferer unter Kontrolle zu bringen. Die Möglichkeiten des Widerstands gegen feindliche Übernahmen sind freilich begrenzt.
Das Interesse der Gesellschaft und deren Eigner bewertet das Gesetz höher als den Machterhalt des Managements. Die Aktionäre haben ein einfaches Mittel des Protestes: Sie können ihre Conti-Anteile behalten. Der Angreifer müsste dann den Preis erhöhen oder unerledigter Dinge von dannen ziehen. Denn bei allen juristischen Spitzfindigkeiten: Kein Paragraph gibt einem Manager das Recht, sich seine Aktionäre selbst auszusuchen. Im Gegenteil. Übertreibt er es mit der Verteidigung, muss er mit Schadensersatzklagen der Eigner rechnen.
Da im Fall Conti die Schaeffler-Gruppe mit acht Prozent der Anteile bereits wichtigster Aktionär ist, braucht Conti-Chef Manfred Wennemer keine Phantasie, um sich derartige Schritte vorzustellen. Er argumentiert deshalb, er kämpfe nicht um seinen Posten, sondern um einen "fairen Preis" für die Conti-Aktionäre. Als Grundlage dienen ihm Gutachten, die dem Konzern einen deutlich höheren Wert bescheinigen als die 70,12 Euro je Aktie, die Schaeffler bereit ist zu zahlen. Als wahrscheinlich gilt, dass er deshalb die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung vorschlagen wird: Damit verlängert sich die Frist des Schaeffler-Angebots von vier auf zehn Wochen. Bis Anfang Oktober hätte Conti dann Zeit zur Gegenwehr, denn keine der ins Auge gefassten Optionen gelingt über Nacht.
Der Verkauf von Kronjuwelen: In der Theorie kann ein Vorstand das angegriffene Unternehmen zerschlagen - damit wird es als Übernahmeziel hinfällig. Nun hat Wennemer von Anfang an ausgeschlossen, etwas zu tun, was Conti schadet. Eine halbwegs elegante Möglichkeit bietet sich ihm trotzdem, die Pläne von Schaeffler zu durchkreuzen: Er könnte eine Sparte - etwa die hochprofitable Conti-Tech - zum Teil an die Börse bringen. Behielte Continental die Kontrolle über die Tochtergesellschaft, hätte Wennemer sein Wort nicht gebrochen, und er könnte sagen, er handle im Sinn seiner Aktionäre, wenn er versteckte Werte hebe. Nur: Ist im Moment ein guter Zeitpunkt für einen Börsengang? Noch dazu von einem Autozulieferer? Eher nicht.
Der Kauf von anderen Unternehmen: Der Verteidiger kann die Flucht nach vorn antreten und eine dritte Firma kaufen - damit würde er unverdaubar für den Angreifer. Auch diese Variante spielen die Conti-Strategen durch. Der Haken an der Sache: Manfred Wennemer hat eben einen großen Brocken übernommen, Siemens VDO, und sich daran fast verschluckt. Wie sollte er auf die Schnelle weitere Zukäufe finanzieren?
Die Erhöhung des Kapitals: Eine klassische Maßnahme, um eine Übernahme zu erschweren. Die Hauptversammlung im April hat den Conti-Vorstand ermächtigt, das Kapital um 10 Prozent aufzustocken. Das würde Schaeffler kaum schmerzen. Erst mit einem weiteren Beschluss der Aktionäre könnte Wennemer befreundeten Investoren den Einstieg erleichtern. Schaeffler droht für solche Szenarien bereits mit rechtlichen Schritten. "Vorstand und Aufsichtsrat sind gesetzlich verpflichtet, auf Maßnahmen zu verzichten, die lediglich der Abwehr des Angebots dienen", warnen die Franken.
Die Suche nach einem weißen Ritter: Offensichtlich müht sich der Conti-Vorstand, unterstützt von einer Schar von Investmentbankern, einen Gegenpol zu Schaeffler aufzubauen. Finanzinvestoren wie strategische Investoren werden angesprochen. Namen werden gespielt - und schnell wieder verworfen. Offen bleibt die Frage: Was hätte der Conti-Vorstand damit gewonnen? Die Zeit, frei zu schalten und zu walten, ist mit jedem Großaktionär vorbei. Gegen den Einstieg eines Private-Equity-Fonds würden zudem die Arbeitnehmer rebellieren.
Die gütliche Einigung: Natürlich verhandeln die beiden Seiten in aller Stille - fernab des öffentlichen Getöses, das gegenwärtig veranstaltet wird, um Druck aufzubauen. Eine Lösung sähe so aus: Schaeffler erhöht leicht den Preis. Der Conti-Vorstand hätte so das Gesicht gewahrt und würde die neuen Großaktionäre begrüßen. Der Einstieg der Franken in Hannover liefe weit geschmeidiger. Ein hoher Aufschlag ist unwahrscheinlich, das legt zumindest die Börse als unparteiischer Beobachter nahe: Der Kurs der Conti-Aktie entfernt sich kaum vom Angebot, das Schaeffler vorgelegt hat.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: ddp
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