Auch dem Partner solle man seine Erfolge gönnen und nicht ständig versuchen, ihm auch noch die letzte Butter vom Brot zu kratzen, ermahnte Kurt Beck die Kanzlerin. Der Satz lehrt nicht den stilsicheren Gebrauch der deutschen Sprache und enthält doch eine Botschaft: Es ist nicht mehr viel Butter auf Becks Brot. Von Edo Reents
Der ausgelatschte Königsweg zum Unbewussten ist die Umfrage. Und die grassiert: Hamburgs Männer halten sich für die größten, Frauen mögen keine Cowboystiefel - und die Internetnutzer keinen Glockenwurm. Eine große Ungerechtigkeit. Von Oliver Jungen
Die Humboldt-Box sollte die Berlin-Besucher über den Fortgang der Bauarbeiten am Schlossplatz informieren. Sie wäre von spektakulärer Außenwirkung gewesen und hätte Berlin keinen Cent gekostet. Doch die Stadt will sie nicht. Von Andreas Kilb
Kurios: Den Verriss eines Literaturkritikers der F.A.Z., vor über dreißig Jahren zu einem seiner Romane erschienen, während viele Literaturkritiker das Buch doch gutgeheißen hatten, hält ein bekannter Literat heute für ein Produkt des Zeitgeists. Der Autor nennt den Namen nicht. Wir wollen beide nennen. Von Hubert Spiegel
San Francisco, eine für ihre Freizügigkeit bekannte Stadt, will nach dem für seine Freisinnigkeit wenig bekannten Präsidenten George W. Bush eine städtische Einrichtung benennen. Wird Bush diese Ehre noch annehmen, wenn er von dem perfiden Hintersinn des Vorschlags erfährt? Von Jordan Mejias
Das große Buch lesbischer Pferdenovellen oder die Höhepunkte der Zementgeschichte sind Bücher, denen eins gemeinsam ist: Sie sind tatsächlich geschrieben worden und haben beide den englischen Diagram Preis für den eigenartigsten Buchtitel des Jahres gewonnen. Das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel zieht nach. Von Jürgen Kaube
Wie eine Stola hatte sich Horst Köhler zum Finale einen Deutschlandschal über die Schultern drapiert. Doch nicht allein das, auch die unweigerlich anstehende Wollwäsche lässt Rückschlüsse auf die präsidiale Amtsführung zu. Von Edo Reents
Ein Nordpol ohne Eis wäre das bislang stärkste Menetekel eines tiefgreifenden Klimawandels. Auch die Landkarten der literarischen Phantasie würden sich verändern. Sie wären um einen Ort des Schreckens und der Faszination ärmer. Von Hubert Spiegel
Majestätisch ist die Schmucklosigkeit des Berliner Hauptbahnhofs. Der Schlauch will nicht mehr sein als die Hülle der Bahn. Majestätisch ist jedoch auch der Führungsstil von Bahnchef Hartmut Mehdorn, der das Dach des Bahnhofs an einer Seite verstümmeln ließ, wohl in einem Anfall bonapartistischen Größenwahns. Von Patrick Bahners
Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat geurteilt, dass die Todesstrafe für Kinderschänder verfassungswidrig ist. Barack Obama hat das Urteil sogleich verurteilt. Der Hoffnungsträger der Schwarzen ist nicht kühn genug, die Lektion aus deren Leidensgeschichte zu ziehen. Von Patrick Bahners
Madrid ehrt Anne Frank. Warum? Weil sie gerade 79 Jahre alt geworden wäre? Weil man sich dabei selbst wohl fühlt? Weil sie sich nicht dagegen wehren kann? Und der Platz, den man ihr zu Ehren einweiht, heißt natürlich Plaza Ana Frank. Nach der Identität der Geehrten fragt keiner. Von Paul Ingendaay
Nach der Sommersonnenwende, mit der das Zeichen Krebs einsetzt, geht das Licht zurück, und die Tage werden wieder kürzer. Der Krebs ist also ein Zeichen dafür, dass etwas zurückgeht, ins Tiefe und Unauslotbare. Kein Krebs-Mensch, der nicht ein Geheimnis um sich webte. Von Lorenz Jäger
Man mag ihn sich kaum vorstellen, mit Goldkette, herunterhängender Hose und Basecap. Und doch ist Italiens bekanntester Intellektueller Umberto Eco jetzt unter die Rapper gegangen. Für das neue Album von Ottavia Fusco, Gli anni zero, hat der Theoretiker der Popkultur einen leichten Sommer-Rap getextet. Von Dirk Schümer
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