Von Edo Reents
07. Juli 2008 Die Nachricht machte ganz schnell die Runde: Kurt Beck hatte Angela Merkel geraten, auch dem Partner seine Erfolge zu gönnen und nicht ständig zu versuchen, ihm auch noch die letzte Butter vom Brot zu kratzen. So steht es in der Bild-Zeitung. Man sollte sich von der Handfestigkeit dieser im übrigen ja schiefen Formulierung nicht täuschen lassen.
Jeder weiß, dass man jemandem die Butter höchstens vom Brot nehmen kann, obwohl das wahrscheinlich auch nicht so einfach ist; es sei denn, es ist harte, gefrorene Butter, die man ohne weiteres in die Hand nehmen kann, vielleicht noch aus Butterbergzeiten, als der Stoff massenhaft gelagert und dann aber einmal im Jahr günstiger verkauft wurde als sogenannte Weihnachtsbutter, das Pfund fünfzig bis siebzig Pfennig billiger, und auf der Verpackung stand: Molkereibutter aus Interventionsbeständen.
Brot ohne Butter
Dass jede Familie davon nur vier Pakete kriegte, mag man als Beweis dafür nehmen, dass es damals schon eine Neidgesellschaft gab, die einem die Butter auf dem Brot nicht gönnte und ständig versuchte, einem das Schwarze unter den Nägeln wegzukratzen. Ach ja, man hat gut witzeln über einen Parteivorsitzenden, mit dem man ja nicht tauschen möchte. Es ist billig, ihm von dieser Stelle aus noch Lektionen über den richtigen Gebrauch von Redewendungen in den gerade angetretenen Mosel-Urlaub besserwisserisch hinterherzubellen. Was wäre damit gewonnen?
Kurt Beck wusste, was er sagte, als er Angela Merkel dazu aufforderte, ihm nicht auch noch die letzte Butter vom Brot zu kratzen. Denn in dem nicht auch noch und in dem letzte steckt, als doppelter Alarm, die Information, dass da bereits kräftig gekratzt oder sagen wir lieber: genommen wurde und ohnehin nicht mehr viel übrig ist von der Butter auf Becks Brot. Und dann stimmte das mit dem Kratzen plötzlich doch: Ganz geringe Mengen, Spurenelemente kann man gar nicht mehr nehmen, die muss man wirklich kratzen - eine Tätigkeit, die nun aber nicht nur auf Beck kein günstiges Licht wirft, weil der sich das ja offensichtlich gefallen lässt, sondern auch auf die Kanzlerin: Kratzen, beißen, spucken tun nur fiese Mädchen. War es das, was Beck andeuten wollte, und seine Redewendung verunglückte ihm dabei nur, sie fiel, wie sagt man, wieder einmal auf die Butterseite?
Text: F.A.Z.