Schuluniformen

Rollen ohne Spiele

Von Jürgen Kaube

15. Mai 2008 In England hat gerade der konservative Schattenminister für Erziehung, Michael Gove, den Spieß einmal umgedreht. Wenn Uniformen für Schüler gefordert würden, dürfe man auch dezente Kleidung von Lehrern verlangen. Gove hatte gerade eine Londoner Schule besucht, deren Leiter seine Kollegen darum ersucht, auf Jeans und Lederkleidung zu verzichten.

Nun liegen uns keine alarmierenden Informationen über den durchschnittlichen Anblick vor, den hierzulande Lehrer ihren Schülern bieten. Doch das Argument des Schattenministers betrifft alle Verhaltensstandards. Wenn über Disziplin an Schulen diskutiert wird, geht es auch hierzulande meist einseitig um die mangelnde von Schülern: bauchfrei, unpünktlich, schwatzhaft, nicht zu Hausaufgaben geneigt und so weiter. Den so Beschriebenen muss das ungerecht vorkommen. Nimmt die Beschwerde doch an Haltungen Anstoß, für die es in anderen Worten seit einiger Zeit auch pädagogisches Lob gibt.

Noten sind unpersönlich

Selbständig, gar „selbstwirksam“ solle der Schüler sein. Um seine Individualität habe es zu gehen, am besten sogar, die Schüler schätzten selber ihre Lernfortschritte ein. Es gehe nicht um das Lernen von Stoff, sondern um das Lernen des Lernens. Der Frontalunterricht mit Fokussierung auf den Lehrer sei von Übel und Hausaufgaben seien das sowieso, die ja nur die häuslich bedingte Ungleichheit zwischen den Schülern verstärkten. Noten seien als unpersönlich abzulehnen. Will man es Schülern verdenken, wenn sie aus solchen Redensarten eigene Schlüsse ziehen? Wenn sie sich durch Ablehnung der von manchem Lehrer selbst als altbacken abgelehnten Unterrichtsnormen individualisieren?

Schon die Rede, der Lehrer habe es mit Kindern und Jugendlichen zu tun, wo es in Wahrheit doch Schüler und Schülerinnen sind, bestärkt deren Neigung, sich von ihrer Rolle zu distanzieren und persönlich zu werden. Auch Lehrer ist eine solche Rolle, und ein Sinn der Schule liegt in der Erfahrung, dass wechselnde Personen dieselbe Rolle einnehmen – also gerade in der Erfahrung von etwas Unpersönlichem. Dass wir im gesellschaftlichen Umgang zumeist nichtindividuelles Verhalten voneinander erwarten, mag beklagen, wessen Phantasie nicht ausreicht, sich die Konsequenzen des Gegenteils auszumalen. In der Schule würden sie den Unterricht zerstören.



Text: F.A.Z.

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