25. April 2008 Die Würdigung irgendeiner Bühnen- oder auch Lebensleistung dieses Schauspielers – und dann auch noch heute zum sechzigsten Geburtstag – verbietet sich absolut, weil dieser Schauspieler, der kein Schauspieler, sondern ein Nicht-, ja Anti-Schauspieler ist, sich jedwedes Würdigen verbittet (in dem ja wortmäßig Würde“ steckt, die absolute Schreckenskategorie dieses bäuerlichen Bürgerschrecks) und man ja auch einen Schauspieler gar nicht würdigen kann, der nicht den Lear (von Shakespeare) oder den Lopachin (von Tschechow) oder den Kasimir (von Horváth) oder den Gust (von Achternbusch) oder den Clown Adolf Arsch (von Shakespeare) oder den Big Daddy (von Tennessee Williams) spielt, obwohl er hie und da so tat, als würde er diese Rollen ganz wunderbar spielen, wenn sie ihm nicht so wurscht wären, sondern immer nur den Bierbichler (von Bierbichler) gibt, der seit jeher aus jeder Rolle völlig heraus- und in sich selbst hineintappt wie in eine offene Falle und seine Bierbichlerei, die er genauso oberbajuwarisch dialektknarzend und vorsätzlich ungeschlacht kunstlos dahertappt, wie’s der Name verspricht, zum szenenfüllenden dickstierschädligen Nichtspielenwollen auswalzt, wobei er (Ja, Scheißdreck“, Geht’S scho hoam?“) gerne das Theater zur Wirklichkeit hin niederkartätschraunzen täte und Gewalt gegen jedermann im Parkett üben würde, damit er kein Theater mehr von innen sehen müsste und sich den Normalvertrag solo sonstwo hinstecken könnte, wenn nicht dieses Angewidertsein von jeglichem, was auch nur nach Schein und Kunst und Höhersprache und nicht nach Amberger Ethno-Underground riecht, auch schon wieder ein Kunstgriff wäre, das Theater mit dem Leben zu verwechseln, zu welchem wir ihm dann doch an diesem Tage herzlich gratulieren, auch wenn sich das, wie gesagt, nicht schickt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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