Von Thomas Thiel
26. Juli 2007 G-Hot ist einen langen Weg gegangen. Er führte ihn durch Nächte an Tankstellen und Studios mit Pfandflaschen, durch alle Höhen und Tiefen des Lebens, und schließlich führte er ihn, als er schon glaubte, dass er zu überhaupt nichts mehr führen würde, zu dem Berliner Hip-Hop-Label Aggro Berlin. Aggro Berlin gab ihm alle Freiheiten, die ihm das Leben vorher entzogen hatte. Hier reimte er und rappte er, wurde reich und auch ein bisschen berühmt. G-Hot hat es geschafft heißt ein Lied auf seiner letzten CD.
Das heißt: ein bisschen gibt es für einen wie ihn nicht, es muss immer das Größte und Dickste sein: die höchste Potenz, die kurvigsten Kurven, der teuerste Benz. Das alles reklamiert er in Fülle für sich, und er singt so beharrlich und ausdauernd davon, dass es fast schon wieder komisch ist, aber davon ahnt er nichts, und es wäre ihm unangenehm. Lachen soll man über ihn nicht, man soll ihn fürchten. Denn G-Hot ist böse, sehr böse sogar, vielleicht der böseste Typ zwischen Lankwitz und Steglitz.
G-Hot, der eigentlich Gökhan Sensan heißt, weiß, dass es nichts bringt, im Leben aus zu vielen Fenstern zu schauen. Feindbilder dienen der Selbsterhaltung. In der Schwulenszene hat er sein Feindbild gefunden. Mit Männern, die sich ein bisschen wie Frauen benehmen, weiß einer wie er nichts anzufangen. Denn Frauen, das wird er zu besingen nicht müde, sind ihm einzig zu einem nützlich: zum Beweis seiner Potenz. Davon hat G-Hot, das behauptet er, viel.
Des Rappers bester Freund
G-Hot, der sich wie Dschihad ausspricht, führt also einen heiligen Krieg: gegen Schwule, die sein Weltbild verstören. Und in einem Moment besonderer Kühnheit rief er zum Mord an ihnen auf, wollte sie kastrieren und empfahl, sie mit der Axt zu halbieren. So etwas wie die habe kein Leben verdient. Der Song gelangt ins Internet, auf das Videoportal YouTube. Da kündigte ihm Aggro Berlin. Dabei war er nicht einmal der Erste und Einzige, der in diese Kerbe geschlagen hatte; auch der frühere Aggro-Kollege Bushido und der Maskenträger Sido haben homophobe Texte in ihrem Repertoire.
G-Hot weiß jetzt, dass es nur wenig echte Freundschaft auf der Welt gibt. Doch er hat einen guten Freund, der ihn nie im Stich lässt. Auch ihm hat er ein Lied geschrieben. Man soll ihn sich groß vorstellen, riesengroß und prall gefüllt mit einer Flüssigkeit, die er loswerden möchte. Das ist halt so. Das muss er einfach. Da führt, bei einem wie ihm, kein Weg dran vorbei.
Jetzt, da ihm ein teurer Prozess droht, ist G-Hot kleinlaut geworden. Es sei nicht so gemeint gewesen, er habe doch eigentlich nur hinweisen wollen auf Vorurteile gegen Schwule. Und er entschuldigte sich offiziell bei allen Homosexuellen, denn die gingen ihm, Alter, am Arsch vorbei. Er werde weitermachen und sich von ihnen nicht die Karriere verderben lassen. Und deswegen habe er jetzt ein eigenes Label gegründet. Suppe inna Puppe heißt es und erspart jedes weitere Resümee.
Text: F.A.Z., 26.07.2007, Nr. 171 / Seite 31
Bildmaterial: ddp, dpa, POP-EYE, Pedersen
