Von Andreas Kilb
04. Juli 2008 Man muss die Humboldt-Box, die der Förderverein Berliner Schloss an der Baustelle für das Humboldt-Forum Unter den Linden errichten wollte, nicht für ein Meisterwerk der zeitgenössischen Architektur halten. Aber die Box, soweit man das nach den Entwürfen beurteilen kann, ist ein Gebäude, das seinen Zweck perfekt erfüllt.
Auf sechs Stockwerken, deren Umgänge hinter einer transparenten Außenhülle wendeltreppenartig um die Schauräume im Inneren herumgeführt werden, hätten die Besucher zugleich die Baustelle am Schlossplatz und die Planungen für dessen künftiges Erscheinungsbild besichtigen können. Der Informationskubus, dessen Errichtung und Betrieb die Firma Wall aus Werbeeinnahmen finanzieren wollte, hätte die Stadt Berlin keinen Cent gekostet.
Absurde Aussage
Aber die Stadt will sie nicht. Das Projekt sei nicht realisierbar, weil das Gelände für Baustoffe und -maschinen gebraucht werde, teilte die zuständige Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Anfang Juni mit. Nachdem der Förderverein in dieser Woche die Entwürfe für den Bau präsentiert hat, erscheint diese Aussage noch absurder als zuvor. Die Humboldt-Box würde nur eine minimale Fläche am nördlichen Rand des Schlossareals besetzen, dafür aber ein Maximum an Besucherfreundlichkeit und spektakulärer Außenwirkung bieten - etwa so, wie es der inzwischen legendären roten Infobox am Potsdamer Platz in den neunziger Jahren gelungen ist.
Frau Lüschers Einspruch ist erkennbar von der Absicht diktiert, den Schlossneubau möglichst aus dem Blickpunkt touristischer Aufmerksamkeit zu rücken. Abgesehen davon, dass dieser Plan scheitern muss - Großbauten lassen sich vor Touristen nun einmal nicht verstecken -, verrät er viel über die Haltung der Senatsbaudirektorin und ihrer Vorgesetzten, der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, zu zentralen Fragen der Hauptstadtkultur. Frau Junge-Reyer, die schon den aktuellen Staatsopernstreit durch die unselige Verknüpfung von Generalplanung und Innensanierung in der Wettbewerbsausschreibung wesentlich mit ausgelöst hat, will offenbar ihr Ressort dafür benutzen, in Berlin Kulturpolitik zu treiben.
Dabei zeigt sich die Schwäche der jetzigen Ämterverteilung im Berliner Senat, bei der Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister zugleich Kultursenator ist, während der eigentlich ausführende Mann André Schmitz nur als Kulturstaatssekretär fungiert. Entweder spricht Wowereit jetzt ein Machtwort, oder er legt die Macht des Ressorts besser in andere Hände. Eine Kulturpolitik, die von der Bausenatorin mit der linken Hand betrieben wird, kann sich Berlin nicht leisten.
Text: F.A.Z.