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Ehrensache

Hurra für Dickens

Von Felicitas von Lovenberg

26. März 2008 Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. In Großbritannien ist es die, rein physiognomisch betrachtet, schmächtige, dafür literarisch hünenhafte Gestalt von Charles Dickens, dem man zu seinem zweihundertsten Geburtstag 2012 in Rochester ein Denkmal errichten möchte. Mehrere seiner Nachkommen sind dafür, darunter sein Ururenkel Ian Dickens, der in bester britischer Manier zu Protokoll gab, er begrüße den Ruf nach einem offiziellen Monument, und wenn eines in Rochester, eines in Portsmouth und eines in London errichtet werde, dann „hurrah to that“.

Die bisher einzige Statue des Schriftstellers, dessen immergrüner Platz in den Herzen, ja Seelen seiner Landsleute einer Parkbank ähnelt, auf der neben ihm nur noch das Phantom Shakespeare und die zarte Jane Austen Platz haben, steht in Philadelphia, und das schon seit weit über hundert Jahren - weil Dickens' Sohn die Annahme des Präsents verweigert und es 1894 ungeöffnet an die Absender, das amerikanische Volk, zurückgeschickt hatte. Der Grund für seine Empörung war derselbe, der jetzt für Streit zwischen der Familie Dickens, Mitgliedern der Dickens Fellowship und der City of Rochester Society sorgt: wünschte doch Charles Dickens, allein mit seinem Werk in Erinnerung zu bleiben.

Ein nicht gewährter Wunsch

Der Schriftsteller hatte sich 1869, im Jahr vor seinem Tod, testamentarisch ausdrücklich verbeten, dass Denkmäler „oder andere Zeugnisse“ zu seinem Gedächtnis errichtet würden. Dieser Satz hat indes bisher nicht viel verhindert: Es gibt Dickens-Museen in Holborn, in seiner Geburtsstadt Portsmouth und in Broadstairs. Dickens-Festspiele finden in Rochester in Kent statt, wo er seinen letzten Wohnsitz hatte. Doch das alles ist nichts gegen das benachbarte Chatham, wo seit vergangenem Mai der Freizeitpark „Dickens World“ dazu einlädt, das Elend der Viktorianischen Ära kennenzulernen, das der Schriftsteller als Kind selbst erfahren und in seinen Romanen immer wieder geschildert hat. Fernsehserien und Kinofilme nach Dickens-Vorlagen haben in Großbritannien ohnehin allzeit Konjunktur.

Einzig an Statuen mangelt es also noch, ausgerechnet in einem Land, das seine Helden gar zu gern auf Sockel stellt - und schon häufiger deren unliebsame letzte Wünsche ignoriert hat. So hatte Lord Nelson, der Säulenheilige vom Trafalgar Square, vergeblich darum gebeten, der Staat möge für das Wohlergehen seiner Mätresse, Lady Emma Hamilton, sorgen. Im Vergleich dazu, Denkmal hin, Statue her, haben es die Briten mit Dickens doch entschieden leichter, der befand: „Der Unterschied zwischen Bauten und Schöpfungen ist: Etwas Gebautes kann nur geliebt werden, nachdem es errichtet wurde; aber eine Schöpfung wird geliebt, noch bevor sie existiert.“ Das Werk sorgt für sich selbst.



Text: F.A.Z., 26.03.2008, Nr. 71 / Seite 33

 

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