31. Januar 2007 Immer wieder in den vergangenen Jahren haben wir diesen Platz dem Tod von Darstellern oder anderen Mitwirkenden an Filmen gewidmet, ohne deren Arbeit - meistens nicht ganz im Zentrum des Geschehens, aber dennoch unübersehbar - ganze Genres und Autorenwerke nicht denkbar wären. Und deren Ableben den deutschen Agenturen keine Meldung wert waren. Lange Nachrufe schienen nicht angebracht, ganz wortlos gehen lassen aber wollten wir sie auch nicht. So ist es auch mit Maj-Britt Nilsson. Ingmar Bergman besetzte sie, die am 11. Dezember 1924 in Stockholm geboren wurde und in den vierziger Jahren bereits in Schweden ein paar Filme gedreht hatte, Anfang der fünfziger Jahre in drei Filmen in der weiblichen Hauptrolle, und zwar in "An die Freude" (1950). "Einen Sommer lang" (1951) und "Sehnsucht der Frauen" (1952). Bergman behauptet von ihr, dass sie alles konnte, in Sekundenschnelle lernte und immer völlig natürlich blieb. Dass sie auch vom Ballett geprägt war und tanzen konnte, machte sie zur idealen Hauptdarstellerin in "Einen Sommer lang", in dem sie am Ende auf Spitze "Schwanensee" tanzt, und den Godard einmal den "schönsten Film der Welt" nannte.
Maj-Britt Nilsson wurde keine regelmäßige Mitarbeiterin in Bergmans Team, ihre spätere Karriere war jenseits der deutschen Heimatfilme "Das Erbe von Björndal" und "Ewig singen die Wälder" unauffällig. Im Theater aber in Stockholm, wo sie mit ihrem Mann Per Gerhard lebte, der dort ein Theater leitete, hat sie noch bis Mitte der achtziger Jahre große Rollen gespielt. Sie war eine sehr schöne Frau, dunkelhaarig und mit großflächigem Gesicht, auf dem sich jedes Gefühl von Verzagtheit über Wut zur Ekstase ausbreiten konnte. Bereits am 19. Dezember ist Maj-Britt Nilsson im Alter von zweiundachtzig Jahren in Cannes gestorben. VERENA LUEKEN
Text: F.A.Z., 01.02.2007, Nr. 27 / Seite 41